Straßenbauvorhaben 2022 in und um Rostock

Stadt, Land und Bund investieren in den Neubau und die Sanierung von Straßen im Großraum Rostock – dabei kommt es zu Verkehrseinschränkungen und Vollsperrungen

27. April 2022, von
Straßenbauvorhaben 2022 in und um Rostock (Foto: Archiv)
Straßenbauvorhaben 2022 in und um Rostock (Foto: Archiv)

166 Einzelvorhaben (inkl. Erschließungen) mit einer Gesamtinvestitionssumme von fast 18 Mio. Euro plant Rostock 2022, erläutert Heiko Tiburtius, Leiter des Tiefbauamts der Hansestadt. Neben Straßenbau, Brücken oder Radwegen gehört dazu auch die Ausstattung mit Beleuchtung, Verkehrszeichen oder Pflanzen. Im nächsten Jahr plant Rostock mit 25 Mio. Euro. Vorausgesetzt der Doppelhaushalt wird im Mai von der Bürgerschaft verabschiedet und von der Kommunalaufsicht genehmigt. Bislang unterliegen alle Baumaßnahmen der vorläufigen Haushaltsführung.

Erneuerung der Werftstraße

In den nächsten Wochen beginnt die Erneuerung der Werftstraße zwischen Werftdreieck und Carl-Hopp-Straße. Bevor die Straße für die Erschließung des künftigen Wiro-Wohngebiets komplett neu ausgebaut wird, müssen die unterirdischen Medien erneuert werden. Nordwasser nimmt im Auftrag des Warnow-Wasser- und Abwasserverbandes eine komplette Kanalsanierung vor. Bis 2024 sollen die Arbeiten andauern, der Verkehr wird in beiden Richtungen örtlich an der Baustelle vorbeigeführt.

Die Umverlegung vorhandener Medien und die Entflechtung des alten Mischwassernetzes in getrennte Regen- und Abwasserkanäle sorgen bei vielen Straßenerneuerungen in Rostock für eine hohe Komplexität, begründet Tiburtius, dass sich Baustellen teilweise über Monate oder Jahre hinziehen.

Kurzfristig wurde gerade noch eine Baustelle in der Karl-Marx-Straße zwischen Holbeinplatz und Bremer Straße eingerichtet. Hier muss in Vorbereitung der anderen Maßnahme der Kanal erneuert werden, da ein Totalversagen droht. In Richtung Dethardingstraße kann der Verkehr fließen, in der Gegenrichtung muss über die Kopernikus- und Tschaikowskistraße ausgewichen werden. Bis August/September sollen die Bauarbeiten beendet sein.

Grundhafte Erneuerung der Schillingallee

Im Herbst soll die grundhafte Erneuerung der Schillingallee zwischen Kreisverkehr und Ernst-Heydemann-Straße beginnen. Leitungen, Fahrbahnen und Gehwege werden komplett erneuert. Um die Erreichbarkeit des Universitätsklinikums sicherzustellen, soll hier in besonders kleinen Bauabschnitten gearbeitet werden, kündigt Heiko Tiburtius an.

Knotenerweiterung Tessiner Straße

Die Knotenerweiterung Tessiner Straße/Timmermannsstrat an der A19-Anschlusstelle Rostock-Süd ist nach Ostern ist den dritten Bauabschnitt gewechselt. Die Auf-/Abfahrt ist von bzw. zu der Richtungsfahrbahn Berlin voll gesperrt. Statt wie ursprünglich geplant zum Ende des Jahres sollen die Bauarbeiten hier bereits bis Mitte August abgeschlossen werden. In der Tessiner Straße ist auf Höhe Trihotel eine kleinere Instandhaltungsmaßnahme geplant, der genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest.

Ausblick: Sanierung der Rennbahnallee von 2025-2027

Von 2025 bis 2027 soll die Rennbahnallee inkl. Medien grundhaft saniert werden. Dazu gehört auch der Ersatzneubau für die Brücke über die Bahnstrecke. Dieser erfordert eine Vollsperrung, soll nach aktuellem Stand im vierten Quartal 2025 beginnen und knapp 1,5 Jahre dauern.

