Was wird aus dem Kran „Möwe“?

Ob der denkmalgeschützte Portalkran des Typs „Möwe“, der früher am Ausrüstungskai der Neptunwerft stand, jemals wiederaufgebaut wird, ist fraglich – vielleicht wird nur ein Teil ausgestellt

27. Mai 2021, von
Bis 2015 stand der Möwe-Kran am ehemaligen Ausrüstungskai der Neptunwerft (Foto: Archiv)
Bis 2015 stand der Möwe-Kran am ehemaligen Ausrüstungskai der Neptunwerft (Foto: Archiv)

Droht dem nächsten maritimen Denkmal in Rostock der Schneidbrenner? Letzte Woche hat die Bürgerschaft beschlossen, den Rumpf des Bäderschiffs „Undine“ zu verschrotten und nur einen kleinen Teil an Land auszustellen. Jetzt könnte dem Portalkran des Typs „Möwe“ das gleiche Schicksal bevorstehen.

Rostocks Stadtkonservator Peter Writschan stellte dem Ortsbeirat der Kröpeliner-Tor-Vorstadt (KTV) am Mittwochabend verschiedene Optionen vor.

Wiederaufbau des Krans zu teuer?

An seinen alten Standort kann der Kran auf absehbare Zeit nicht zurückkehren. Am ehemaligen Ausrüstungskai der Neptunwerft musste er abgebaut werden, weil der Untergrund für den rund 250 Tonnen schweren Riesen nicht mehr ausreichend tragfähig war. Daran wird sich vorläufig nichts ändern, für eine grundhafte Sanierung der Kaianlage fehlt das Geld.

Nach Rücksprache mit dem Hafen- und Seemannsamt könnte der Kran weiter östlich stehen, etwa auf Höhe Neptunallee/Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH).

Ob er jedoch tatsächlich neu aufgebaut wird, ist eine finanzielle Frage. 1,1 Millionen Euro brutto habe eine Kostenschätzung des Hafenamts für Konservierung und Wiederaufbau Ende 2020 ergeben und „nach dem Schicksal der Undine“ zeige sich, „dass für solche großen Vorhaben das Budget nur begrenzt ist“, so Writschan. „Das Teuerste ist hier, einen Untergrund zu schaffen – Fundamente, die bis zwei Millionen Euro kosten könnten.“

Die insgesamt mehr als drei Millionen Euro wären nur die reinen Kosten für eine Wiederaufstellung, so wie der Kran war. Eine Nutzung, wie etwa beim nahen Helling-Kran als Hochzeitssuite geplant, ist nicht möglich, dafür ist er zu klein, erläutert der Stadtkonservator.

Alternative Ideen für den Möwe-Kran

Aus diesen Gründen habe er sich alternative Möglichkeiten überlegt, doch „bei Kran Möwe sind wir wirklich erst in der Phase Ideenfindung“, stellt Writschan klar, bevor er seine Ideen skizziert.

Der Unterbau könnte als Landmarke aufgestellt werden, etwa am ehemaligen Werftbecken in Warnemünde. Statt Kranoberbau stellt sich der Stadtkonservator eine von innen beleuchtete Kugel mit Text vor, über die beispielsweise Schiffe zur Hanse Sail begrüßt werden könnten. „Eine verrückte Idee“, sagt Writschan selbst, „doch man muss erstmal frei denken“. Als Landmarke könnte der Kran auch im Buga-Bereich auf der ehemaligen Deponie stehen, allerdings hätte man dort wieder die hohen Fundamentkosten.

Bei einer weiteren Variante würde nur der große Ausleger ausgestellt. Er könnte als Katapult für das 1929 in den Heinkel Flugzeugwerken entwickelte Katapultflugzeug HE 12 dienen. Nach dem Abriss der Heinkel-Mauer sei in dem Wohngebiet am Werftdreieck ohnehin geplant, an die Technik und die düsteren Seiten der Heinkel-Werke zu erinnern, so Writschan.

Kranteile als Kletteranlage, die Kranführerkanzel als Kassenhäuschen oder die Inszenierung einzelner Teile als Skulptur schlug der Stadtkonservator als weitere Ideen vor.

„Schwierig“ fand Felix Winter die Vorstellung einer beleuchteten Kugel, da „wir genug hell erleuchtete Dinge in Rostock haben“. „Ich kann aber gut verstehen, dass wir wahrscheinlich in Rostock in den nächsten Jahren nicht das Geld haben, um für zwei Millionen einen Untergrund herzustellen“, sagte der Ortsbeiratsvorsitzende. Besser kam bei ihm die Idee an, einzelne Stücke auszustellen, die einen Eindruck von der Größe des Krans vermitteln könnten.

Bevor eine Entscheidung ansteht, sollen die verschiedenen Varianten noch in anderen Ortsbeiräten vorgestellt und ein „Stimmungsbild gesammelt“ werden, so Writschan. Anschließend könnten die bevorzugten Varianten mit Kosten untersetzt werden. Letztlich sei die Zukunft der „Möwe“ jedoch – wie bei der Undine – eine politische Entscheidung.

Technisches Denkmal aus DDR-Zeiten

Anfang der 1970er Jahre wurde der Portalkran, der Lasten bis zu 20 Tonnen heben konnte, am Ausrüstungskai der Neptunwerft aufgestellt. Gebaut wurde er im VEB Kranbau Eberswalde, der zum Kombinat TAKRAF (Tagebau-Ausrüstungen, Krane und Förderanlagen) gehörte.

Beim Erwerb von Flächen der ehemaligen Neptunwerft ging die „Möwe“ 2001 in das Eigentum der Wohnen in Rostock Wohnungsgesellschaft mbH (Wiro) über. Nachdem der Untergrund nicht mehr tragfähig und die Standsicherheit gefährdet war, wurde der Kran Anfang 2015 abgebaut.

2018 ging der Kran nach einem Bürgerschaftsbeschluss in den Besitz der Stadt über. Die Wiro hat der Stadt zusätzlich eine Million Euro für die Rekonstruktion gezahlt. Zur Sanierung der Kaioberflächen wurden die Kranteile Anfang 2020 in den Fischereihafen verlagert.

Seit 2004 steht der Kran auf der Denkmalliste der Hansestadt.

Schlagwörter: Denkmalschutz (37)Kran (9)Stadthafen (305)Werftdreieck (14)WIRO (66)

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2 Kommentare

  • Maik sagt:

    Diese Stadt ist schon ein (trauriger) Lacher geworden.

    „Für eine grundhafte Sanierung der Kaianlage fehlt das Geld“, aber es werden mindestens 32 Millionen für eine BUGA und eine überflüssige Warnowbrücke rausgeworfen, die kaum jemand haben will und für die ganz nebenbei ein paar tausen Kleingärten vernichtet werden, die funktionsfähige Kreuzung Am Grünen Tor wird für mindestens €800.000 umgebaut, aber für Sanierungen fehlt in dieser Stadt das Geld? Seltsame Prioritäten.

  • Maik sagt:

    Sorry, mein Fehler, es sind natürlich nicht 32.000.000€ sondern mindestens 142.000.000€ die für die BUGA rausgeworfen werden.
    Quelle: https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Rostock-Buergerschaft-entscheidet-sich-fuer-die-BUGA-2025-,buga304.html

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