Bürgerforum der Ostseezeitung zum Darwineum

Zoodirektor, Bausenator und Wirtschaftsminister bemühen sich Informationsstau aufzulösen

26. Januar 2011, von

Mangelnde Kommunikation war ein Punkt, der am gestrigen Abend besonders oft angemahnt wurde. Auch der Gastgeber, die Rostocker Ostseezeitung, kam bei dieser Kritik nicht ungeschoren davon.

Sie hatte interessierte Bürger zu einem Forum zum neuen Großprojekt des Rostocker Zoos eingeladen. Denn über das Darwineum fühlen sich viele Einwohner falsch oder nur unzureichend informiert.

Neben Zoodirektor Udo Nagel stellten sich auch Rostocks Bau- und Umweltsenator Holger Matthäus sowie Jürgen Seidel, Minister für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern den Fragen der Rostocker.

Forum zum Darwineum im Saal der Ostseezeitung
Forum zum Darwineum im Saal der Ostseezeitung

Gleich zu Beginn nutzte Udo Nagel die Gelegenheit in einem mit Bildern und Karten veranschaulichten Vortrag das Darwineum in seiner Größe, seinem Inhalt und seinem Zweck vorzustellen.

Dabei stellte er auch einige Zahlen zu den Ausmaßen der Flächen im Barnstorfer Wald klar. So seien die Barnstorfer Anlagen 106 Hektar groß. Davon wurden dem Zoo mit dem Erbbaurecht 56 Hektar zugesprochen. Für das Gebäude des Darwineums werden 2 Hektar bebaut. Eingezäunt wurden etwa 9 Hektar. Um den Zaun nach innen zu versetzen, sei bereits eine neue Baugenehmigung beantragt, informierte der Zoodirektor, der damit auf Kritik seitens der Sportler hinsichtlich der halbierten Wege reagiert.

Für 4,13 Hektar des Barnstorfer Waldes wurde von der Landesforstbehörde eine Waldumwandlung genehmigt. Dafür müssen 6,2 Hektar neu aufgeforstet werden. Da es sich auch bei dem Baukörper um einen Eingriff in Natur und Landschaft handelt, wird es mehrere Ausgleichsmaßnahmen geben, geht Holger Matthäus auf naturschutzrechtliche Bedenken ein. So sollen zwei Naturwaldparzellen in unmittelbarer Nähe eingerichtet und zusätzliche Fledermauskästen angebracht werden. Auch an eine Dachbegrünung ist gedacht.

Der Rostocker Senator wunderte sich über den Informationsbedarf. Schließlich sei das Projekt in den Ortsbeiräten vorgestellt worden und auch die Gutachten und Unterlagen der Behörden, die die Planung begleiten, seien keine Geheimdokumente, betonte er und war froh, bei diesem Forum auf Fragen eingehen zu können.

So konnte auch der Zoodirektor gleich das Gerücht aus der Welt schaffen, dass im westlichen Teil des noch unbebauten Zoogeländes ein Kletterwald entstehen soll. Diese Idee sei zwar an den Zoo herangetragen, nach dem Gespräch mit den Sportlern aber wieder verworfen worden. „Es wird dort zusätzlich keine Vergabe an Dritte geben“, bestätigte Udo Nagel.

Holger Matthäus, Andreas Ebel, Jürgen Seidel und Udo Nagel
Holger Matthäus, Andreas Ebel, Jürgen Seidel und Udo Nagel

Neben Fragen zum Standort, der Skepsis an der Einmaligkeit des Darwineums und ob dieses Konzept auch nach Rostock und Mecklenburg-Vorpommern passe, bewegte vor allem die Finanzierung des Projektes die Forumsteilnehmer. Einige Kritiker befürchten, dass es ähnlich wie der IGA-Park oder der Warnowtunnel zu einer Schuldenfalle für Rostock werden könnte.

Auf 26,8 Millionen Euro belaufen sich die Gesamtkosten des Darwineums. 22,8 Millionen davon werden vom Land aus einem Programm zur Förderung der Infrastruktur zur Verfügung gestellt. „Ein solches Projekt ist für Mecklenburg-Vorpommern für die Stadtentwicklung von großer Bedeutung. Wir müssen unseren Standort ausbauen“, sagte Jürgen Seidel und wies auf die große Bedeutung des Tourismus und die damit verbundenen Arbeitsplätze hin.

