Spielmann-Opa-Skulptur am Uniplatz aufgestellt

Eine lebensgroße Bronzeskulptur des als Spielmannopa bekannten Straßenmusikers Michael Tryanowski wurde heute am Rostocker Universitätsplatz aufgestellt

27. Mai 2020, von
Spielmann-Opa: Bronze-Skulptur von Straßenmusiker Michael Tryanowski am Uniplatz aufgestellt
Spielmann-Opa: Bronze-Skulptur von Straßenmusiker Michael Tryanowski am Uniplatz aufgestellt

Rostock hat dem Spielmann-Opa ein Denkmal gesetzt: Eine lebensgroße Bronze-Skulptur des Rostocker Originals wurde heute am Universitätsplatz aufgestellt.

Mit der Seemannsmütze auf dem Kopf, dem Akkordeon in der Hand und der selbst gebauten Teufelsgeige erfreute der kleine, zähe Straßenmusiker jahrzehntelang sein Publikum in der Kröpeliner Straße oder am Alten Strom in Warnemünde. Auch wenn kaum einer seinen richtigen Namen kannte, als „Spielmannopa“ war Michael Tryanowski weit über die Rostocker Stadtgrenzen hinaus bekannt.

Nach seinem Tod vor knapp zwei Jahren kam schnell der Wunsch auf, dem Rostocker Original ein Denkmal zu setzen. Sein Sohn, Frank Kraschewski, stimmte dem Vorhaben der Stadt zu und das Amt für Kultur, Denkmalpflege und Museen übernahm die Kosten von 53.500 Euro.

Michael Tryanowskis Sohn Frank Kraschewski (v.l.), Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen und Bildhauer Wolfgang Friedrich enthüllen die Spielmannopa-Statue
Michael Tryanowskis Sohn Frank Kraschewski (v.l.), Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen und Bildhauer Wolfgang Friedrich enthüllen die Spielmannopa-Statue

Ausnahmsweise ohne Künstlerwettbewerb wurde der Rostocker Bildhauer Wolfgang Friedrich mit dem Kunstwerk beauftragt. Er hatte bereits 2014 eine 32 Zentimeter hohe Bronzeplastik des Straßenmusikers für das Bistro Portola im Rostocker Hof erschaffen, die als Vorlage für die lebensgroße Skulptur gedient hat.

Der Bildhauer erinnerte sich, wie Michael Tryanowski bei einer Suppe und einer Flasche Wein im Rostocker Hof saß und er in einem Gespräch feststellte: „Dieser Mann ist das einzige Rostocker Original, das wir haben.“ Da müsse man etwas machen, war er sich schnell mit den Unternehmern René Geschke, Dieter Osterthun und Michael Höppner einig und so entstand die kleine Skulptur.

Nach seinem Tod legten viele Rostocker Blumen vor der kleinen Figur ab und es entstand die Idee, erneut etwas zu tun, erklärt Friedrich, wie es zur großen Bronzestatue kam. Keine gute Idee wäre es gewesen, einen Platz oder eine Straße nach ihm zu benennen, weil es um einen optischen Eindruck ginge.

„Der Sockel der Figur ist vom alten Christinenhafen, die Kaimauer“, weist Friedrich auf eine Besonderheit hin. Gegossen wurde die Bronzefigur in der Kunstgießerei Michael Wittkamp in Elmenhorst in Schleswig-Holstein. „Wenn es Ihnen nicht gefallen sollte, dürfen Sie nicht ,Buh‘ rufen“, scherzte der Bildhauer mit Anspielung auf die Corona-Aerosole. „Standing Ovations“ wären hingegen erlaubt, wenn es gefällt, was beim Publikum klar zu erkennen war.

„Spielmannopa“ Michael Tryanowski an seinem 90. Geburtstag (Foto: Archiv)
„Spielmannopa“ Michael Tryanowski an seinem 90. Geburtstag (Foto: Archiv)

„Er gehört zu Rostock wie ein Großvater zur Familie“, freute sich Frank Kraschewski über die Skulptur seines Vaters. „Michael Tryanowski war ein einfacher Mensch, aber er war auch ein besonderer Mensch“, erinnerte sich sein Sohn. 1919 wurde er als uneheliches Kind einer Landarbeiterin und eines russischen Kriegsgefangenen in Veelböken, in der Nähe von Schwerin, geboren. In den schweren Zeiten nach dem ersten Weltkrieg litt er Hunger, sparte sich aber dennoch mit 13, 14 Jahren seine erste „Treckfiedel“ (Ziehharmonika) zusammen – „ein Wendepunkt in seinem Leben“, sagt sein Sohn.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs stellte man fest, dass er gar keine Papiere hatte, erzählt Frank Kraschewski. Sein Vater sollte eingebürgert und direkt an die russische Ostfront geschickt werden. Das hat er jedoch abgelehnt, sodass er als Forstarbeiter ins Arbeitslager kam. Auch in der DDR und nach der Wende blieb er „staatenlos“. „Keine Obrigkeit zu akzeptieren, das eigene Leben in die Hand zu nehmen und das Beste draus zu machen – genauso war er“, erinnert sich sein Sohn.

Zwischen 1950 und 1953 studierte Michael Tryanowski an der Abteilung Volksmusik des Schweriner Konservatoriums und lernte neben Flöte, Saxofon und Schlagzeug auch das Akkordeon, das zum Markenzeichen des Straßenmusikers wurde. An seinem 95. Geburtstag durfte er sich zusammen mit dem Rapper Marteria ins Gästebuch der Hansestadt Rostock eintragen. Das Rostocker Original verstarb am 27. Juli 2018 im Alter von 98 Jahren.

Nachdem in den letzten Tagen häufiger Kleingeld auf der Bronzeskulptur abgelegt wurde, hat das Amt für Kultur, Denkmalpflege und Museen erklärt, dass dort abgelegtes Geld in regelmäßigen Abständen eingesammelt und zum Jahresende einem guten Zweck zugeführt wird. Dies sei jedoch grundsätzlich nicht als Sammelaktion zu verstehen, heißt es aus der Stadtverwaltung.

Video von der Enthüllung der Spielmannopa-Skulptur in Rostock:

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