Unfall bei Kran-Test im Seehafen

Beim Belastungstest ist ein auf dem Deck des Spezialschiffs „Orion I“ montierter Liebherr-Schwerlastkran heute im Seehafen Rostock abgeknickt – mehrere Personen wurden verletzt

2. Mai 2020, von
Beim Belastungstest ist heute ein auf dem Spezialschiff „Orion I“ montierter Schwerlastkran im Seehafen Rostock abgeknickt
Beim Belastungstest ist heute ein auf dem Spezialschiff „Orion I“ montierter Schwerlastkran im Seehafen Rostock abgeknickt

Beim Belastungstest der „Orion I“ ist am Samstagnachmittag am Liegeplatz 24 im Überseehafen Rostock ein neuer auf dem Deck des Spezialschiffs montierter Kran abgenickt. Dabei stürzten Teile des Krans auf das Deck des Schiffes.

Nach Polizeiangaben wurden bei dem Unfall fünf Personen, die sich im Führerhaus des Kranes aufhielten, verletzt. Zwei von ihnen mussten im Krankenhaus behandelt werden. Insgesamt befanden sich zum Zeitpunkt des Unfall 120 Personen auf dem Schiff.

Das 216 Meter lange und 49 Meter breite Kranschiff „Orion I“ ist Ende November nach Rostock gekommen und wurde seit Februar bei Liebherr mit dem Schwerlastkran ausgerüstet. Nach Abschluss der Montage wurde das Spezialschiff ins Hafenbecken B verlegt, wo heute der abschließende Belastungstest durchgeführt werden sollte. Dabei sollte ein insgesamt 5.500 Tonnen schwerer mit Wasser gefüllter Ponton angehoben werden. Aus bislang unbekannter Ursache riss bei diesem Test nach Polizeiangaben das Seil. Die obere Hälfte des Krans kippte ab und schlug auf dem Schiff sowie der Kaikante auf.

Bei dem auf der „Orion I“ montierten Kran handelt es sich um das Modell HLC 295000. Dieser Typ ist der größte Offshore-Kran, den Liebherr bislang gebaut hat. Die Heavy Lift Crane (HLC) Baureihe wurde lt. Unternehmen speziell für den Aufbau von Offshore-Windkraftanlagen sowie den Auf- und Abbau von Offshore-Anlagen für die Erdöl- und Erdgasindustrie entwickelt.

Kranunfall im Seehafen Rostock (Foto: Rostock Port GmbH)
Kranunfall im Seehafen Rostock (Foto: Rostock Port GmbH)

Der Kran hat trotz seiner kompakten Bauweise eine Hauptauslegerlänge von bis zu 120 Metern sowie eine maximale Hubhöhe von 180 Metern. Gleichzeitig kann er bei einer Ausladung bis zu 35 Metern eine Last von 5.000 Tonnen heben.

Erst Ende Januar stürzten zwei mobile Liebherr-Hafenkräne bei der Verladung im Rostocker Seehafen vom Deck des Schwergutschiffs „Jumbo Vision“. Das Hafenbecken B musste daraufhin anfangs komplett für den Verkehr gesperrt werden. Anfang März konnten die beiden Kräne mithilfe des Schwimmkrans „Hebo Lift 9“ gehoben werden.

Aktualisierung, 02.05.2020 21:10 Uhr:
Laut Information der Stadtverwaltung gab es zwei Schwerverletzte, die zur weiteren Behandlung ins Klinikum Südstadt Rostock gebracht wurden, und zehn Leichtverletzte. Über 40 Einsatzkräfte der Stadtverwaltung und der Landespolizei waren am Unfallort.

Da die statische Situation des Kranes noch nicht hinreichend klar ist, wurde das Hafenbecken B vorerst für die Schifffahrt gesperrt. Zur Sicherung des Gewässers wird das Schiff mit einer Ölsperre umschlängelt.

Aktualisierung, 03.05.2020:
Nach ersten Ermittlungen könnte ein Materialfehler zum Brechen des Kranhakens geführt haben. Durch die plötzlich fehlende Last ist der Kranausleger nach hinten übergeschlagen. Das endgültige Untersuchungsergebnis bleibt abzuwarten.

Die Vollsperrung des Hafenbeckens B konnte heute um 13 Uhr durch die Hafenbehörde aufgehoben werden. Das Becken ist unter Einhaltung eines fest definierten Sicherheitsabstands von 120 Metern zu den Liegeplätzen 24 und 25 sowie bei Einschränkungen der Größe passierender Einheiten eingeschränkt für die Schifffahrt nutzbar.

Foto 2: Rostock Port GmbH

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8 Kommentare

  • Ebersbach sagt:

    An die Ingenieure von Liebherr: Warum wird ein Kranhaken nicht auf Belastung geprüft, bevor er in so eine teure Konstruktion eingebaut wird??? Ein Kranhakenprüfstand hätte sich bei einmaliger Anwendung amortisiert!