Dass dies richtig sei, bestätigen auch die jetzigen Entwicklungen des Ozeaneums und des Müritzeums, so der Wirtschaftsminister. So liegen die Besucherzahlen im Ozeaneum in Stralsund, in das das Land rund 60 Millionen Euro investierte, bei einer Million. Bevor das Müritzmuseum in Waren mit knappen 16 Millionen Euro Landesförderung zum Müritzeum ausgebaut wurde, lockte es etwa 60.000 Besucher an. Nun wollen sich dort etwa 200.000 Besucher die Süßwasserwelten unserer Region ansehen.

„Wir stehen hinter diesem Konzept. Wir glauben, dass dies etwas sehr Vernünftiges werden kann, wo wir am Ende alle davon profitieren, sowohl die Bürger als auch die Gäste,“ verteidigte er das Darwineum vor den Skeptikern.

Wie wichtig die Investition in den Zoo ist, versuchte auch Udo Nagel deutlich zu machen und berichtete, dass bundesweit die Besucherzahlen um 5 bis 25 Prozent eingebrochen seien. Nur Tiergärten, die investiert haben, hätten Zuwächse zu verzeichnen. Der Leipziger Zoo beispielsweise soll mit dem Pongoland und anderen Gehegen seine Besucherzahlen verdoppelt haben.

Redner beim Forum zum Darwineum
Redner beim Forum zum Darwineum

Auch der Rostocker Zoo muss seine Besucherzahl steigern, die sich im letzten Jahr bei 505.000 bewegte. 50 Prozent mehr Gäste müssen kommen, damit der vergrößerte Zoo wirtschaftlich ist. „Wir haben zu wenig Besucher in der nasskalten Jahreszeit. Mit dieser Investition wollen wir genau das erreichen, dass wir mehr Besucher bekommen. Wenn wir gar nichts machen, werden die Zahlen stagnieren“, ist sich Udo Nagel sicher.

Und was passiert, wenn das Darwineum nicht gebaut wird?

Dann fließen die Fördermittel anderen Projekten zur Stärkung der Infrastruktur im Land zu, der Barnstorfer Wald bliebe wohl verschont und die Haltung der Menschenaffen müsste irgendwann eingestellt werden. Nach den Elefanten hätte der Rostocker Tiergarten dann noch eine Attraktion weniger, was wiederum nicht ohne Auswirkungen auf die Einnahmen und die Sicherheit der Arbeitsplätze des Zoos bliebe.

Diese und noch weitere Zusammenhänge versuchten nicht nur Jürgen Seidel, Holger Matthäus und Udo Nagel deutlich zu machen, sondern auch zahlreiche Befürworter und Kritiker des Darwineums, die sich zu Wort meldeten.

Schlagwörter: Darwineum (80)Jürgen Seidel (12)Zoo Rostock (209)

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2 Kommentare

  • Ludwig sagt:

