Hansa Rostock verliert beim SV Darmstadt 98 mit 0:6

In Unterzahl wird die Hansa-Kogge in Darmstadt mit 6:0 (2:0) förmlich vom Platz gefegt und kassiert die höchste Pflichtspielniederlage seit Jahren

22. September 2013, von
Hansa-Fans beim Spiel gegen den SV Darmstadt 98
Hansa-Fans beim Spiel gegen den SV Darmstadt 98

Hansa Rostock musste sich am Samstagnachmittag in Darmstadt klar mit 0:6 (0:2) geschlagen geben. Ab der 14. Minute in Unterzahl spielend konnten die Rostocker in keiner Spielphase überzeugen und kassierten zurecht die bislang höchste Niederlage in ihrer Drittligageschichte. Nach dem zehnten Spieltag rutschen die Hansestädter mit 14 Punkten auf den 12. Tabellenplatz ab – der bislang schlechteste Wert der laufenden Saison.

7.400 Zuschauer, darunter knapp 1.000 Hansa-Anhänger, sehen beim Auswärtsspiel in Darmstadt eine im Vergleich zur Dortmund-Partie auf drei Positionen veränderte Rostocker Startelf. Shervin Radjabali-Fardi kehrt nach abgesessener Sperre für Martin Pett auf seine angestammte Linksverteidigerposition zurück, Sascha Schünemann läuft für Tommy Grupe auf und im Sturm steht statt Nikolaos Ioannidis erstmals Mustafa Kucukovic in der Anfangsaufstellung.

Mit einer offensiven Grundausrichtung sollte das Spiel von Anfang an auf die eigene Seite gezogen werden, so die Marschrichtung von Hansas Torwart- und Co-Trainer Andreas Reinke vor dem Spiel. Er vertritt an diesem Tag Cheftrainer Andreas Bergmann, der aufgrund eines Infekts die Reise nach Hessen nicht antreten konnte. Offensiv startet die Partie, doch es sind die Gastgeber, die das Spiel von Beginn an bestimmen.

Mustafa Kucukovic (Hansa Rostock), hier im Zweikampf mit Aaron Berzel (SV Darmstadt 98), sah bereits in der 14. Minute die Rote Karte
Mustafa Kucukovic (Hansa Rostock), hier im Zweikampf mit Aaron Berzel (SV Darmstadt 98), sah bereits in der 14. Minute die Rote Karte

Es sind gerade einmal 20 Sekunden gespielt, als Dominik Stroh-Engel einen langen Ball auf Marco Sailer verlängert, der an der Strafraumgrenze frei vor Rostocks Schlussmann Johannes Brinkies zum Schuss kommt. Die Kugel streicht jedoch über den Querbalken. Auch Innenverteidiger Benjamin Gorka verfehlt das Rostocker Gehäuse nach einer Ecke nur knapp (3. Minute).

Offensiv ist von Hansa wenig zu sehen, defensiv stellen sich die Rostocker aber langsam auf die angriffslustigen Gastgeber ein, die immer mehr Druck aufbauen. In der 14. Minute schwächen sich die Gäste dann selbst. Mustafa Kucukovic sieht für ein völlig unnötiges Foul an Aytac Sulu die Rote Karte und die Rostocker müssen fortan 75 Minuten in Unterzahl spielen.

Nach einem weiten Einwurf setzt sich Stroh-Engel in der 23. Minute an der linken Strafraumecke durch, legt die Kugel auf Jerome Gondorf ab, der aus 17 Metern abzieht und mit seinem Flachschuss ins rechte Innennetz zum 1:0 trifft. Nur drei Minuten später erhöhen die Hausherren bereits auf 2:0. Noёl Alexandre Mendy stoppt mittels Bodycheck den Torschützen Gondorf an der linken Strafraumecke. Michael Stegmayer tritt den anschließenden Freistoß in Richtung kurzer Pfosten, wo Hanno Behrens ihn per Kopf zum 2:0 verlängert.

Shervin Radjabali-Fardi (Hansa Rostock) im Duell mit Marco Sailer (SV Darmstadt 98)
Shervin Radjabali-Fardi (Hansa Rostock) im Duell mit Marco Sailer (SV Darmstadt 98)

Außer dem Hauch einer Torchance durch David Blacha (37. Minute) ist von Hansa offensiv nichts zu sehen. Glücklicherweise bewahrt Brinkies seine Mannschaft in der 45. Minute zumindest vor dem dritten Gegentor. Erst pariert der Rostocker Schlussmann einen Schuss der Darmstädter, steht blitzschnell wieder auf und kann im Nachgang auch den Versuch des frei stehenden Milan Ivana aus sieben Metern mit einer tollen Einlage parieren. So verabschieden sich die Mannschaften mit dem Stand von 2:0 zum Pausentee.

