Rathausanbau – 50-Millionen-Euro-Projekt kommt voran

Ende 2025 soll der der neue Rathausanbau in Rostock fertig werden – ohne barrierefreien Hochzeitssaal, aber mit Dachterrasse und Blick über die Östliche Altstadt

13. Januar 2022, von
Rathausanbau Rostock – das 50-Millionen-Euro-Projekt kommt voran (Visualisierung: MHB Architekten + Ingenieure)
Rathausanbau Rostock – das 50-Millionen-Euro-Projekt kommt voran (Visualisierung: MHB Architekten + Ingenieure)

Vor zehn Jahren wurde der südliche Rathausanbau fertiggestellt, nun soll der nördliche folgen. Nach einem zweistufigen Hochbauwettbewerb wurden bereits vor knapp fünf Jahren die besten Entwürfe für die Rathauserweiterung prämiert. 2020 stellte der neue Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) das Projekt in Frage, jetzt soll der Bau aber tatsächlich realisiert werden. Zusammen mit dem Architekten stellte Sigrid Hecht, Geschäftsführerin der Kommunalen Objektbewirtschaftung und -entwicklung (KOE) sowie der Rostocker Gesellschaft für Stadtentwicklung (RGS), gestern Abend den aktuellen Stand im Ortsbeirat Stadtmitte vor.

Mit dem Erweiterungsbau sollen angemietete Büroflächen aufgegeben und die Verwaltung an den drei Standorten in der St.-Georg-Straße, am Holbeinplatz sowie am Neuen Markt zentralisiert werden. Ganz funktioniert dies jedoch nicht. So wird etwa das Stadtamt mit Führerschein- und KFZ-Zulassungsstelle weitgehend im Charles-Darwin-Ring in der Südstadt bleiben. „Wir haben als KOE dieses Gebäude angekauft“, so Hecht, „es ist nicht beabsichtigt, dort die Nutzung durch das Stadtamt aufzugeben“.

Erweiterungsbau Rathauskomplex Rostock - Lageplan
Erweiterungsbau Rathauskomplex Rostock - Lageplan

Zwei-Giebel-Haus und Verwaltungsgebäude

An der grundsätzlichen Planung hat sich nicht viel geändert, erläutert Architekt Torsten Ruwoldt von MHB Architekten + Ingenieure. Es gibt ein Zweigiebelhaus (Haus C im Lageplan), das nördlich an den bisherigen Rathausanbau anschließt. Hier entsteht in den ersten beiden Obergeschossen der neue Bürgerschaftssaal, der neben den Sitzungen des Stadtparlaments auch für andere Veranstaltungen genutzt werden kann.

Durch einen Übergang ab dem ersten Obergeschoss kommt man ins eigentliche Verwaltungsgebäude (Haus D), in das auch Orts- und Migrationsamt einziehen. „Die Arbeitswelt verändert sich, die Arbeitsmodelle werden deutlich flexibler“, erklärt der Architekt, dass die Büroflächen in den oberen Geschossen sehr offen und variabel angelegt werden – insgesamt etwa 400 Arbeitsplätze. Neu in den Planungen ist eine Dachterrasse an der nordöstlichen Ecke. Einen „super Ausblick“ auf die Östliche Altstadt und in Richtung Warnow verspricht der Architekt. Ob eine Bewirtschaftung erfolgt, steht noch nicht fest. Richtung kleine Wasserstraße wird das Gebäude dafür um eine Etage reduziert. So folgt es besser dem Geländeverlauf und der vorhandenen baulichen Struktur, sagt Ruwoldt.

In der Tiefgarage sind 110 Stellplätze auf zwei Ebenen vorgesehen.

Welcome-Center statt Hochzeitssaal im neuen Rathausanbau in Rostock (Visualisierung: MHB Architekten + Ingenieure)
Welcome-Center statt Hochzeitssaal im neuen Rathausanbau in Rostock (Visualisierung: MHB Architekten + Ingenieure)

„Welcome Center“ statt barrierefreiem Hochzeitssaal

Eine Umplanung gibt es im Erdgeschoss des Doppelgiebelhauses – auf Wunsch der Verwaltung, betont KOE-Geschäftsführerin Hecht. Der ursprünglich vorgesehene barrierefreie Eheschließungssaal wurde gestrichen. Statt wie bisher aus dem Standesamt direkt auf die Straße zu fallen, hätte es für Hochzeitspaare vor der Treppe hinab zum Platz „Am Schilde“ eine schöne Kulisse für Fotos gegeben. „Ich persönlich finde das sehr schade, da sollte man aus meiner Sicht noch mal drüber sprechen“, zeigt sich der Ortsbeiratsvorsitzende Andreas Herzog (SPD) verstimmt. Der Trauungsraum sei von den Bürgern gewünscht worden und hatte bei den Planungen viel Zuspruch erhalten.