  • Korbach Norbert Dipl.Ing. sagt:

    Ebersbach hat vollkommen Recht liebe Liebherr Belegschaft.
    Auf den Fotos der Ostsee-Zeitung kann man sehr gut sehen, dass der Hakenschaft
    unterhalb der CNC bearbeiteten Lagerfläche für das obere Drehlager abgerissen ist.
    Den 30to schweren vierarmigen Haken trifft also keine Schuld, vielmehr geht der Hakenschaft durch den Haken hindurch über das 2. Lager im unteren Hakenbereich.
    Allein das Hakensystem ist also schon zweiteilig.
    Eine eigenständige Beprobung nur des Hakenschaftes hätte schon ausgereicht,
    um dessen Materialfehler zu erkennen.
    Gut das ihr die Fahrerkanzel nicht mittig angeordnet habt,
    sonst wären die 5 Leute dort von der Hakentraverse mit dem
    Reststummel vom Hakenschaft erschlagen worden.
    Tja ihr Schwerlastkranbauer zukünftig auch auf dynamische Lastfälle konstruktiv
    vorbereitet sein ist angesagt. Baut Stoßbremsen ein !!!
    (siehe Lastfälle APC im AKW- Bau)

  • Ebersbach sagt:

    Und Ebersbach ist nur Landwirt. Aber meine Ansichten über Sicherheit hätten diesen Unfall verhindert.

  • Korbach Norbert sagt:

    …lieber Ebersbach „nur Landwirt“ lasse ich nicht gelten,
    für mich einer der edelsten Berufe die es gibt. Ihre Ansichten
    über Sicherheit sind auch meine.
    Für jeden Kranfahrer sind Lastabrisse ein Horror.
    Daher gehört in die Konstruktion ein Energieabsorbersystem
    (Stoßfänger, Stoßbremse was auch immer).
    Hier beim sehr hohen Belastungsversuch mit Kranausleger auf 11Uhr
    hätten zusätzlich auf dem Ponton verankerte Seile mit Dämpfern auch das
    „Rollen“ des Schiffes verhindert, was als „rotierender Ballast“
    erhebeblich zu dem Unglück beigetragen hat.

  • Ebersbach sagt:

    Danke! Ein „Belastungstest“ zu machen, von dem alle Verantwortlichen glauben ,dass er gut geht, ist kein echter Test. Es ist eine Alibi-Veranstaltung gegen über dem Endabnehmer. Das Beispiel zeigt, es kann auch schief gehen.

  • Korbach Norbert sagt:

    Herr Ebersbach, Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen !!!
    Wie kann man sich da als Liebherr hinstellen als „Zuschauer“,
    in der Hoffnung,dass es gut geht,
    ohne jede Redundanz. Die Verantwortung bei Liebherr liegt
    auf 4 Säulen : GF Zeitdruck; QS keine Redundanz, Statiker dynamischen Lastfall „vergessen,
    Belastungsprüfer keine Sicherung für Systemversagen.
    Ich denke, leider wird aber keiner von Liebherr unsere Kommentare lesen.
    Es sei denn, Sie haben vor Ort eine Idee dazu?
    Heute habe ich mal einen Hakenschaft als Seilbündel aus 27 Seilen a 50mm
    gerechnet 5600to Tragkraft, angelehnt an Brückenbau bei Schrägseilbrücken.
    Der fertige Hakenschaft hätte Durchmesser ca 40cm, wie der gebrochene
    geschmiedete Schaft auch, das Seilbündel braucht na klar noch ein Lagergehäuse
    zum Drehen des Hakens.
    Gegossener und anschliessend freiformgeschmiedeter Stahl ist
    faszinierend, leider kann man Lunker nicht gänzlich ausschließen,
    alles auf Zug ist daher besser mit Seil oder Walzstahl gebaut.
    Sie finden mich im Tel.buch Schieder

  • Korbach Norbert sagt:

    … danke sehr für Ihren Anruf Herr Ebersbach,
    es ehrt Sie sehr, dass Ihnen vor Ort, die wirtschaftliche Entwicklung in der Region
    mit Liebherr am Herzen liegt. (mir auch, als Lipper Detmold ).
    Besten Gruß und viel Erfolg dabei, Liebherr mit der „Botschaft“ zu erreichen.
    Ich denke unser Gedanken-Austausch „auf Rostock-Heute“ sagt sehr viel aus
    mit Blick nach vorne für Liebherr am Standort Rostock.
    Norbert Korbach, Schieder-Schwalenberg

  • Korbach Norbert Dipl.Ing. sagt:

    … Fortsetzung zum Hakenschaft für Schwerlastkrane und Folgen……
    An die große Firma Liebherr an allen Standorten:
    Auf die Idee zu dem oben beschriebenen Hakenschaft (Verwendung Seiltechnik aus dem Brückenbau für Kran-Hakenschaft) melde ich schon heute Patentschutz an, ebenso melde ich die Idee (Energieabsorber bei Lastabriss)
    mit Stossbremsen o.ä.aus dem AKW -Rohrleitungsbau an.
    Besten Gruß,
    Norbert Korbach.
    Schieder-Schwalenberg
    Ich kann Ihnen auch die Firmen nennen, die das „bauen“ können,
    gerne höre ich von Ihnen.

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