Günther Uecker: „Der geschundene Mensch“ in der Kunsthalle

In der Rostocker Kunsthalle wird morgen die Ausstellung „Der geschundene Mensch“ des Malers und Objektkünstlers Günther Uecker eröffnet

1. Juli 2016, von
Günther Uecker in der Kunsthalle Rostock
Günther Uecker in der Kunsthalle Rostock

14 Objekte oder befriedete Gerätschaften, wie Künstler Günther Uecker sie selbst nennt, sind ab morgen in der Kunsthalle Rostock zu sehen. Die Arbeiten entstanden 1992/93 als direkte Reaktion auf die Gewalt und die fremdenfeindlichen Ausschreitungen am Sonnenblumenhaus in Rostock-Lichtenhagen. Wie Schnupftabak habe er sich damals vor Ort „den Geruch dieses rauchenden zum Ofen gemachten Wohnhauses in die Nase gezogen“, erinnert sich der gebürtige Mecklenburger.

Als „Porträt eines in Deutschland lebenden Künstlers, der handelnd versucht, diese Erregtheit, diese Erschüttertheit bildnerisch zum Ausdruck zu bringen“, beschreibt Uecker seine Werkgruppe „Der geschundene Mensch“. „Weiße Tränen“ zeugen vom Leid, ein „Aschegarten“ steht als Synonym für Tod und Verbrechen, dazwischen die „Foltergeräte“: ein Hindernisweg, ein Tisch mit Nägeln oder ein „Gerät auf Wörtern“, das wie ein Pflug auf der verletzten Erde steht. Es ist seine ganz persönliche Reaktion auf die „Verletzung des Menschen durch den Menschen“.

Jörg-Uwe Neumann (li.) und Günther Uecker vor dem „Gerät auf Wörtern“ in der Kunsthalle Rostock
Jörg-Uwe Neumann (li.) und Günther Uecker vor dem „Gerät auf Wörtern“ in der Kunsthalle Rostock

Nach ihrer Welttournee durch mehr als 40 Länder kehren die Werke an den Ort des Geschehens zurück. „Es schließt sich dadurch ein Kreis“, sagt der 86-Jährige, für den „das Thema nicht aus der Welt geschafft ist“. Angesichts der rechtsorientierten Entwicklung in den verschiedenen Ländern zeigt sich der Künstler heute „noch genauso berührt wie am Anfang“.

Zusätzlich zur Ausstellung zeigt die Kunsthalle in ihrem White Cube neue für Rostock entstandene Arbeiten, etwa eine große Sandmühle. Kunsthallenchef Jörg-Uwe Neumann hofft, die Ausstellung in Rostock behalten und dauerhaft im neu entstehenden Schaudepot präsentieren zu können.

Günther Uecker: „Der geschundene Mensch“ in der Kunsthalle Rostock - „Weiße Tränen„“, „Hindernisweg“ und „Großes gelbes Bild“
Günther Uecker: „Der geschundene Mensch“ in der Kunsthalle Rostock - „Weiße Tränen„“, „Hindernisweg“ und „Großes gelbes Bild“

Günther Uecker wurde 1930 im mecklenburgischen Wendorf geboren. Er studierte Malerei in Wismar und an der Kunstakademie in Berlin-Weißensee. Später setzte er sein Studium bei Otto Pankok an der Düsseldorfer Kunstakademie fort, wo erstmals die typischen Nagelbilder entstanden, für die Uecker heute weltbekannt ist.

Die Ausstellung „Der geschundene Mensch“ wird morgen um 18 Uhr in der Kunsthalle Rostock eröffnet und kann bis zum 11. September 2016 jeweils dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr besucht werden. Der Eintritt kostet 8 bzw. ermäßigt 6 Euro.

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