Rapper Bushido zu Gast im Rostocker Moya

Bushido ist „Jenseits von Gut und Böse“

16. Mai 2012, von
Bushido zu Gast im Moya bei der "Jenseits von Gut und Böse" Tour
Bushido zu Gast im Moya bei der "Jenseits von Gut und Böse" Tour

Nur wenige deutschsprachige Musiker werden in den Medien so kritisch besprochen wie Bushido. Anzeigen wegen Körperverletzung und Beleidigung, Frauenfeindlichkeit, Schwulenhass und jugendgefährdende Texte lassen den Berliner immer wieder in einem schlechten Licht erscheinen. Gerade in dieser Woche wurden wieder zwei Konzerte des Musikers abgesagt – Differenzen zwischen Konzertveranstalter und dem Umfeld Bushidos, so der offizielle Grund. Der Auftakt zum zweiten Teil der „Jenseits von Gut und Böse“ Tour gestern im Rostocker Moya war davon jedoch nicht betroffen.

El Moussaoui
El Moussaoui

„Scheiß auf die ausgefallenen Konzerte, wir machen trotzdem Party“, war der einzige Kommentar, den der Rapper an diesem Abend zu den jüngsten Vorfällen abgab. Wer Pöbeleien oder Beschimpfungen erwartet hat, wurde enttäuscht. Überhaupt wirkte der Berliner sehr zuvorkommend und freundlich. So versorgte er das Publikum mit Wasser, erzählte davon, dass bei ihm jeden Tag Muttertag sei und neben einem laut skandierten „ROSTOCK“ waren „bitte“ und „danke“ die häufigsten Wörter des Abends.

Auch musikalisch bot Anis Mohamed Youssef Ferchichi, so der bürgerliche Name Bushidos, nur wenig Reibefläche. Vor allem neuere Songs präsentierten er und seine zwei Mitmusiker DJ Ramon und El Moussaoui auf der Bühne. Zwar waren diese auch mit Ghettoromantik und Lebensgeschichten vollgepackt, doch war von der oft kritisierten Heftigkeit kaum was zu spüren. Erst bei der Zugabe gab es zwei Songs vom indizierten Album „Vom Bordstein bis zur Skyline“ zu hören und damit auch Textzeilen wie „Berlin wird wieder hart, denn wir verkloppen jede Schwuchtel“.

Bushido
Bushido

Schon zu Beginn des Konzertes erzählte Bushido, dass er zu Monologen auf der Bühne neige, was er auch den Abend über immer wieder unter Beweis stellte. Hier ein Plausch mit dem Publikum, da ein Paar Geschichten und ganz viel Lob für das tolle Rostocker Publikum. Dieses wurde dann auch noch besonders umgarnt, als der Rapper den FC Hansa lobte. „Nächstes Jahr sehen sich Hertha und Hansa dann hoffentlich im Olympiastadion“, kommentierte er das parallel stattfindende Relegationsspiel in der Bundesliga. Eine Klasse trennt die beiden Absteiger dann aber doch noch, zumindest in der nächsten Saison.

Den Aufstieg schon geschafft hat der fünfzehnjährige Felix aus Stralsund. Er wurde spontan aus dem Publikum ausgewählt, das Lied „Zeiten ändern dich“ live auf der Bühne zu präsentieren. Sichtlich nervös konnte er die Fans im Moya und auch die drei Musiker auf der Bühne dann aber recht schnell von sich überzeugen. Am Ende des Stückes gab es tosenden Applaus und Zugaberufe, sodass er auch das Lied „23 Stunden Zelle“ noch gemeinsam mit Bushido zum Besten geben durfte. Auch dieser war voll des Lobes: „Felix, das war sehr geil. Ich feier dich grad!“

Ronny und Hannes aus Rostock
Ronny und Hannes aus Rostock

Auch für Ronny und Hannes aus Rostock war der spontane Bühnengast eines der Highlights des Abends. „Ich war schon fünfmal bei Bushido, zweimal in der Scandlines Arena, und so etwas hat er noch nie gemacht. Aber es war echt geil“, erzählt Hannes. Auch sonst war der Abend für sie großartig, auch wenn sie sich noch einige alte Songs mehr gewünscht hätten. Sie sind schon über zehn Jahre Fans des Künstlers, finden aber auch die Kritik teilweise berechtigt. „Ich glaube es ist viel Show, aber einige Sachen macht man einfach nicht“, so Ronny. Beide sind sich aber einig, dass vor allem die Musik zählt und die hat sie auch beim gestrigen Konzert wieder voll überzeugt.

Frida aus Rostock
Frida aus Rostock

Für Frida aus Rostock war es das erste Bushidokonzert. „Ich fand es überraschend gut. Ich dachte, die Akustik sei schlechter.“ Auf den Hip Hopper ist sie erst durch den Kinofilm „Zeiten ändern dich“ aufmerksam geworden und seitdem ist sie begeistert von seiner Musik. Auch wenn sie das Konzert insgesamt mochte, fand sie es schade, dass ihr Lieblingslied „Ich lass dich nicht gehen“ nicht gespielt wurde. Die Kritik, so meint sie, wird von den Medien zu sehr aufgebauscht.

Das Konzert im Moya passte perfekt auf den Titel der Tour. Es war „Jenseits von Gut und Böse“. Bushido präsentierte sich von seiner charmanten Seite, die Fans waren teilweise etwas verhalten, insgesamt aber begeistert und es gab keine Skandale. Aber wer den Rapper bisher nicht mochte, wird auch nach gestern Abend noch kein Fan sein.

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