Neuer E-Scooter-Verleiher in Rostock gestartet

Nachdem im Juni der erste E-Roller-Vermieter in Rostock gestartet ist, verleiht der Carsharing-Anbieter YourCar seit letzter Woche Elektrotretroller unter der Marke „Moin.“

20. Oktober 2020, von
„Moin.“ - Neuer E-Scooter-Verleiher in Rostock gestartet: Steffen Nozon, Adrian Merker, Thomas Schneider und Jakob Richter (v.l.)
„Moin.“ - Neuer E-Scooter-Verleiher in Rostock gestartet: Steffen Nozon, Adrian Merker, Thomas Schneider und Jakob Richter (v.l.)

Pfiffiges Transportmittel oder unnützer Elektroschrott? Was die kleinen elektrischen Tretroller betrifft, gehen die Meinungen weit auseinander. Trotzdem gehören sie in immer mehr großen Städten zum Straßenbild, so auch in Rostock.

Nachdem der Jungunternehmer Paul Ebel im Juni als Franchisenehmer des kalifornischen Anbieters „Bird“ gestartet ist, gibt es nun einen zweiten E-Scooter-Verleiher in der Hansestadt.

YourCar startet mit 175 E-Rollern unter der Marke „Moin.“

Das bereits im Carsharing aktive Rostocker Unternehmen YourCar baut sein Angebot mit E-Scootern aus. Unter der Marke „Moin.“ gehen die Unternehmer Adrian Merker und Jakob Richter mit geplanten 175 Fahrzeugen an den Start, die vorerst im Stadtzentrum incl. der KTV, Reutershagen sowie der Südstadt genutzt werden können.

Eine Ausweitung auf den Nordosten und Nordwesten der Stadt ist perspektivisch geplant, Warnemünde könnte später ebenfalls folgen. Vorrangig richtet sich das Angebot jedoch an die Einwohner, stellt Adrian Merker klar, nicht an Touristen. Auch eine Kooperation mit der RSAG kann sich Merker in der Zukunft vorstellen, noch gibt es jedoch keine konkreten Pläne.

Mit Wechselakku und Lastenrad gegen schlechte Umweltbilanz

„Als Leihfahrzeug in Innenstädten, wo ÖPNV-Netze gut ausgebaut und die kurzen Wege gut per Fuß & Fahrrad zurückzulegen sind, bringen die Roller eher Nachteile für die Umwelt“, lautet das wenig schmeichelhafte Fazit des Umweltbundesamtes. Als Ersatz für Autofahrten könnten E-Scooter den Verkehr nachhaltiger gestalten, nach ersten Zahlen aus anderen Städten ersetzen sie jedoch eher den umweltfreundlichen Fuß- und Radverkehr, so das Umweltbundesamt.

„Wir bemerken bereits jetzt an den Fahrstecken, dass die letzten ein, zwei Kilometer von der Straßenbahnhaltestelle mit dem E-Scooter zurückgelegt werden“, sagt Jakob Richter. „Das macht den ÖPNV ein Stück weit attraktiver.“

Wie die Nutzung in Rostock hauptsächlich erfolgt, werden die nächsten Monate zeigen. In einem entscheidenden Punkt möchten die Jungunternehmer der Kritik entgegenwirken: Im Gegensatz zu anderen Anbietern sind ihre Fahrzeuge mit Wechselakkus ausgestattet. So müssen nicht die kompletten Roller nachts mit Transportern eingesammelt und zum Aufladen gefahren werden. Stattdessen werden nur die Akkus getauscht, wobei Lastenräder zum Einsatz kommen.

Da E-Scooter nicht immer dort wieder benötigt werden, wo sie abgestellt werden, müssen sie manchmal umverteilt werden. Auch dafür sollen keine Transporter zum Einsatz kommen, erläutert Adrian Merker. Es gibt Pedelecs mit speziellen Anhängern, mit denen fünf oder sechs Roller umweltfreundlich ‚abgeschleppt‘ und an ihren Bestimmungsort gebracht werden können. Noch sammle man Erfahrungen und musste kaum umverteilen.

