Fotografien von Andreas Mühe in der Kunsthalle Rostock

Die „wichtigste Ausstellung des Jahres“ zeigt einzigartige Bilder eines aufstrebenden Fotografen

26. August 2011, von
Andreas Mühe mit seiner Großbildkamera
Andreas Mühe mit seiner Großbildkamera

Andreas Mühe hat schon früh die Liebe zur Fotografie entdeckt. Das Künstlerische steckt ihm wohl in den Genen. Der verstorbene Vater Ulrich Mühe, der durch den Film „Das Leben der Andere“ international berühmt wurde, und seine Schwester Anna Maria Mühe sind Schauspieler, seine Mutter Theaterintendantin. Selbst ist der 31-Jährige gerade auf dem besten Weg, weltweit bekannt zu werden. Mühe fotografierte bereits für viele renommierte Magazine, unter anderem für „Die Zeit“, den „Spiegel“ oder „Vanity Fair“. Durch seine Porträts von Angela Merkel ist er für viele zum „Kanzlerfotografen“ geworden. Doch er ist viel mehr als das.

Seine Bilder sind nichts für einen flüchtigen Blick. Man muss sie eingehend betrachten, um alle Details erkennen zu können. Ob Porträts, Landschaftsbilder oder Stillleben, jedes Foto ist von ihm inszeniert. Es gibt keinen Zufall. Sorgfältig wählt er die Kulissen aus, in denen seine „Geschichten“ spielen. Die Umgebung wirkt dabei meist überdimensioniert und überwältigend. Berühmte Menschen, die im wahren Leben meist im Zentrum des Interesses stehen, rücken an den Bildrand. Insgesamt sechzig Werke von Andreas Mühe sind ab heute in der Kunsthalle Rostock ausgestellt.

Die großformatigen Fotos hängen ausnahmsweise nicht auf Augenhöhe
Die großformatigen Fotos hängen ausnahmsweise nicht auf Augenhöhe

Es ist „die wichtigste Ausstellung für die Kunsthalle in diesem Jahr“ verrät Museumschef Jörg-Uwe Neumann. Ihn beeindrucke vor allem, wie schnell sie realisiert werden konnte. Immerhin liege zwischen dem Kennenlernen des Fotografen im Herbst 2010 und der offiziellen Eröffnung nur knapp ein Jahr. Andreas Mühe war von der Idee, in Rostock auszustellen und von den Räumen der Kunsthalle sofort begeistert und so konnte das Projekt schnell umgesetzt werden. Auch für einen ungewöhnlichen Einfall Neumanns war der Fotograf offen: Er sollte nicht nur die obere Etage, sondern auch die Dauerausstellung im Erdgeschoss und den verglasten Innenhofraum zur Verfügung gestellt bekommen.

In diesem Raum will Mühe unter anderem "Die Vergänglichkeit von Zeitung" darstellen
In diesem Raum will Mühe unter anderem "Die Vergänglichkeit von Zeitung" darstellen

Im Erdgeschoss der Kunsthalle erwarten die Besucher nun die – den meisten wohl bekannten – Bilder aus dem Museumsbestand in völlig neuer Umsetzung. Andreas Mühe wählte acht Gemälde und eine Plastik aus, die bei genauer Betrachtung Parallelen zu ihm und seinen Werken erkennen lassen. „Verweise auf die Sammlung“ lautet daher der Titel dieser ungewöhnlichen Ausstellung. Ebenfalls im unteren Bereich befindet sich das im doppelten Sinne betitelte „Arbeitszimmer“ Mühes. Zum einen, weil es eine Rauminstallation ist, die mit Fotos von seinem Schreibtisch und Fotozubehör gestaltet ist, zum anderen, weil dieser Raum während der Ausstellungsvorbereitung tatsächlich vom Fotografen und den Mitarbeitern als Arbeitszimmer genutzt wurde.

Im ersten Stockwerk können die Besucher dann die eigenen Bilder des jungen Fotografen aus den letzten zehn Jahren betrachten. Doch dafür müssen manche vermutlich etwas in die Knie gehen. Denn die Bilder hängen ungewöhnlich niedrig. „Das ist natürlich Absicht“, so Mühe. „Der Betrachter kann dann viel besser in das Bild eintauchen.“ Damit überträgt der Künstler seine Bildkomposition in die Realität. Die Menschen, die sich meist im unteren Bildbereich befinden, werden auf den Fotos ohnehin durch die übergroße Darstellung des Hintergrunds verkleinert, nun also auch durch den Blickwinkel des Beobachters.

