Neues Museum statt Heinkel-Mauer soll an historischen Ort erinnern

Eine Zweigstelle des Kulturhistorischen Museums soll Rostocks Wirtschafts- und Industriegeschichte auf dem Werftdreieck präsentieren

2. November 2017, von
Stelen, die an die Heinkel-Mauer erinnern - nach einem Entwurf des Architekturbüros Wimmer
Stelen, die an die Heinkel-Mauer erinnern - nach einem Entwurf des Architekturbüros Wimmer

Die Kröpeliner-Tor-Vorstadt bekommt ein Museum. Auf dem historischen Gelände des Werftdreiecks soll eine Zweigstelle des kulturhistorischen Museums entstehen, das sich mit der Industrie- und Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts beschäftigt. Wo genau ist noch unklar. Entweder in einem der neu entstehenden Gebäude auf dem Areal, das die Rostocker Wohnungsgesellschaft Wiro zu einem Wohnviertel entwickeln will, oder in der bisher ungenutzten oberen Etage der Schiffbauhalle. Bei der zweiten Variante müsste allerdings noch der Privateigentümer der Halle, in der sich unten mehrere Einkaufsmärkte befinden, überzeugt werden. Das teilte Amtsleiterin Dr. Michaela Selling gestern auf der Sitzung des KTV-Ortsbeirates mit.

„Als Kulturhistorisches Museum sehen wir es als ganz zentrale Aufgabe an, die gesamte Stadtgeschichte Rostocks abzubilden. Die Geschichte des 20. Jahrhunderts ist bisher in Dauer- und Sonderausstellungen nicht so stark abgebildet worden, wie wir es mit dem aktuellen Forschungsstand tun können“, ergänzt Museumsleiter Dr. Steffen Stuth. Etwa 190.000 Exponate schlummern ungesehen in den Depots. Dass sie nicht gezeigt werden, hängt nicht zuletzt auch mit den beschränkten Räumlichkeiten des Museums zusammen. Nun folgt das Museum mit Sitz im Kloster zum Heiligen Kreuz dem Gedanken der Dezentralisierung und zieht hinaus in einen anderen Stadtteil, in die KTV. „Wir wollen die gesamte Wirtschafts- und Industrie- sowie die damit verbundene Sozialgeschichte unserer Stadt im 20. Jahrhundert hier konzentrieren, weil wir glauben, dass die Verbindung eines Ausstellungskonzeptes mit einem historischen Ort zur Steigerung von Identität beitragen kann.“ Eine dokumentarische Ausstellung mit Seminaren und weiteren Bildungsangeboten soll hier entstehen. Noch in diesem Monat wird sich eine Arbeitsgruppe treffen, der auch externe Historiker angehören, die dann über mehrere Jahre hinweg ein endgültiges Konzept erarbeiten sollen.

Das Werftdreieck und die Neptunwerft sei eines der ersten Gewerbegebiete Rostocks gewesen. Schon im späten Mittelalter habe es hier am Krayengraben eine Mühle gegeben. Rostocks wirtschaftliche Entwicklung nahm seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts hier Fahrt auf. Um die Neptun Werft herum siedelten sich andere Unternehmen an. Zu den bekanntesten zählen die Heinkelwerke. Sie sind nicht nur aufgrund ihrer bahnbrechenden Innovationen im Flugzeugbau, sondern auch wegen ihrer Beschäftigung von Zwangsarbeitern in die Geschichte eingegangen. „Heinkel ist ein wichtiges Thema, aber nicht alles“, betont Denkmalpfleger Peter Writschan. Als weiteren nennt er den Pharmazeuten Friedrich Witte, der als erstes ein Pepsin-Präparat auf den Markt brachte und weltweit exportierte. Am Werftdreieck sei auch Rostocks erste Automeile mit vielen Tankstellen und einer Filiale von Mercedes Benz im Bauhausstil gewesen. „Vieles ist auch noch zu erforschen.“

Die Heinkel-Mauer kommt weg – Stelen sollen an die Heinkelwand erinnern

Das Konzept dürfte auch der Wiro entgegenkommen, die gerade überlegt, ob mit Schaukästen oder in einer anderen Form an die Geschichte des Ortes erinnert werden soll. Fest steht zumindest: Die Heinkel-Mauer wird noch in diesem, spätestens Anfang nächsten Jahres abgerissen. Die 80 Jahre alte rote Backsteinwand war einst Teil der Heinkelwerke und stand viele Jahre als einziges Überbleibsel der Industriegebäude auf dem Brachgelände. Die Mauer muss weg, weil sie als baufällig gilt und ihre Sanierung als zu teuer. 1,5 Millionen Euro würde der Bau kosten und 0,5 Millionen der Schienenersatzverkehr während der Bauphase, schätzt Wiro-Projektleiter Christian Jentzsch. Ortsbeiratsmitglied Alexander Ludwig kritisiert: „Wir haben in Rostock nicht viele alte Mauern. Grundsätzlich stört mich, dass die Rahmenbedingungen für den Erhalt der Mauer nie besser als jetzt gewesen sind. Ich finde es daher sinnvoll, wenn man damit etwas behutsamer umgeht. Für die Wiro wird das Werftdreieck sicher ein lukrativer Standort. Anders als Privatinvestoren ist sie nicht der Rendite verpflichtet.“

Zukünftig soll eine Reihe Stelen aus Stahl am Standort der Mauer an die alte Heinkel-Wand erinnern. Der Entwurf stammt vom österreichischen Architekturbüro Albert Wimmer, das auch schon den städtebaulichen Wettbewerb für das Werftdreieck gewonnen hatte. Eine halbe Million Euro soll die Realisierung kosten. Die charakteristischen roten Ziegelsteine sollen in der Gestaltung der neuen Wohnhäuser einfließen, so Christian Jentzsch.

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