Alkoholmissbrauch - Begleiterscheinung der Kriminalität

Zahl der registrierten Straftaten sinkt, Anzahl der unter Alkoholeinfluss begangenen Straftaten bleibt seit Jahren hoch

16. März 2012
Anzahl der unter Alkoholeinfluss begangenen Straftaten bleibt hoch - Statistik des Polizeipräsidiums Rostock
Anzahl der unter Alkoholeinfluss begangenen Straftaten bleibt hoch - Statistik des Polizeipräsidiums Rostock

Während im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Rostock die Zahl der registrierten Straftaten jährlich sinkt, bleibt die Anzahl der unter Alkoholeinfluss begangenen Straftaten, insbesondere bei den Gewaltstraftaten, seit Jahren hoch. Prozentual wächst damit der Anteil der alkoholbedingten Straftaten stetig an.Besonders bedenklich ist, dass Alkoholkonsum immer wieder den Ausganspunkt von Straftaten bildet und bei einigen Straftatengruppen durchaus auch als Begleiterscheinung genannt werden kann.

In vielen Bereichen der Kriminalität, und nicht nur bei der Bearbeitung von Unfällen im Straßenverkehr, wird deutlich, dass Alkoholmissbrauch zu einem der größten gesellschaftlichen Probleme in Deutschland und insbesondere in Mecklenburg – Vorpommern gehört. Alkohol im Straßenverkehr ist nach wie vor eine der Hauptunfallursachen. Allein im Bereich des Polizeipräsidiums Rostock stieg die Anzahl der Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss von 582 im Jahr 2010 auf 671 im Jahr 2011 – ein Anstieg von mehr als 15 Prozent innerhalb eines Jahres!

Oft werden Straftaten wie Körperverletzungen, Bedrohungen, Raub, Erpressungen, Nötigungen, aber auch besonders Gewalt in der Familie und Delikte der Straßenkriminalität im Alkoholrausch begangen.

Promillewerte von über 2,0 sind keine Seltenheit und neben erwachsenen Tatverdächtigen, deren Alkoholabhängigkeit sich offensichtlich bereits über Jahre entwickelt hat, stellte die Polizei auch immer wieder Jugendliche fest, die zum Tatzeitpunkt nicht unerheblich alkoholisiert waren.

Besonders hoch ist der Anteil der alkoholisierten Tatverdächtigen in der Straftatengruppe „Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit“. Er lag hier bereits im Jahr 2008 im Bereich des Polizeipräsidiums Rostock bei 26,3 %. Er stieg im Berichtsjahr 2011 auf 29,0 %.

Innerhalb dieser Hauptgruppe der Polizeilichen Kriminalstatistik wird das Problem des Alkoholmissbrauchs besonders bei Körperverletzungen, Raubdelikten und Fällen Häuslicher Gewalt deutlich.

Jede dritte Körperverletzung wird unter Alkoholeinfluss begangen!

Von den im Polizeipräsidium Rostock ermittelten 4.882 Tatverdächtigen zu Körperverletzungen standen 1.658 bei Tatausführung unter Alkoholeinfluss.

Dies entspricht einem Anteil von 34,0 %.Ein Vergleich mit den Vorjahren bestätigt diese Tendenz.

Jahr 2008 2009 2010 2011
Körperverletzungen 6.179 5.704 5.736 5.640
ermittelte Tatverdächtige 5.447 4.874 5.035 4.882
davon unter Alkohol 1.673 1.709 1.720 1.658
in % 30,7 35,1 34,2 34,0

Sehr oft wird die Wirkung von Alkohol, und besonders die mit dem Verlust der Selbstkontrolle einhergehende Aggressionsneigung, unterschätzt. Die bei alkoholisierten Tätern vorhandene Rücksichtlosigkeit schlägt schnell in Brutalität um. Sie richtet sich dann vor allem gegen Schwächere – in Gaststätten, in Bussen und Bahnen, auf der Straße und nicht zuletzt in den Familien.

Die Zahlen der polizeilichen Einsätze und der Straftaten, die im Zusammenhang mit Häuslicher Gewalt registriert wurden, verdeutlichen auf besonders drastische Weise den Alkoholmissbrauch im familiären Umfeld.

Jahr 2008 2009 2010 2011
Fälle Häuslicher Gewalt 735 803 684 649
Alkohol Verursacher/in 393 335 314 272
% Anteil Alkohol gesamt 53,5 41,7 45.9 41,9

Bei den Raubstraftaten ist der Anteil der unter Alkoholeinfluss stehenden Tatverdächtigen ebenfalls hoch. Er lag im Jahr 2011 bei 37,8 % und stieg damit zum Vorjahr um 3,5 %.

Jahr 2008 2009 2010 2011
Raubdelikte 795 623 547 531
ermittelte Tatverdächtige 585 502 400 418
davon unter Alkohol 208 181 137 158
in % 35,6 36,1 34,3 37,8

Gerade bei Bearbeitung von Raubdelikten stellt die Polizei des Öfteren fest, dass auch die Täter alkoholisierte oder zumindest in ihrer Wahrnehmung beeinträchtigte Raubopfer aussuchen. Aus Sicht der potentiellen Täter verringert sich bei der Auswahl eines unter Alkohol stehenden Opfers das eigene Strafverfolgungsrisiko nicht unerheblich.

Da Tatverdächtige in vielen Fällen erst nach Tagen durch die Arbeit der Kriminalpolizei ermittelt werden und gerade Körperverletzungen oft im sozialen Nahbereich stattfinden, muss davon ausgegangen werden, dass die Dunkelziffer der zum Tatzeitpunkt alkoholisierten Täter weitaus höher ist.

Seit Jahren engagiert sich die Polizei gemeinsam mit verschiedenen gesellschaftlichen Einrichtungen und Bereichen, um mit Präventionsprojekten sowie der Teilnahme an Veranstaltungen und Aktionstagen dieser Entwicklung entgegen zu wirken und den Alkoholmissbrauch zu verhindern. In Auswertung der vorliegenden Fakten der Polizeiliche Kriminalstatistik warnt der Präsident des Polizeipräsidiums Rostock, Thomas Laum: „Auch wenn gemäßigter Alkoholgenuss offensichtlich in unserem Kulturkreis allgegenwärtig zu sein scheint, ist die Entwicklung der Folgen des Alkoholmissbrauchs mehr als besorgniserregend!“ „Da vor allem junge Menschen, zunehmend auch Jugendliche und sogar Minderjährige missbräuchlich mit Alkohol umgehen, sollte die Ächtung des Alkoholmissbrauchs unsere gesamtgesellschaftliche Aufgabe sein“, betonte Thomas Laum in einem Fazit.

Quelle: Polizeipräsidium Rostock

Schlagwörter: Alkohol (288)Körperverletzung (245)Polizei (3858)Raub (366)

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