Nach meinem Ausflug ins Mittelalter am Dienstag bin ich ja schon etwas geübt im Zeitreisen. Gestern stand gleich wieder eine an. Diesmal ging es in die 80er Jahre, genauer gesagt ins geteilte Deutschland kurz vor dem Fall der Mauer.
Das Mecklenburgische Landestheater Parchim gab sich in der Halle 207 des Rostocker Volkstheaters die Ehre und führte die 80er-Jahre-Revue „Ich will Spaß oder wo bitte ist die Fernbedienung?“ auf.
Die Regisseurin Katja Mickan bediente sich dafür einer Vorlage des Autors Dirk Böhling und ergänzte dessen Familiengeschichte noch um eine ostdeutsche Perspektive.

Jetzt hat er die Chance reich und berühmt zu werden, hofft zumindest seine Mutter (Sarah Kattih). Der Vater (Romeo Riemer) bleibt hingegen skeptisch. „Beim Klassenfeind den Schlager ansagen. Das kommt überhaupt nicht in Frage“, poltertet er: „Wie willst de denn rüber kommen?“
Das ist natürlich ein entscheidendes Problem, wenn man in der DDR wohnt. Aber es gibt noch ein weiteres. Um das Casting erfolgreich zu bestehen, muss Sven umfangreiches Wissen über die westdeutsche Fernsehlandschaft nachweisen.
Aber, oh weh – die Fernbedienung für den Fernseher ist verschwunden und ohne sie funktioniert das Gerät wohl nicht. Was bleibt der Familie also anderes übrig, als zu improvisieren. So wird das Wohnzimmer in ein Fernsehstudio verwandelt und alles, was die popkulturelle Medienlandschaft in den Achtzigern so fabriziert hat, durchgekaut.

Ein kurzes „Ah ja, ich erinnere mich“ vom Publikum, dann der nächste Song, denn das Stück heißt schließlich „Ich will Spaß“ und da steht natürlich alles, was gute Laune verbreitet, im Mittelpunkt. So wird also das Bild der 80er heute geprägt. Und da wir uns im Osten Deutschlands befinden, wird auch den Errungenschaften der Schlagerkultur der DDR genügend Platz eingeräumt.

Allerdings sollte man auch nicht mehr erwarten, als man ohnehin schon durch das gefühlte zwanzig Jahre anhaltende Revival der achtziger Jahre in diversen Shows der öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehsender serviert bekommt. Wer die Programme allerdings sehen möchte und nicht kann, weil die Fernbedienung verlegt wurde, dürfte an den Vorstellungen in der Halle 207 Gefallen finden. Fast täglich können diese noch bis zum 29. August besucht werden.