Stattdessen soll im Erdgeschoss von Haus C ein „Welcome Center“ entstehen. Dies ist jedoch nur der interne Arbeitstitel, sagt Sigrid Hecht. Mit dem Welcome Center der Region, das Unternehmen und Zuziehende berät, habe es nichts zu tun. Vielmehr sollen sich in dem sieben Tage die Woche offenen Empfangsbereich Stadt und kommunale Unternehmen präsentieren. Die RSAG verkauft Fahrkarten, die Wiro präsentiert ihre Angebote und bei den Stadtwerken kann man seinen Stromvertrag abschließen, erläutert die KOE-Chefin. „Ich finde das völlig verfehlt, diese Ebene in dieser Weise zu nutzen und dafür einen schönen Trauungsraum aufzugeben“, kritisiert Ortsbeiratsmitglied Kira Ludwig (SPD).

Energiekonzept und Nachhaltigkeit

Für das Energiekonzept wurden verschiedene Varianten untersucht, erklärt Architekt Ruwoldt. Bei der Nutzung von Geothermie sei man auf eine Amortisationszeit von 30 Jahren gekommen – „relativ unwirtschaftlich“. Stattdessen setzt man zusammen mit den Stadtwerken auf Fernwärme. Damit soll das Gebäude nicht nur geheizt, sondern auch gekühlt werden. Zusätzlich kann Abwärme – etwa aus dem Rechenzentrum – ins Fernwärmenetz eingespeist werden. 60 Tonnen CO2 sollen so eingespart werden. Darüber hinaus gibt es Photovoltaikanlagen auf dem Dach.

Beim Bau werde man sich dem Zertifizierungsverfahren der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) unterwerfen, kündigt Ruwoldt an. Eine Vorabprüfung habe ergeben, dass das Vorhaben die Kriterien für nachhaltige Gebäude der Kategorie „Gold“ erfüllt.

Rathausanbau Rostock: Blick in den neuen Bürgerschaftssaal (Visualisierung: MHB Architekten + Ingenieure)
Rathausanbau Rostock: Blick in den neuen Bürgerschaftssaal (Visualisierung: MHB Architekten + Ingenieure)

Zeitplan und Kosten

Fördermittel- und Bauantrag werden im Februar gestellt, im Frühjahr und Sommer sollen Archäologen und Munitionsbergungsdienst das Gelände untersuchen. Läuft alles nach Plan, könnte im Januar 2023 mit dem eigentlichen Bau begonnen werden. Grundsteinlegung im August 2023, Richtfest im April des Folgejahres – klappt der ambitionierte Zeitplan, soll die Übergabe im Dezember 2025 erfolgen – „Stand heute und mit aller Vorsicht“, so Ruwoldt.

Aktuell wird mit Baukosten in Höhe von 50 Millionen Euro kalkuliert, bei der aktuellen Kostenentwicklung sei das aber „eine ganz große Glaskugel“, sagt der Architekt. 15 Mio. Euro Fördermittel soll es vom Land geben.

Weitere Baufelder und Verkehrsführung

Wie und wann es mit den benachbarten Baufeldern zwei und drei am Vogelsang weitergeht, steht noch nicht fest. Ursprünglich wollte die kommunale Wohnungsgesellschaft Wiro diese Areale entwickeln. Inzwischen hat sie die Grundstücke an die RGS verkauft, die sie treuhänderisch verwaltet. Anders als ursprünglich geplant wird der darauf befindliche Wohnblock Kleine Wasserstraße 10/11 vorerst nicht abgerissen. „Wir werden ihn im Moment stehenlassen, weil wir ihn als Baustelleneinrichtung nutzen und damit Platz sparen“, erläutert die KOE-Chefin. „Wenn wir beim Innenausbau sind, wird der Wohnblock weichen müssen.“

In den nächsten Monaten soll die RGS die Ausschreibung der Wettbewerbe für die Baufelder zwei und drei vorbereiten. „Gibt es eine politische Mehrheit für das, was mal beschlossen wurde“, so Hecht, hat die RGS bis zur Fertigstellung des Rathausanbaus ausreichend Zeit für Hochbauwettbewerb und Investorensuche.

Geplant war und ist eine gemeinsame Tiefgarage des Rathausanbaus mit den Baufeldern zwei und drei. Die Zufahrt soll über den Vogelsang und die Krämerstraße erfolgen. Die lediglich als Zwischenlösung gedachte enge Zufahrt über die Kleine Wasserstraße könnte nun jedoch etwas länger Bestand haben. „Wir müssen da achtsam sein, dass es kein Unendlichkeitszustand wird“, betont Ortsamtschef Herzog.

Auch die Zukunft des ersten Baufeldes, direkt an der Nordkante des Neuen Marktes, ist weiter offen.

Visualisierungen: MHB Architekten + Ingenieure

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