Freie Theater Jugend zeigt Klippenkinder

Theatercollage im Peter-Weiss-Haus unter der Leitung von Christof Lange

24. März 2012, von
Theater am Abgrund im Peter-Weiss-Haus
Theater am Abgrund im Peter-Weiss-Haus

„Langsam wird sie alt, die Freie Theater Jugend“, scherzte ihr Regisseur Christof Lange gestern vor der Generalprobe. Das fünfte Stück, das erste kleine Jubiläum und dazu gleich noch eine Premiere. Denn zum ersten Mal zeigen die Jungschauspieler mit dem Stück „Klippenkinder” eine Theatercollage. Nachdem das letzte Stück „Die young or live forever“ schon eher fragmentarisch war, gibt es nun einzelne Episoden, die jedoch von mehreren roten Seilen lose durchzogen sind.

Die Freie Theater Jugend zeigt "Klippenkinder"
Die Freie Theater Jugend zeigt "Klippenkinder"

Die roten Stricke sind auch die einzigen Requisiten, mit denen die Schauspieler auf der Bühne arbeiten können. Ansonsten haben sie nur Licht, Musik und ihr eigenes Können. Das heißt, jeder ist noch mal besonders gefordert. Es gibt nichts, an dem man sich festhalten kann. Und diese besondere Aufgabe lösen die elf Jungschauspieler mit Bravour, zumal es sich, wie für die Freie Theater Jugend üblich, wieder um ein anspruchsvolles Stück handelt.

„Klippenkinder“ leben am Abgrund. Ein Schritt zu viel könnte gleichzeitig der letzte sein. Doch sie brauchen den Kick, sie sind abhängig. Abhängig vom Leben, von der Zeit und von der Liebe. Diese Abhängigkeit ist allgegenwärtig. Und sie ist die Metapher, die das Stück durchzieht. Immer wieder heißt es laut: „Kenne dein Limit!“ Denn nur so kann alles weitergehen und am Ende bekommt man als Belohnung den Sinn und Unsinn des Lebens vorgesetzt.

Menschliche Abhängikeit
Menschliche Abhängikeit

Ursprünglich war das Projekt als Fortsetzung des Theaterjugendclubs geplant. Doch im Peter-Weiss-Haus seien einfach die besseren Umstände, weshalb „Klippenkinder“ nun als Projekt der Freien Theater Jugend aufgeführt wird. Jedoch wurde die Arbeitsweise von dem Stück „Diagnose: Herzsalat“ übernommen: die Jugendlichen entwickelten selbst Szenen und Geschichten, entwarfen Figuren und waren so aktiv am Entstehungsprozess beteiligt.

"Klippenkinder" unter sich
"Klippenkinder" unter sich

Das Ergebnis sind mehrere Abschnitte, eingeteilt nach Arten von Abhängigkeiten. Selbstverständlich werden Drogen und Alkohol thematisiert, viel spannender ist jedoch die nicht so offensichtliche Süchtigkeit. So bringen die Jungen und Mädchen die Abhängigkeit von der Zeit, von Liebe und auch von Angst zur Sprache. Letztere kannte schon E.T.A. Hoffmann, dessen Sandmann die Theatergruppe auch im Rahmen einer Geisterbahnfahrt zitiert.

Man erwischt sich ganz automatisch dabei, wie man überprüft, ob man selbst auch von der Abhängigkeit betroffen ist. In ihrer Darstellung geht die Freie Theater Jugend dabei wie immer schonungslos zur Sache. Da gibt es eine Sightseeingtour durch die soziale Unterschicht, da zerbricht eine Liebe und wie überall lauert natürlich der Tod. Doch geht es nicht um die Verteufelung der gesamten Welt, sondern um die zentrale Botschaft: „Kenne dein Limit!“

Christof Lange in der Hand seiner Schauspieler
Christof Lange in der Hand seiner Schauspieler

„Ich glaube, ich bin davon abhängig, etwas sein zu wollen und nicht bloß durchschnittlich zu sein“, antwortete Christof Lange auf die Frage, wovon er abhängig sei. Daher sind ihm auch seine Theaterprojekte so wichtig. Gerade die Freie Theater Jugend lebe von der Bewegung, die in der Gruppe ist. So ist nur ein Schauspieler an allen fünf Stücken beteiligt gewesen, die anderen setzten immer wieder aus oder kamen neu dazu. „Die Gruppe hat sich aber wieder toll entwickelt und ich bin verdammt glücklich und stolz, mit solchen Leuten zusammenzuarbeiten“, sagt Christof. Doch nicht nur die Schauspieler machen eine gute Arbeit. Besonderer Dank gelte auch Christoph Schultz vom Peter-Weiss-Haus, ohne den es die FTJ wohl gar nicht geben würde.

Die „Klippenkinder“ feiern heute ihre Premiere und es sind sogar noch wenige Restkarten an der Abendkasse verfügbar. Dann folgte morgen eine weitere Vorstellung. Durch die Renovierungsarbeiten im Peter-Weiss-Haus wird im April pausiert, um im Mail mit voller Kraft zurückzukommen. Auch für die nächsten fünf Stücke wieder alles Gute!

Weitere Vorstellung:

  • Sa 17. November 2012, 19:00 Uhr, Peter-Weiss-Haus (Doberaner Str.)

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