Bis dahin sollen sowohl die Deckenerneuerung auf dem Westzubringer zur A20 als auch die Deckenerneuerung auf der Kreisstraße K41 sowie der grundhafte Ausbau der K12 abgeschlossen sein, sodass es über den Tannenweg eine Ausweichstrecke in Richtung Westen gibt.

Hohe Baukosten, geringe Kapazitäten bei Baufirmen

Verzögerungen könne es bei allen Vorhaben aufgrund hoher Baupreise und eingeschränkter Kapazitäten bei den ausführenden Unternehmen geben, weist Tiburtius auf ein akutes Problem hin. „Wir haben oftmals entweder gar kein Gebot oder nur ein Gebot. Die Preise sind sehr, sehr volatil.“ Dies betrifft besonders komplexe Baumaßnahmen, die auch unterirdische Leitungen beinhalten.

Aus diesem Grund habe man sich gerade erst dazu entschlossen, ein Bauvorhaben aufzuheben und die grundhafte Erneuerung der Fritz-Reuter-Straße in der KTV neu auszuschreiben. Bei der Schillingallee lief es nicht viel besser. Immerhin gab es dort aber noch einen Wettbewerb und die Preise waren noch vertretbar, erläutert der Chef des Tiefbauamts.

Straßeninstandhaltung permanent unterfinanziert

Für den laufenden Betrieb der Verkehrsanalagen sind in diesem Jahr etwa 13 Mio. Euro (2023: 12 Mio.) vorgesehen. Der Großteil fließt jedoch in Energiekosten für die Straßenbeleuchtung sowie die technische Prüfung von Anlagen oder Brücken.

Nur rund zwei Millionen Euro stehen jährlich für die reine Straßeninstandhaltung zur Verfügung, einschließlich Geh- und Radwege, erklärt Tiburtius. „Das ist natürlich eine permanente Unterfinanzierung“, sagt der Amtsleiter. Ohne entsprechende Ausgaben für die Instandhaltung könne die vorgesehene Nutzungsdauer von Straßenbauwerken nicht erreicht werden und es wird vorzeitig eine teure Ersatzinvestition notwendig.

Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen

Neben den Vorhaben der Stadt wird im Großraum Rostock auch an Autobahnen sowie Bundes- und Landesstraßen gebaut. Hierfür sind die Autobahn GmbH bzw. das Straßenbauamt Stralsund zuständig.

Neue Autobahnabfahrt der A19 im Seehafen Rostock

Im Überseehafen Rostock bekommt die Autobahn A19 eine komplett neue Anschlussstelle. Das ist ein Projekt des Rostocker Hafens, der die Baukosten von 2,7 Mio. Euro selbst finanziert, erläutert Burkhard Kohn, Außenstellenleiter der Niederlassung Nordost bei der Autobahn GmbH des Bundes, die das Vorhaben betreut. Die neue Teilanschlussstelle soll im Oktober 2022 fertiggestellt werden. Nach den Sommerferien muss die Verkehrsführung für rund vier Wochen je Fahrtrichtung einstreifig erfolgen.

Die bereits laufende Fahrbahnerneuerung auf der BAB 20 zwischen den Anschlussstellen Neukloster und Kröpelin soll etwa früher als geplant am 8. August fertiggestellt werden. Die Erneuerung der Fahrbahndecke zwischen den Anschlussstellen Krakow am See und Linstow auf der A19 in Richtung Berlin soll rechtzeitig vor den Sommerferien bis Mitte Juni abgeschlossen werden.

An dem abgesackten Autobahnabschnitt bei Tribsees (A20) habe sich die Lage etwas entspannt, seitdem die erste Brückenhälfte fertig ist, so Kohn. Die komplette Fertigstellung ist für Ende 2023 geplant. Probleme gebe es hier immer wieder dadurch, dass mit zu breiten Fahrzeugen überholt werde, Lkws ins weiche Bankett ausweichen und dann aufwendig geborgen werden müssen.

