Miro Zahra malt im Schleswig-Holstein-Haus

Zeit des Experimentierens – Malerin gewährt Einblick in ihre Arbeit während des Stipendiumaufenthalts im Rostocker Gastatelier

9. Februar 2012, von
Miro Zahra im Gastatelier der Hansestadt Rostock
Miro Zahra im Gastatelier der Hansestadt Rostock

Der Duft von Terpentinöl sticht in die Nase beim Eintreten in eines der beiden Gastateliers im Schleswig-Holstein-Haus in der Östlichen Altstadt. In einem Holzregal gleich neben der Tür steht ein kleines Radio, aus dem ganz leise klassischer Operngesang in den Raum vordringt.

Hier arbeitet die Malerin Miro Zahra. Anfang Januar hat sie ihren Lebensmittelpunkt für die kommenden drei Monate in das Schleswig-Holstein-Haus verlegt. Möglich wurde der Ortswechsel durch ein Gaststipendium der Hansestadt Rostock. „Konzentriert an einem Ort, mit Abstand von dem Alltäglichen, was mich zu Hause umgibt – ich freue mich sehr, dass es geklappt hat“, sagt die gebürtige Tschechin, die heute in Plüschow bei Wismar lebt.

Bewusst hat sie sich für die Winterzeit entschieden. So könne sie sich die Heizung in ihrem eigenen Atelier sparen und ungestört in einem Arbeitsraum tätig sein, erklärt sie schmunzelnd. Außerdem schätzt sie die kurzen Wege, die ihr das städtische Umfeld bietet. Das kulturelle Angebot, die Musik und die Kollegen, mit denen sie sich hier unkomplizierter treffen kann, bezeichnet sie als Luxus, den sie so vom Land nicht kennt. „Einfach hier zu sein, ist schon sehr inspirierend“, fasst sie ihre Eindrücke nach den ersten Wochen zusammen.

„Ich bin Malerin durch und durch. Hier möchte ich mich als solche entfalten.“ In dem Atelierraum wird es dafür schon fast zu eng. Auf dem mit Folie geschützten Boden und an den weißen Wänden angelehnt zeigen große Leinwände, was bisher bereits entstanden ist.

Miro Zahra arbeitet ganz klassisch mit Öl. „Die Oberfläche ist nicht ersetzbar. Sie ist lebendig, organisch, wie eine Haut“, schwärmt die 51-Jährige. „Es ist eine schwierige Technik. Sie zwingt zu Geduld und Disziplin.“ Während die Farbe trocknet, bleibe jedoch Zeit zum Reflektieren oder sie arbeitet gleichzeitig an mehreren Bildern.

Bei ihrer Malerei geht es Miro Zahra weniger um Abbildungen, sondern viel mehr darum, wie Licht und Atmosphäre ausgedrückt werden können. Doch „ganz abstrakt ist es nicht“, wendet sie ein. Ohne Titel können die Assoziationen bei den Betrachtern ihren freien Lauf nehmen.

Struktur und der malerische Prozess an sich, die Farbe interessieren die Malerin.

Miro Zahra
Miro Zahra

„Ich fange mit einer Farbe als Untermalung an. Auf dieser Farbe entwickelt sich das Bild. Das Bild ist selbst das Wirkliche. Ich reagiere auf das, was entsteht und gehe immer Schritt für Schritt voran bis zu einem gewissen Finale, wo es stimmig wird“, seziert sie ihre Arbeitsweise. Genau benennen lässt sich dieser Moment nicht. Die spannende Entscheidung fällt schließlich – man könne sonst unendlich weitermalen – auf dem schmalen Grat zwischen sicherem Zustand und der Vorahnung, dass es kippen kann.

Rot – das wird auch im Rostocker Atelier deutlich – ist Miro Zahras bevorzugte Farbe. „Für mich hat Rot etwas mit Leben und Lebendigkeit zu tun.“ Vielen ihrer Bilder legt sie einen roten Farbton zugrunde. Gemischt mit anderen Farben sind so auch graue Bilder entstanden. Grau verbindet sie mit Geistlichkeit. Die grauen Bilder wirken wie ein Kontrapunkt in Ergänzung zu den roten.

Denn bei ihrer Arbeit hat die Künstlerin, die auch als Kuratorin tätig ist, schon die Präsentation ihrer Werke in einer Ausstellung im Blick. „Ich habe vor, eine große Reihe zu machen“, erklärt Miro Zahra. Für den Anfang hat sie sich vorgenommen, ihre Eindrücke, die sie im letzten Jahr während einer Islandreise gesammelt hat, auf die Leinwand zu bringen.

„Wenn es mir mit dem Terpentinölgestank zu viel wird, dann werde ich vielleicht auch auf Papier arbeiten. Aber das weiß ich noch nicht. Denn es reizt mich, hier richtig rumzusauen.“

Vom 18. bis 19. Februar bietet Miro Zahra übrigens einen Wochenendworkshop Malerei an der Kunstschule Rostock an. Neben „Farbe, Struktur und Prozess“ – so der Titel der Veranstaltung – können die Teilnehmer vielleicht auch richtig rumsauen.

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