Die Washington-Serie ist bei seiner Reise mit Angela Merkel entstanden
Die Washington-Serie ist bei seiner Reise mit Angela Merkel entstanden

Allein durch dieses Detail zeigt Mühe einen ganz anderen Umgang mit Fotografie, den er selbst in seinen Bildern lebt. Und nicht nur seine Fotografien, sondern auch seine Fotoapparate sind einzigartig. Er arbeitet ausschließlich mit einer analogen, meist mit einer Großbildkamera. „Damit kann man viel detailgetreuere Bilder machen“, so Mühe. Außerdem habe die Kamera keinen Verschluss. „Wenn man auslöst, fühlt man das Bild.“

Im "Arbeitszimmer" der Kunsthalle wird er an drei Tagen Porträts machen
Im "Arbeitszimmer" der Kunsthalle wird er an drei Tagen Porträts machen

Jeder der Ausstellungsräume ist einem bestimmten Thema untergeordnet, wie „Deutschlandbild“, „Jugend“ oder „Köpfe des letzten Jahres“. Viele politische Persönlichkeiten sind auf seinen Bildern zu erkennen. „Politik muss in die Kunst“ ist Mühes Auffassung. Schließlich gebe sie den Fotos einen besonderen Hintergrund und nichts sei schlimmer als Bilder, die nur den Zweck hätten, dekorativ zu sein. Auch viele Auftragsarbeiten für bestimmte Zeitschriften hängen dort. Zum Beispiel eine Modestrecke für „FHM Collection“, die Mühe vor einigen Jahren fotografierte. „Heute würde ich das ganz anders machen“, resümierte der Künstler kurz. Daneben können die Besucher auf drei Fernsehbildschirmen Interviews mit Mühe sehen, und hören, was ihn zum Beispiel an berühmten Menschen fasziniert.

Wenn er selbst vor Ort ist, wird er diese Frage aber auch persönlich beantworten. Da er sich bei der Vorbereitung sehr wohl in der Kunsthalle gefühlt habe und „am liebsten noch eine Woche länger aufgebaut hätte“, wird er dort häufiger anzutreffen sein. Vor allem aber, weil er vor Ort ein neues Projekt verwirklichen will. An drei Terminen sollen die Besucher die Möglichkeit haben, sich von ihm porträtieren zu lassen. „Für eine neue Reihe suche ich Menschen zwischen 35 und 49 Jahren, die Teil der Körperkult-Bewegung in den Neunzigern waren.“ Aber auch alle anderen Interessierten sind an diesen Tagen herzlich willkommen. Wenn man sich selbst nicht ablichten lassen möchte, kann man immerhin einem berühmten Fotografen über die Schulter schauen.

„Die Fotos sollen für sich selbst wirken“ und haben deshalb keinen Titel neben sich hängen
„Die Fotos sollen für sich selbst wirken“ und haben deshalb keinen Titel neben sich hängen

Heute Abend um 18 Uhr wird die Ausstellung offiziell eröffnet. Im „Arbeitszimmer“ spielt ab 20 Uhr die Band „Purple Eyelid“. Am 27. August wird Andreas Mühe von 15 bis 16 Uhr die eigens für die Ausstellung erstellten Bildbände signieren.

Die Porträttermine sind für den 16. September sowie den 6. und 7. Oktober jeweils zu den Öffnungszeiten der Kunsthalle angesetzt. Die Ausstellung ist bis zum 23. Oktober geplant, wird aber möglicherweise noch verlängert.

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1 Kommentar

  • B:Beer sagt:

    Kann leider bei der Eröffnung nicht dabei sein. Habe vor 30 Jahren meine Zwischenprüfungsfotos mit einer Linhoff 4×5 gemacht. Ich hab auch einen Gesellenbrief und muß immer allen erklären warum ich keine digitalen Fotos mache. DIGITAL NIMMT DEM FOTO DIE SEELE! Weiterhin wünsch ich „immer gut Licht“ GIGI

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