Lars Lehmann „Aufstand des Prekariats“

Stillleben in der Galerie Art Fuhrmann im Fischereihafen

13. September 2010, von
Stillleben von Lars Lehmann
Stillleben von Lars Lehmann

Leere Kartons, Milchtüten, Kunststoffflaschen – gewöhnliche Haushaltsgegenstände, die ihren Zweck erfüllen und nach dem Gebrauch weggeworfen werden. Lars Lehmann hebt sie auf, stellt sie gewissenhaft zusammen, rückt sie ins rechte Licht und malt davon ein Bild, meist mit intensiven Ölfarben. Ein Stillleben, wie man es von den Gemälden Alter Meister kennt. Nur ist Lars Lehmann, der 1967 in Greifswald geboren wurde, nicht in vergangenen Jahrhunderten stecken geblieben.

Lars_Lehmann_Galerie_Art_Fuhrmann
Lars_Lehmann_Galerie_Art_Fuhrmann

Denn obwohl er sich dieser traditionsreichen Darstellungsform der Malerei bedient, ist in seiner Motivwahl der Bezug zur Gegenwart unübersehbar. Statt üppiger Blumensträuße und prunkvoller Obstschalen malt er Bügeleisen und Zahnputzbecher. Dieser ironische Gegensatz macht den außerordentlichen Reiz des Werkes von Lars Lehmann aus.

Unter dem Titel „Der Aufstand des Prekariats“ ist eine große Auswahl seiner Gemälde noch bis Ende November in der Galerie Art Fuhrmann im Fischereihafen zu sehen. Die hier ausgestellten Arbeiten sind in den letzten zweieinhalb Jahren entstanden und umfassen sowohl klein- als auch großformatige Malereien.

"Babylon" von Lars Lehmann
"Babylon" von Lars Lehmann

Zu den großformatigen Bildern gehört das beeindruckende „Babylon“. Es gewährt Einblick in eine Garage oder sonstige Abstellkammer, in der sich Kanister, Kannen und allerlei farbenfrohes Gerümpel dramatisch aufeinander türmen. Mittendrin steht ein kleines grinsendes Holzmännchen, das in dem Chaos unterzugehen droht. Es ist nur eines von vielen kleinen Details, die an den so sorgfältig durchkomponierten Arrangements der Stillleben faszinieren. Immer wieder kann der Betrachter interessante Einzelsituationen im Gesamtbild entdecken.

Detail aus "Der Aufstand" von Lars Lehmann
Detail aus "Der Aufstand" von Lars Lehmann

So auch in Lars Lehmanns neuestem Werk „Der Aufstand“, das durch sein lang gestrecktes Format an einen Altarsockel erinnert.

Das Bild zeigt einen farbenfrohen Aufzug nicht von Heiligen, sondern von Plastikflaschen und Hygieneartikeln auf einem Fensterbrett. Wem hier wohl gehuldigt werden soll?

Lars Lehmann "Der Aufstand des Prekariats"
Lars Lehmann "Der Aufstand des Prekariats"

Wie auch in seinen anderen Stillleben sind die abgebildeten käuflichen Produkte frei von Etiketten und Werbeschildchen. Dem Maler ist nicht daran gelegen, die Dinge real erscheinen zu lassen. Vielmehr belässt er sie in einem Bereich zwischen bunter Fantasie und rauer Wirklichkeit.

Inmitten des knalligen Kunststoffkosmos findet der Betrachter aber auch kleine natürliche Objekte, wie Muschelschalen und Kienäpfel. Allerdings sind auch diese leblos und werden so zu einem Symbol der Vergänglichkeit.

Lars Lehmann (links) in der Galerie Art Fuhrmann
Lars Lehmann (links) in der Galerie Art Fuhrmann

Vielschichtigkeit zeichnen die Kompositionen von Lars Lehmann aus. Durch die metaphorische Anreicherung ihrer Elemente reihen sich seine Gemälde in eine Tradition der Stillleben ein, die Zeugnis einer gesellschaftlichen Entwicklung geben wollen.

Der anspielungsreiche Titel „Der Aufstand des Prekariats“ deutet bereits darauf hin, dass der Künstler mit seinem Werk seine Umwelt nicht nur beobachtet und darstellt, sondern auch kommentiert. „Eigentlich ist es egal, was man malt. Die Hauptsache ist, wie man es macht. Der Inhalt ist aber das zweitwichtigste“, sagt der Künstler und ergänzt: „Eigentlich bin ich mit den Dingen ganz zufrieden.“

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