In Principio – im Anfang

Konzerte, Vorträge und eine Kunstausstellung geben Anregungen über Anfänge nachzudenken

24. Oktober 2013, von
In Principio: Eckart Reinmuth und Ulrich Ptak
In Principio: Eckart Reinmuth und Ulrich Ptak

Im Obergeschoss der Kunsthalle ist zurzeit eine Großbaustelle. Wände werden eingezogen, Bänke gebaut. Zehn Mediationsräume entstehen hier für die neue Ausstellung, die am nächsten Wochenende eröffnet wird. Für „In Principio I“ ist es dem Kurator Dr. Ulrich Ptak gelungen, Leihgaben namhafter Künstler wie Andy Warhol, Anselm Kiefer, Joseph Beuys oder Louise Bourgeois an den Schwanenteich zu holen. Aber auch unbekannte Künstler und drei Videokünstler vervollständigen die Ausstellung, die sich sehr offen mit dem Thema „Anfang“ beschäftigt. Auch in „In Principio II“, dem zweiten Teil der Ausstellung, zeigt die Kunsthalle mit Marc Chagall einen ausgesprochenen Publikumsliebling. In seinen Radierungen und Lithografien zur Bibel (Dessins pour La Bible) widmet er sich auf sehr heitere und leichte Weise der Schöpfungsgeschichte.

Die Ausstellungen „In Principio“ in der Kunsthalle sind Teil der gleichnamigen Veranstaltungsreihe. Initiiert wurde sie maßgeblich vom Institut für Text und Kultur der Universität Rostock. Unterstützt wird es dabei neben der Kunsthalle unter anderem von der St.-Johannis-Kantorei unter der Leitung von Markus Johannes Langer und dem Volkstheater Rostock mit der Norddeutschen Philharmonie Rostock.

„In Principio“ will sich mit der Frage beschäftigen, was es bedeutet, mit Anfängen zu leben. Gemeint ist dabei die Entstehung der Welt und des Seins im Großen wie auch im Kleinen, beispielsweise bei neuen geschichtlichen Epochen oder individuellen Lebensanfängen wie der Geburt eines Kindes oder dem Beginn einer Liebe.

„Die Bibel hat eine Generalantwort, die manchmal auf große Verständnisprobleme stößt, nämlich die Schöpfungsgeschichte am Anfang. Bisher ist es oft so gewesen, dass es so eine verbiesterte apologetische Konstellation gab: hier die Naturwissenschaften – das ist das, was nachgewiesen ist und sowieso stimmt, weil es Wissenschaft ist – und hier der Mythos der Schöpfungserzählung“, erklärt Initiator Professor Dr. Eckart Reinmuth und weist kreationistische Auffassungen weit von sich.

„Worum es uns geht, wäre einmal besser ins Gespräch zu kommen und darüber nachzudenken, was tun eigentlich Naturwissenschaften, wenn sie so ein Stichwort wie Urknall kommunizieren. Ist es nicht eigentlich eine Metapher? Was tun eigentlich Theologen, wenn sie von Schöpfung reden? Ist es nicht ebenfalls eine Metapher? Da ist jemand, der schafft etwas, ein Schaffensprozess. Müsste man nicht vielmehr sagen: Ja, wir leben in unserer Gesellschaft mit verschiedenen Bildern des Anfangs“, umreißt der Theologe die Idee des Projektes.

Anhand von drei Vorträgen sollen drei ausgewählte Aspekte des Themas „In Principio“ beleuchtet werden. Dafür konnten der Philosoph Volker Gerhardt, der Physiker und Theologe Thorsten Moos sowie der Chirurg und Psychotherapeut Marco de Carvalho gewonnen werden.

Wesentlicher Bestandteil der Veranstaltungsreihe sind darüber hinaus die Konzerte. Neben Stücken von Joseph Haydn und Arvo Pärt wird es zwei Uraufführungen geben. „Der Anfang. Drei Stimmen nach Matthäus“ mit Musik des Rostocker Kirchenmusikers Karl Scharnweber und Texten von Eckart Reinmuth sowie die Auftragskomposition von Harald Weiss „In Principio“ werden uraufgeführt.

In Principio ist nicht die erste Zusammenarbeit zwischen Theologischer Fakultät und St.-Johannes-Kantorei. Bereits im Herbst 2011 sorgte die Veranstaltungsreihe „Credo“ für große Aufmerksamkeit. Sowohl die Konzerte und Vorträge als auch die Kunsthallenausstellung mit Werken von namenhaften Künstlern wie Georg Baselitz, Gotthard Graubner, Gerhard Richter und Günther Uecker stieß auf großen Zuspruch, der selbst die Organisatoren überraschte.

„Das passiert in der Stadt nicht sooft, dass man sich gemeinschaftlich zu einem komplexen Thema findet“, freut sich Kunsthallenleiter Dr. Jörg-Uwe Neumann.

Weblink zum Programm

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