    Das Darwineum geht an dem Spendenprojekt „Schaffen für die Affen!“ vorbei!
    200 Meter Laufstrecke für Freizeit- und Leistungssportler – weg! Hier wird sich ein Kompromiss finden lassen. Da gebe ich sowohl den Sportverbänden, die gegen diese Streckensperrung auftreten, als auch Zoodirektor Nagel Recht in deren Hoffung auf Einigung. Doch bin ich der Meinung, dass es um viel mehr geht. Bei aller Wichtigkeit des Tourismus sollte die „Katze im Dorf“ bleiben. Rund 23 Mill. Euro aus Mitteln des Europäischen Fonds und des Landeswirtschaftsministeriums für das Projekt und noch 1,33 Mill. Euro von der Stadt Rostock im Jahre 2012 sind ernorme Summen. Summen, die bei mir die Frage aufwerfen, werden diese Steuergelder sinnvoll eingesetzt. Für mich stehen einige Fragen, wie: Warum nicht „Menschenaffenhaus“ für das gespendet wurde, warum „Darwineum? 9000 Quadratmeter groß soll es werden. Wie groß wird der Anteil für die Affen sein und für wie viele Affen ist Platz geplant? Ich hörte, dass das Darwineum zum größten Teil für eine Evolutionsausstellung, Vorführanlagen und Veranstaltungsräume verplant ist. Ein Bild in einer Rostocker Lokalzeitung zeigt ebenfalls nur eine große Ausstellungsfläche, gibt aber keinen Einblick in das „großzügige“ künftige Affengehege. Das sollte doch entsprechend der Spendenaktion im Vordergrund stehen. Nun sind Ausstellungen von der Sache her durchaus positiv. Es werden Informationen und damit Wissen weitergegeben. Der Rostocker Zoo nimmt unter den deutschen Zoos eine Vorreiterstellung in Bezug auf Wissensvermittlung ein. Zu nennen ist u. a. die „Darwinbox“ auf dem Zoo-Gelände mit ihren Ausstellungen zu unterschiedlichen Themenkomplexen. Doch bei allem guten Anliegen sollte in Punkto Kosten die Verhältnismäßigkeit gewahrt und das Ziel der Spendenaktion nicht verfälscht werden. Es gibt in Vorbereitung auf des Projektes „Darwineum“ 3D-Animationen über die Aufteilung und Innenansicht des Darwineum mit dazu gehörenden Erläuterungen. Warum gibt es über diese vorliegenden Informationen (in Wort und Bild) kaum bis keine Informationen? Alles in allem sollte mir mit Antworten das Vorurteil genommen werden, dass es sich bei dem Projekt „Darwineum“ (nicht Affenhaus) um ein Prestigeobjekt des Zoodirektors handelt. Erst die Darwinbox, die Zooschule, die Wissensstrecken auf dem Zoogelände und weitere Aktionen, die Kindern wie Erwachsenen interessante Informationen vermitteln. Informationen nicht nur über Tierarten, sondern auch über spannende Umwelt- und naturwissenschaftlichen Themen. Nun soll die ganz große Attraktion folgen – DAS DARWINEUM! Wissensvermittlung auf vielen Hunderten (Tausenden) Quadratmetern Ausstellungsfläche.

    Vielen Dank für den Artikel von Oswald Möhner „Zum Darwineum: Sofortiger Stopp gefordert“ – zu lesen in Ihrer Ausgabe vom 22.01.2011.!

    Beathe Ludwig, Gast in Rostock

  • Holger sagt:

    Und wenn keine sachlichen, nachzuvollziehbaren Gründe für die Rechtfertigung des Darwineums gefunden werden können, dann werden Arbeitsplatz- und Tourismuskeule als Totschlagargumente hervorgeholt. Wenn jedoch das ganze Ding finanziell nach hinten losgeht, so wie alle anderen vorher hochgelobten Rostocker Großprojekte (IGA, Warnowtunnel, Samoa etc.), dann werden Arbeitsplätze eher vernichtet denn geschaffen. Der Zoo kann dann nicht zahlen und die Stadt steht wieder einmal vor der Zwangsverwaltung. Sollte die Stadt dann wieder die Miesen übernehmen, dann wird an anderer Stelle, vielleicht bei den Angestellten der Stadt (?) oder bei sozialen Projekten, gespart werden müssen.
    „Auch der Rostocker Zoo muss seine Besucherzahl steigern, die sich im letzten Jahr bei 505.000 bewegte. 50 Prozent mehr Gäste müssen kommen, damit der vergrößerte Zoo wirtschaftlich ist.“: Leipzig und Hannover, die ähnliche Anlagen haben, kommen mit einer Gesamtzoofläche vonn 22 bzw. 26 Hektar aus. Rostock hat, ohne die 20 Hektar Barnstorfer Wald, bereits 37 Hektar belegt. Ich frage mich auch, ob die erhöhten Unterhaltskosten für die riesige Tropenhalle (16 m hoch) bereits in der Kostenplanung mit enthalten sind.Ich vermute mal ganz stark NEIN! Den Rostockern stehen mit diesem Darwineum noch schlimme Zeiten bevor, befürchte ich…

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