Zoo Rostock: Abschied von den Eisbären

Für die Zeit des Polarium-Neubaus verabschiedet sich der Rostocker Zoo von seinen Eisbären Fiete, Vilma und Vienna und den Pinguinen

16. Oktober 2016
Rostocker Zoo verabschiedet seine Eisbären (hier: Vilma und Fiete) für den Bau des Polariums (Foto: Joachim Kloock)
Rostocker Zoo verabschiedet seine Eisbären (hier: Vilma und Fiete) für den Bau des Polariums (Foto: Joachim Kloock)

Tschüs Fiete, Vilma und Vienna. Rostock hat sich heute auf einem großen Fest von seinen Eisbären und Pinguinen verabschiedet. Für die Besucher war es heute die letzte Möglichkeit, vor dem Abriss der historischen Bärenburg noch einmal hinter die Kulissen des in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts entstandenen Bauwerkes zu schauen.

„Natürlich sind wir alle sehr traurig, dass wir für eine Übergangszeit während des Neubaus auf unsere Eisbären verzichten müssen“, sagte Zoodirektor Udo Nagel. „Aber die Vorfreude auf das Polarium und eine moderne Anlage mit einer neuen Erlebnislandschaft und vielen Informationen über die bedrohten Tiere macht das wieder wett“, so Nagel. Zahlreiche Zoo- und Eisbärenfans haben die letzten Tage genutzt, um Fiete, Vilma und Vienna persönliche Wünsche mit auf die Reise zu geben. 

Familiengründung im Sóstó Zoo (Ungarn)

Fietes neue Heimat liegt fünf Kilometer von der ungarischen Stadt Nyíregyháza entfernt, im Ferienort Sóstó. Der 35 Hektar große und erst 1998 eröffnete Zoo mit rund 500 Arten und 5.000 Tieren befindet sich in einem Eichenwald, in fast unberührter Natur. Der moderne Zoo bietet für den bald zweijährigen Eisbärenjungen Fiete optimale Bedingungen. Momentan lebt in Sóstó eine 25-jährige Eisbärin. Es ist jedoch geplant, dass eine junge Eisbärin aus Moskau ebenfalls nach Sóstó kommen soll. Für den eigenen Nachwuchs hat Fiete noch etwas Zeit. Eisbären sind mit vier bis fünf Jahren ausgewachsen. Die Geschlechtsreife tritt je nach Geschlecht erst mit fünf oder sechs Jahren ein.

In der Natur sind Eisbärenmütter und ihre Jungtiere bis zu 2 ½ Jahren zusammen, im Zoo ungefähr zwei Jahre. In der Wildnis ist dieser Zeitraum etwas länger, da sie von der Mutter in dieser Zeit das Jagen und das Überleben erlernen müssen. „Fiete ist durch das Zusammenleben mit Mutter Vilma gut auf das Leben in einer neuen Umgebung vorbereitet“, betonte Kuratorin Antje Zimmermann. „Er wird vielleicht einige Tage nach seiner Mutter rufen und sie suchen. Dann wird er sich schnell an die neue Umgebung gewöhnen, neue Eindrücke sammeln und viele neue Erfahrungen machen. Sobald seine neue Partnerin in Sóstó ankommt, ist zu vermuten, dass die jungen Bären viel miteinander spielen, toben und klettern werden. Dafür ist in Sóstó ausreichend Platz. Anfang November geht Fiete auf seine erste große Reise.
www.sostozoo.hu

Zwei, die sich gut verstehen, Vilma und Lars, die Eltern von Fiete. Sie sehen sich bald wieder. (Foto: Joachim Kloock)
Zwei, die sich gut verstehen, Vilma und Lars, die Eltern von Fiete. Sie sehen sich bald wieder. (Foto: Joachim Kloock)

Familienzusammenführung in Zoo Aalborg (Dänemark)

Ob sich Lars (22) freuen wird, seine Vilma (13) wiederzusehen? Der Vater von Knut und Fiete lebt seit April vergangenen Jahres in dem dänischen Zoo. Eisbären sind Einzelgänger und kommen nur zur Paarung zusammen. Lars wäre für seinen Sohn Fiete eine ernste Gefahr gewesen und musste deshalb weichen. Lars ist der Vater von Vilmas beiden Kindern Fiete und Anori (3), die im Zoo Wuppertal lebt.