Es ist erst gut eine Minute im zweiten Durchgang gespielt, da steht es auch schon 3:0. Stroh-Engel dringt halbrechts in den Strafraum ein und lupft den Ball über Brinkies hinweg zum 3:0 ins lange Eck. Nach einem Foul von Mendy zeigt der Unparteiische Arne Aarnink in der 54. Minute auf den Elfmeterpunkt – Stroh-Engel verwandelt souverän zum 4:0.

Die ersten Hansa-Fans packen enttäuscht ihre Sachen und machen sich auf den langen Heimweg. Im Boxsport hätte Co-Trainer Andreas Reinke jetzt das Handtuch in den Ring werfen können, doch so muss er das Elend vom Spielfeldrand aus bis zum bitteren Ende verfolgen.

Vierfach-Torschütze Dominik Stroh-Engel (SV Darmstadt 98) im Zweikampf mit Steven Ruprecht (Hansa Rostock)
Vierfach-Torschütze Dominik Stroh-Engel (SV Darmstadt 98) im Zweikampf mit Steven Ruprecht (Hansa Rostock)

Ein Freistoß von Leonhard Haas in der 55. Minute könnte als kleines Lebenszeichen von Hansa gewertet werden, wenn Darmstadts Schlussmann Jan Zimmermann den Ball nicht souverän gefangen und damit gleich den nächsten schnellen Konter eingeleitet hätte. In einem schönen Solo setzt sich Marcel Heller auf der linken Seite bis in den Strafraum der Rostocker durch, wo er unsanft von Hansa-Kapitän Sebastian Pelzer gestoppt wird. Der Unparteiische Aarnink zeigt erneut auf den Elfmeterpunkt und Stroh-Engel verwandelt zum 5:0, diesmal unten rechts.

Bezeichnend für den gesamten Nachmittag ist die 72. Spielminute. Ein kurzer Brinkies-Abschlag landet bei Steven Ruprecht, dem der Ball verspringt und der sich so 25 Meter vor dem eigenen Kasten die Kugel vom Fuß klauen lässt. Wieder ist es Stroh-Engel, der Brinkies umkurvt und abgeklärt zum 6:0 einschiebt.

Glück für die Rostocker, dass Stroh-Engel in der 77. Minute ausgewechselt wird und Darmstadt es in der Schlussviertelstunde etwas ruhiger angehen lässt. Sonst wäre die Niederlage an diesem Tag wohl noch deutlicher ausgefallen. So bleibt es bei der – auch in dieser Höhe – vollkommen verdienten 0:6-Klatsche für Hansa.

Hansa-Co-Trainer Andreas Reinke mit Sportvorstand Uwe Vester
Hansa-Co-Trainer Andreas Reinke mit Sportvorstand Uwe Vester

Trotz sechs kassierter Treffer ist Johannes Brinkies neben Halil Savran an diesem Tag wohl der einzige Hansa-Spieler, dem man keine großen Vorwürfe machen kann. Die rechte Seite bot den Gastgebern immer wieder Freiräume, die Abwehr zeigte eklatante Schwächen und im Mittelfeld kann man nur darauf hoffen, dass Milorad Pekovic bald wieder fit ist. Weiter geht es für die Kogge bereits am Freitagabend, wenn die Rostocker beim direkten Tabellennachbarn MSV Duisburg (14 Punkte, Rang 11) antreten müssen.

Tore:
1:0 Jerome Gondorf (23. Minute)
2:0 Hanno Behrens (26. Minute)
3:0 Dominik Stroh-Engel (47. Minute)
4:0 Dominik Stroh-Engel (54. Minute, Foulelfmeter)
5:0 Dominik Stroh-Engel (56. Minute, Foulelfmeter)
6:0 Dominik Stroh-Engel (72. Minute)

Besondere Vorkommnisse:
14. Minute: Rote Karte für Mustafa Kucukovic

Aufstellung, FC Hansa Rostock:
Johannes Brinkies (Torwart)
Noёl Alexandre Mendy, Steven Ruprecht, Sebastian Pelzer, Shervin Radjabali-Fardi
Leonhard Haas, Sascha Schünemann (Tommy Grupe, ab 61. Minute)
Denis-Danso Weidlich (Julian Jakobs, ab 61. Minute), David Blacha
Halil Savran, Mustafa Kucukovic (Rote Karte in der 14. Minute)

Fotos: Herbert Krämer

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