Erneuerung des Westzubringers zur A20

Der Westzubringer zur A20 (B103) ist weitgehend in einem schlechten Zustand. „In Schulnoten sind wir da bei einer 4,5 bis 5“, sagt Manfred Borowy, stellvertretender Amtsleiter im Straßenbauamt Stralsund, das für Projekte auf Bundes- und Landesstraßen zuständig ist. „Das heißt nicht, dass die Straße gleich auseinanderbröckelt, sondern dass der Straßenbaulastträger jetzt aufgefordert ist, hier Maßnahmen zu ergreifen.“ Diese sollen in den nächsten vier Jahren erfolgen. Auf dem Autobahnzubringer wird die Deckschicht abschnittsweise erneuert. Mindestens ein Fahrstreifen wird pro Richtung immer freigehalten, die Sommermonate sind von der Bautätigkeit ausgenommen. Begonnen wird im September/Oktober mit der Fahrbahnerneuerung zwischen dem Schutower Kreuz und dem gerade neu gebauten Kreuzungsbauwerk Evershagen.

Als Besonderheit verweist Borowy auf parallele Baumaßnahmen in der Stadt (Satower Straße, Rennbahnallee und Goetheplatzbrücke), bei denen die Umleitung teilweise über den Zubringer erfolgt. Die Koordination sei eine große Aufgabe, die zuständigen Baulastträger stehen jedoch „im intensiven Austausch“, tritt er dem Vorurteil entgegen, die verschiedenen Verwaltungen würden sich bei größeren Baumaßnahmen nicht untereinander abstimmen.

Kreuzung B105/Messestraße

Mit dem Umbau der Kreuzung B105/Messestraße in Schutow soll im August begonnen werden. Aus Sievershagen kommend entsteht hier eine zusätzliche Linksabbiegespur in die Messestraße. Sie soll einen Rückstau auf der Bundesstraße vermeiden, besonders nach der geplanten Gewerbeansiedlung westlich der Messestraße. Angesichts der Verkehrsprognosen ist die Kreuzung nicht mehr leistungsfähig, erläutert Borowy. Er rechnet mit einer Bauzeit von etwa einem halben Jahr, gebaut wird „unter Verkehr“, also ohne Vollsperrung.

Ortsumgehung Elmenhorst – Baustart im 2. Halbjahr 2022

Nach vielen Jahren der Planung soll im zweiten Halbjahr 2022 mit dem Bau der Ortsumgehung Elmenhorst (L12) westlich von Rostock begonnen werden. Aufgrund einer Klage hat das Planfeststellungsverfahren fast fünf Jahre gedauert, erklärt Thomas Genschmer, Leiter der Projektgruppe Großprojekte beim Land. Auch der Grunderwerb habe sich schwierig gestaltet – letzte Punkte sind noch zu klären, dann kann der Bau starten.

„Die momentane Ortsdurchfahrt ist dem steigenden Verkehrsaufkommen, insbesondere dem touristischen, nicht gewappnet“, stellt Genschmer klar. Als Ziele der Ortsumgehung nennt er die Entlastung der Ortslage, eine Verkürzung der Reisezeit sowie die Erhöhung der Verkehrssicherheit.

Die Bauzeit für die 4,7 Kilometer lange Straße wird mit 2,5 Jahren veranschlagt, die Kosten derzeit auf neun Millionen Euro geschätzt. Geplant sind zwei Regenrückhaltebecken, eine Brücke sowie vier Kreisverkehre. Hier kann es in den Anschlussbereichen zeitweise zu Verkehrseinschränkungen bzw. Vollsperrungen kommen.

Seitens der Hansestadt befindet sich bereits seit dem letzten Jahr die Verlängerung der Mecklenburger Allee in Arbeit, die Rostock-Lichtenhagen mit der Umgehung verbinden soll. Der in der Vergangenheit als Abkürzung benutzte schmale Elmenhorster Weg soll dafür teilweise zu einem reinen Geh- und Radweg werden.

Zwischen Bentwisch und Poppendorf soll der Radweg an der L 182 fertiggestellt werden.

142 Mio. Euro für Straßenbauprogramm 2022 in MV

Insgesamt werden in diesem Jahr in Mecklenburg-Vorpommern knapp 142 Millionen Euro in die Sanierung und den Neubau von Straßen investiert. 82 Millionen Euro stehen für Bundesstraßen, knapp 60 Millionen Euro für Landesstraßen bereit.

Zu den Großprojekten gehört die Ortsumgehung Wolgast mit der Ziesebrücke. Der Baustart ist für den August geplant, es wird mit einer Bauzeit von ca. 68 Monaten gerechnet, die aktuelle Kostenschätzung liegt bei 138 Mio. Euro.

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