Momentan sind in Aalborg neben Eisbär Lars auch das 15-jährige Eisbärenweibchen Malik zuhause. Der Zoo in Aalborg verfügt ebenfalls über eine moderne Eisbärenhaltung. Die am 3. Dezember 2002 im Rostocker Zoo geborene Vilma soll später ins Polarium zurückkehren, wenn dem nichts entgegensteht. Vilma wird noch im Oktober nach Dänemark wechseln.

Vilmas Mutter Vienna (27), Mutter von sechs Rostocker Eisbären, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ihren Alterswohnsitz nach dem Neubau in Rostock erhalten. „Unsere Vienna wird auch ins europäische Ausland wechseln. Allerdings sind in diesem Fall noch einige Formalitäten zu klären, so dass wir ihren neuen Zoo noch nicht bekanntgeben können“, erklärte Kuratorin Antje Zimmermann.

Die Pinguine haben eine nicht so lange Fahrt vor sich. Die 21 Tiere, davon zehn Männchen kommen größtenteils in den Zoo Berlin, einige aber auch in den Vogelpark Marlow und nach Hoyerswerda. Die Umzüge sind für Ende Oktober, Anfang November geplant.

Abschied von der Bärenburg

Unmittelbar nach den Umzügen soll der Rückbau der historischen Bärenanlage beginnen. Damit geht die Ära der legendären Bärenburg, mit der mehrere Rostocker Generationen aufgewachsen sind, dem Ende entgegen. Bis zum 800. Stadtjubiläum 2018 soll das Polarium, die neue Heimstätte der Eisbären und Pinguine, fertiggestellt werden.

Die Gesamtinvestitionen für das Polarium belaufen sich auf 9,75 Mio. Euro; den Hauptteil von 90 Prozent trägt das Land. Die Baustelle ist insgesamt 12.500 Quadratmeter groß und wird künftig eine weitläufige, unterteilbare Anlage für die Eisbären mit großen einsehbaren Tauchbecken, ein Freigehege für die Pinguine und den Versorgungstrakt für die Tiere beherbergen sowie das Besucherzentrum, das über polare Lebensräume und ihre Bewohner informiert. Die neue Anlage ist für drei erwachsene Eisbären und ihren Nachwuchs ausgelegt.

Mit dem Polarium soll der Zoo Rostock, der auch seit mehr als 35 Jahren das Internationale Zuchtbuch führt und den Eisbären als Wappentier trägt, seine langjährige erfolgreiche Eisbärenzucht fortsetzen. 35 Eisbären wurden seit 1956 im Rostocker Zoo aufgezogen, zuletzt der am 3. Dezember 2014 geborene Fiete, der nun als junger Eisbärenmann in Ungarn eine Zukunft finden wird.

Quelle: Zoo Rostock, Fotos: Joachim Kloock

Schlagwörter: Eisbär (27)Polarium (11)Zoo Rostock (212)

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2 Kommentare

  • Petra Merz sagt:

    Fiete War ein wunderbarer Eisbär. Leider muss er uns verlassen was sehr traurig ist.ich könnte Fiete leider in Juli das letzte mal sehen.Und hoffe das ihn im neuen Zoo genauso gut geht wie im Zoo rostock

  • Röming , Hildegard sagt:

    Gestern verlebte ich mit Töchtern und Enkelin einen wunderbaren Tag im Zoo.
    Obwohl ich mehrmals im Jahr dorthin gehe, entdecke ich immer wieder etwas
    Neues. Sicher letztmalig waren wir auch an der Bärenburg, sprachen über den
    Abschied und die künftigen “ Wohnorte “ der Eisbären.
    Auf der Anlage hielt sich ein einsame(r) Eisbär(in?) auf. Da Fiete von der Größe
    her kaum noch von seiner Mutter zu unterscheiden war, hielten wir sie für Vilma,was offenbar ein Fehler war. Mit Erschrecken und Traurigkeit lese ich eben von Vilmas Tod im Zoo von Aalborg.
    Wir sind traurig , hat sie doch gerade durch Fiete den Besuchern soviel Freude geschenkt. Wie mag es 2018 im neuen Haus weitergehen?

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