Bislang wenige Konflikte mit E-Scootern in Rostock

Als „reibungslos“ beschreibt Mobilitätskoordinator Steffen Nozon die bisherigen Erfahrungen der Stadt mit den E-Scootern. Es wurden private Vereinbarungen mit den Anbietern geschlossen, in denen Mindeststandards festgelegt wurden. Die Betreiber sind regional verankert, jederzeit ansprechbar und kümmern sich wirklich, so Nozon. Statt ursprünglich geplanten 300 Mietrollern lässt die Stadt jetzt 350 Fahrzeuge im Innenstadtbereich zu.

Um Probleme mit wild abgestellten Rollern zu vermeiden, sind in der App Parkverbotszonen hinterlegt. In den per GPS kontrollierten Sperrzonen (Geo-Fencing) kann der Mietvorgang nicht beendet werden. Dies gilt etwa in Fußgängerzonen, Grünanlagen oder am Ufer des Stadthafens. Zusätzlich müssen die Nutzer nach dem Abstellen ein Foto machen, um sicherzustellen, dass der Roller ordnungsgemäß geparkt wurde.

„Es ist etwas Neues, man wird sich daran gewöhnen“, sagt Nozon und verweist auf die mehr als 80.000 Pkw, die es in Rostock gibt. Auch mit Radfahrern habe es auf den teils engen Radwegen bislang kaum Konflikte gegeben.

Stadtwerke Rostock unterstützen mit kostenlosem Ökostrom

Die Stadtwerke Rostock stellen den Betreibern ein ungenutztes Trafohäuschen zur Verfügung, das als Lager und Werkstatt für die E-Scooter genutzt werden kann. Zusätzlich liefern die Stadtwerke drei Jahre lang kostenlosen Ökostrom zum Aufladen der Roller. Als „Win-Win-Situation“ beschreibt Stadtwerke-Pressesprecher Thomas Schneider die „Partnerschaft“, die „keine direkte Förderung“ sei. „Innovative und umweltfreundliche Angebote passen zum Image der Stadtwerke.“

E-Scooter – Regeln für die Nutzung und Kosten

Mit den Elektro-Tretrollern darf nur auf Radwegen oder Radfahrstreifen gefahren werden. Sind diese nicht vorhanden, darf auf die Fahrbahn ausgewichen werden. Auf Gehwegen und in Fußgängerzonen ist das Fahren verboten. E-Scooter dürfen nur von einer Person genutzt werden. Das Mindestalter für die Nutzung beträgt 18 Jahre, ein Führerschein wird nicht benötigt. Das Tragen eines Helms ist nicht vorgeschrieben, wird aber empfohlen – wenn man einen dabeihat. Es gelten dieselben Alkoholgrenzwerte wie für Autofahrer.

Fürs Entsperren des Rollers wird eine Gebühr von 1 Euro fällig, die Nutzung kostet pro Minute 25 Cent. Miete und Abrechnung erfolgen per App. Am Lenker gibt es als zusätzliches Feature ein Fach fürs Handy, in dem dieses drahtlos geladen werden kann.

Schlagwörter: Carsharing (7)E-Scooter (10)Elektromobil (23)Verkehr (436)

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2 Kommentare

  • Andreas Ehrling sagt:

    Ich finde nicht, dass man sich an wahllos, oft ungünstig abgestellte Roller auf Gehwegen gewöhnen muss, nur weil es neu ist. Leihroller sind ein schlechtes Verkehrskonzept und reduzieren den PKW-Verkehr m.E. keines Falls.

  • Bärbel Müller sagt:

    Die Nutzer dieser E-Scooter sollten dazu verpflichtet werden, diese nach der Fahrt ordnungsgemäß abzustellen.
    Oft stehen diese Geräte mitten auf dem Gehweg. Rollstuhlfahrer ,Kinderwagen u. Kinder auf Fahrrädern kommen nicht daran vorbei.
    Das kann doch bestimmt auch geändert werden, damit wir uns alle an diesem neuen Trend erfreuen können ! ?
    Herzliche Grüße aus der Rostocker Altstadt
    B. Müller

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