Eröffnung der Arkadischen Botschaft in der Kunsthalle

Mit einer Performance und Fotografien will Peter Kees Anstöße geben, den Sehnsuchtsort Arkadien aufzuspüren

16. Juli 2011, von
Arkadische Botschaft in der Kunsthalle Rostock
Arkadische Botschaft in der Kunsthalle Rostock

Arkadien – Wunschbild einer glücklichen Existenz und friedlichen Gemeinschaft im Einklang mit der Natur, frei von mühsamer Arbeit. Seit Tausenden von Jahren schwärmen Dichter, Maler und Musiker von diesem paradiesischen Sehnsuchtsort.

Wer wäre nicht gern dort?

Für uns Rostocker wird das zukünftig wohl etwas leichter. Denn seit gestern gibt es in unserer Hansestadt eine Arkadische Repräsentanz. Hier können Lebenslustige ein Visum erhalten und Glücklose, Sinnsucher, Utopisten, Träumer und eiskalte Realisten Asyl beantragen, umreißt Seine Exzellenz Peter Kees das Angebot der neuen Einrichtung, die gestern in der Kunsthalle mit einem Festakt eröffnet wurde.

Empfang des Arkadischen Botschafters Peter Kees
Empfang des Arkadischen Botschafters Peter Kees

Aber wohin geht die Reise mit Arkadia Tours und Arkadia Airlines? Auf die griechische Halbinsel, wo schon im Altertum der Legende nach das „Goldene Zeitalter“ angebrochen war?

„Arkadien ist mehr als ein poetischer Gegenentwurf. Arkadien ist konkret, real, in uns allen und überall“, lautet die Antwort von Peter Kees. Wie real es ist, das will der Konzeptkünstler mit konkreten Insignien wie Nationalhymne und Staatsflagge verdeutlichen.

Um die Grenzen zwischen Imaginärem und Realem zu überwinden, inszeniert er einen protokollarisch genauen Empfang des Arkadischen Botschafters mit Polizeieskorte, schwarzen Limousinen, rotem Teppich und Sektempfang für die erlesenen Gäste.

Peter Kees und Roland Methling
Peter Kees und Roland Methling

Einen Eindruck von der pastoralen Idylle Arkadiens vermitteln fünf friedlich auf der Wiese vor der Kunsthalle weidende Kamerunschafe (die ansonsten im Rostocker Zoo leben).

Aufmerksam beobachtende und sich geschwind bewegende Journalisten scheinen mit ihren Kameras und Blitzlichtern die Bedeutung des Ereignisses in die Höhe zu treiben.

Aber nicht nur sie werden Teil der Performance des Konzeptkünstlers Peter Kees. Auch alle anderen Anwesenden spielen ihre Rolle brav und vergnügt mit. So auch der Oberbürgermeister Roland Methling in seiner Festrede. Darin wies er nicht nur auf die arkadischen Verhältnisse im Rathaus. „Rostock macht sich auch für das musische Leben stark. Wir leisten uns eine Kunsthalle und ein Vierspartentheater“, betonte das Stadtoberhaupt.

Alexander Ludwig und Udo Nagel während der Arkadischen Nationalhymne
Alexander Ludwig und Udo Nagel während der Arkadischen Nationalhymne

Ist Arkadien also in Rostock angekommen?

Dem widerspricht Alexander Ludwig, Vorsitzender des Kunsthallenfördervereins. Zu seiner Ernennung zum Konsul Arkadiens sagt er: „Ich bin sehr gespannt, wie viele Rostocker in der Arkadischen Botschaft Asyl beantragen werden.“

Unterstützung erfährt die Rostocker Repräsentanz auch durch Zoodirektor Udo Nagel, der zum Gesandten ernannt wurde.

In der Kunsthalle werden Anträge für Visa und Asyl in Arkadien ausgestellt
In der Kunsthalle werden Anträge für Visa und Asyl in Arkadien ausgestellt

Seine Frau Ieva Nagel war die Erste, die ein Antragsformular ausfüllen durfte. Am Eröffnungstag übrigens noch zu einem Sonderpreis. Die Einnahmen sollen, so Kees, auch der Kultur in Rostock zugutekommen.

Und was erhofft sich die Antragstellerin vom Land der Wünsche und Träume? „Einklang mit der Natur und der Familie und 50 Prozent weniger Arbeit“, schmunzelt sie.

Neun großformatige Fotografien von Peter Kees aus der Serie „Am schönsten ist es, wenn es schön ist … Unterwegs Richtung Paradies“ sollen weitere Denkanstöße geben. Sie zeigen Straßen und Wege, die ins große schwarze Nichts führen. Noch bis zum 21. August kann die Ausstellung in der Kunsthalle besichtigt werden.

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1 Kommentar

  • Richard sagt:

    Seit 1991 gibt es den Staat NSK (Neue Slowenische Kunst). Dem Kunstkollektiv aus Slowenien gehört unter anderem auch die bekannte Band Laibach an. Der Staat vergibt Ausweispapiere, Ausstellungsräume wurden als „Botschaften“ deklariert oder sogar als Territorium des NSK-Staates. Der Staat unterhält zahlreiche Konsulate und Botschaften in Europa und Übersee. Aktuelle Aktivitäten des Künstlerkollektivs unter: http://www.nskstate.com/
    Peter Kees tingelt mit Arkadien erst seit 2006 durch unsere reale Republik.
    Die Rostocker Präsentationsvariante (Botschaftseröffnung & Reisedokumentenvergabe), die den Hauptteil seiner Ausstellung ausmachte, ist nicht Ursprung seiner Hirnwindungen.Hier stellt sich die Frage:War NSK die Muse von Peter Kees?

    Ich habe mir die Ausstellungseröffnung angeschaut und mein Fazit lautet: PEINLICH! Herr Kees verwechselt Gespreiztheiten mit Konzeptkunst. Einfach ohne profunden Inhalt,Imitationen von Vorhandenen und eigenen Eitelkeiten dienend.
    Nicht wirklich enttäuscht bin ich über den großen Zuspruch der Medien. Flache Inhalte mit Klitzerbildern … ja das scheint den Lokalredakteur zu beglücken.
    Wirklich enttäuscht bin ich über die Verschwendung von Geldern (Rathaus,Polizei,Zoo, Autohaus, Wachschutz, etc.). Dabei gibt es so viele kulturelle Kleinode in Rostock, die finanziell am Tropf hängen. Ich bin Pro Kunsthalle, aber das war unterste Schublade Herr Neumann, Herr Methling, Herr Nagel, Herr Ludwig!

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