Ovationen für „The Who’s Tommy“ im Volkstheater

Das Volkstheater Rostock eröffnet die neue Spielzeit mit einem Rock Musical im neu sanierten Großen Haus

8. September 2012, von
The Who's Tommy mit Marcus Melzwig in der Titelrolle
The Who's Tommy mit Marcus Melzwig in der Titelrolle

„Feel me coming, a new vibration. I’m a sensation” – mit treibendem Beat belebte Marcus Melzwig als Tommy singend wieder das Große Haus. Nach eineinhalbjähriger Pause ist es für Theaterbesucher seit gestern Abend wieder geöffnet. Neue Wandfarbe in den Foyers und neue Energie auf der Bühne, das waren die ersten Eindrücke des Publikums, das sich nach der Premiere von „The Who’s Tommy“ zu stehenden Ovationen hinreißen ließ.

Mit dem rockigen Musical der britischen Rockband The Who, die dafür bekannt ist, nach einem Auftritt ihre Instrumente zu zertrümmern, war dem Volkstheater ein kraftvoller Neuanfang geglückt. Zum Auftakt der neuen Spielzeit setzte Regisseur Thomas Winter jedoch nicht auf opulente Showelemente. Mit einer minimalistisch ausgestatteten Bühne (passend auch zum schlicht sanierten Haus) lenkt er den Fokus auf die Musik, die der junge Who-Gitarrist Pete Townshend auf dem Höhepunkt der Bandgeschichte zu einem der ersten Konzeptalben zusammenstellte.

Und so spielen auch die Musiker nicht versteckt im Orchestergraben, sondern werden auf einem hohen Podest sichtbar. Christian Kuzio an der E-Gitarre, Martin Pollok am Schlagzeug, Falk Bonitz am Keyboard, Jan Soutschek am Bass und Jörg Huke an der Posaune sind die Band, die die PopKW für diese gemeinsame Produktion mit dem Volkstheater beigesteuert hat. Unter der musikalischen Leitung von Wolfgang Schmied (auch an der Akustikgitarre) füllt die Band den Theatersaal mit den Hits des Albums wie „Pinball wizard“ oder „The acid queen“, letzterer charismatisch gesungen von Jaqueline Boulanger.

The Who's Tommy mit Lukas Möller und Marcus Melzwig
The Who's Tommy mit Lukas Möller und Marcus Melzwig

Ihnen zu Füßen entfalten die Schauspieler die Geschichte von Tommy. Als Kind wird er Zeuge, wie sein Vater (Björn-Ole Blunck) – von dem man zunächst glaubte, er sei im Krieg gefallen – den Geliebten der Mutter erschießt. Die Eltern bedrängen den Jungen daraufhin zum Schweigen: Er wird taub, blind und stumm. Mit Exorzismus, Drogen und Schulmedizin versuchen sie den Sohn zu heilen, vergeblich. Isoliert von einer kühlen Außenwelt, in der die Mutter (Sonja Dengler) gerade mal den Sohn mit ausgestrecktem Arm auf dem Kopf tätschelt, muss Tommy Übergriffe des pädophilen Onkels Ernie (Peer Roggendorf mit einem beachtenswerten Geigensolo) und des sadistischen Cousins Kevin (etwas zu exzessiv Manuel Dengler) über sich ergehen lassen. Im Kontrast zu den scheinbar gleichgültigen oder gar feindlichen Menschen rund um Tommy steht die warme und herzliche Konstellation der beiden Darsteller der Titelfigur Marcus Melzwig und Lukas Möller als der junge Tommy. Während der Junge von den Erwachsenen gefühllos hin- und hergeschoben und sogar missbraucht wird, erweist sich sein älteres Alter Ego als fürsorglicher Partner, der ihm den Weg weist. Auch andere folgen ihm bereits. Denn dank seines Flipper-Spiel-Talentes ist er zum großen Star geworden.

Leider konnte sich Thomas Winter nicht dazu durchringen, einen echten Flipperautomaten auf die Bühne zu stellen. So wirkt es etwas schräg, wenn Tommy seinen Luftflipperautomaten pantomimisch bedient. Stattdessen verlässt sich die Inszenierung auf die Videoinstallation von Andreas Ehrig als wesentlichen Teil der Bühnengestaltung. Seine bewegten Bilder veranschaulichen nicht nur das Flippern, sondern stellen auch Krieg, Drogenrausch und das Eindringen in Tommys Gehirn, wo es verändert und verletzt wird, symbolhaltig dar.

Heute und morgen sowie am nächsten Wochenende gibt es weitere Vorstellungen von „The Who’s Tommy“ im Großen Haus.

Weitere Vorstellungen:

  • Sa 05.01. 2013, 19:30 Uhr, Großes Haus

Fotos: VTR, Dorit Gätjen

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