„A.M. – Eine Deutschlandreise“ in der Kunsthalle

Der „Kanzlerfotograf“ Andreas Mühe inszeniert Angela Merkel und besetzt die Hauptrolle mit seiner Mutter Annegret Hahn

9. November 2013, von
Andreas Mühe in der Kunsthalle Rostock
Andreas Mühe in der Kunsthalle Rostock

Einige Wochen vor der Bundestagswahl sorgten Fotografien für Aufregung, die die nächsten zwei Wochen im White Cube – dem kleinen weißen früheren Innenhof der Kunsthalle Rostock – zu sehen sind. Der junge Fotograf Andreas Mühe, der sich bereits einen Namen als „Kanzlerfotograf“ gemacht hatte und sich mit Angela Merkel die Initialen teilt, veröffentlichte in der Kunstzeitschrift Monopol seine Bildserie „A.M. – Eine Deutschlandreise“ und sorgte damit für Verwirrung. Er hatte eine Frau abgelichtet, die aus einer Limousine heraus auf verschiedene Orte in Deutschland blickt. Ihr Blazer, ihre Frisur – auch wenn sie meist mit dem Rücken, eher selten im leicht abgewandten Profil zu sehen ist, deutete vieles darauf hin, dass es um Angela Merkel geht. War sie mit Andreas Mühe, der die Bundeskanzlerin bereits auf mehreren Auslandsreisen begleitet hatte, einmal quer durch Deutschland gereist? Nein, war sie nicht, stellte das Bundespresseamt in einer Eilmeldung kurz vor der Eröffnung der Berliner Ausstellung klar.

Dennoch bleibt der Titel „Guck mal, Mutti. Eine Reise durch die Heimat. Hinter Panzerglas. Fotografiert von Andreas Mühe“ treffend. Denn selbst wenn nicht Angela Merkel, die im Volksmund bekanntlich auch mal gern als „Mutti“ bezeichnet wird, neben dem Fotografen gesessen hat, so kann er die Frau trotzdem so ansprechen, handelt es sich doch um seine eigene Mutter Annegret Hahn. Anlässlich der Rostocker Ausstellungseröffnung lüfteten die beiden gestern das gut gehütete Geheimnis. Der Sohn erklärt dazu: „Wenn man zwei Wochen mit einem Model verreisen will, muss man sich gut mit ihm verstehen. Diese Person sollte man kennen und wissen, dass sie sich gut ins Team integriert. Dann fiel die Wahl auf meine Mutter.“

Andreas Mühe und seine Mutter Annegret Hahn
Andreas Mühe und seine Mutter Annegret Hahn

Mit der Idee aus dem ewigen Kanzlerfotografendasein herauszukommen, packte Andreas Mühe Anfang Juni seine Sachen. Mit Perücke, einer Handvoll farbiger Blazer und der Kamera im Gepäck bereiste er 14 Tage lang mit seinem Team Deutschland. 14 Fotografien zeigen ihre Etappen: Zugspitze, RAF-Gefängnis in Stammheim, Karl-Marx-Denkmal in Chemnitz, die Villa Hügel in Essen, ein Ortsschild in Brandenburg oder die berühmten Kreidefelsen auf Rügen. Nicht alle Zielorte waren vorher geplant, einige seien so „punktmäßig“ entstanden. Der Drehort von Edgar Reitz‘ neuem Film Heimat im Hunsrück oder der Strand auf Sylt seien spannende Neuentdeckungen gewesen.

Immer hat der 33-Jährige die Bilder so inszeniert, dass der Blick des Betrachters über die Schulter des Merkel-Doubles aus dem Inneren der Limousine durchs Panzerglas in die Landschaft fällt. Mal steht die Kanzlerin draußen und schaut in die Weite, meist jedoch scheint sie direkt neben ihm zu sitzen.

Die Limousinentür und die Fotografien im White Cube
Die Limousinentür und die Fotografien im White Cube

Das theatralische Arbeiten liegt dem Fotografen. Seine Mutter, die erste Frau seines Vaters und berühmten Schauspielers Ulrich Mühe, ist eine renommierte Regisseurin und Theaterintendantin. Zurzeit inszeniert sie am Rostocker Volkstheater „Harold und Maude“, dessen Premiere wegen der erkrankten Hauptdarstellerin auf den 17. November verschoben werden musste.

Die kurze Ausstellung von Andreas Mühe ist bereits seine zweite in der Kunsthalle Rostock. 2011 widmete sie ihm bereits eine Personalausstellung, die erste museale Ausstellung des jungen Künstlers.

Die 14 Fotografien „A.M. – Eine Deutschlandreise“ sind nur 14 Tage in der Kunsthalle zu sehen. Die Ausstellung endet am 24. November und kann bis dahin immer dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr besichtigt werden.

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