Uraufführung von „True Men“ in der Bühne 602

Theater am Ring taucht mit „True Men“ in die Welt der Kunst ab

12. November 2011, von
Daniel Kösling, Erik Malter, Frank Melz, Thomas Linke und David Hartwich
Daniel Kösling, Erik Malter, Frank Melz, Thomas Linke und David Hartwich

„Die Pfosten sind, die Bretter aufgeschlagen, und jedermann erwartet sich ein Fest.“ Es war Goethe, der im Prolog vom Faust die Erwartungshaltung des Publikums bei einem Theaterbesuch treffend auf den Punkt brachte. Es ist zu einem kleinen Ritual geworden, dass Torsten Malter die Zuschauer vor Vorstellungen des Theaters am Ring mit diesem Zitat begrüßt. So auch gestern bei der Uraufführung des neuen Stückes „True Men“ in der Bühne 602.

1989 gründete der Lehrer das Schultheater. Inzwischen hat sich die Gruppe immer weiterentwickelt, sodass sie als eigenständiges Ensemble einen festen Platz im Kulturbetrieb der Stadt hat. Über 40 Stücke wurden schon inszeniert, darunter Adaptionen von Klassikern wie „Hamlet“, „Die Räuber“ oder „Sommernachtstraum“, aber auch eigene Stücke wie „Laugh Boat“ oder „Das Gespenst von Windermere.“ Auch „True Men“ ist wieder ein eigener Stoff von Uwe Grün, dem Hausautor der Gruppe.

Uraufführung von "True Men" in der Bühne 602
Uraufführung von "True Men" in der Bühne 602

Es ist Revolution. Mülltonnen brennen, Barrikaden, Tumult. Und mittendrin, in der nicht näher genannten Stadt ist ein altes Theater, das einer kleinen Gruppe von Menschen als Rückzugsort dient. Die True Men flüchten sich in eine Welt, in der Kunst und Liebe die beherrschenden Themen sind. Da sind zum Beispiel Filmemacher Kino (gespielt von Daniel Kösling), Radiosprecher Buzz (Frank Melz), Maler Schmuggel (Erik Malter) und auch das Mädchen (Wencke Piske), die Muse.

David Hartwich, Wencke Piske und Frank Melz
David Hartwich, Wencke Piske und Frank Melz

Sie ist es auch, die den Fremden (Thomas Linke) mitbringt und so das Gleichgewicht in der Kommune bedroht. Auch er ist Künstler, Schreiber und doch haben die True Men und er verschiedene Ansichten. Als er sich auch noch in das Mädchen verliebt, ist alles in Gefahr, denn die Schneekönigin (Ulrike Stolle) bedroht das künstlerische Refugium. Die Realität von draußen bricht immer mehr herein, denn „Kunst, meine Freunde, ist nie frei.“

„True Men“ ist ein anspruchsvolles Stück. Es wird weniger eine Geschichte erzählt, sondern viel eher eine Stimmung. Momente zwischen Kunst und Realität, der Wunsch in eine Welt zu fliehen, die nur schwer zu erhalten ist. So braucht es auch nach der Vorführung eine ganze Weile, bis man das Gesehene verarbeitet und im Kopf zusammengepuzzelt hat.

Daniel Kösling, Frank Melz, David Hartwich, Birk Hannemann und Ann Haller
Daniel Kösling, Frank Melz, David Hartwich, Birk Hannemann und Ann Haller

Schauspielerisch lieferte das Ensemble wieder eine tolle Leistung ab. Sechs Wochen wurde geprobt, neben Uni, Job und anderen Verpflichtungen, sodass die Qualität der Darstellung nicht genug gewürdigt werden kann.

Und auch die Atmosphäre ist durch die Inszenierung und ein glaubwürdiges Bühnenbild perfekt eingefangen worden. Man spürt die allgegenwärtige Bedrohung und die Sehnsucht der Figuren.

Das Theater am Ring bei der Premiere von "True Men"
Das Theater am Ring bei der Premiere von "True Men"

Auch die Vielfältigkeit innerhalb des Werkes ist enorm. In das Stück eingeflochten sind verschiedene Schauspielepisoden, Gedichte von Ensemblemitglied Susanne Räsch, Lieder und Tänze. Für die musikalische Untermalung sorgte Erik Malter, ebenfalls Schauspieler. So wurde nicht nur gespielt, sondern auch getanzt, „performed“, geliebt und live auf der Bühne Kunst fabriziert, was die Zuschauer mit viel Applaus quittierten.

Frank Melz, Erik Malter und Thomas Linke
Frank Melz, Erik Malter und Thomas Linke

Das Stück feiert am 28. November noch einmal Premiere. Durch die kleinere Anzahl an Rollen wurden seit langer Zeit mal wieder zwei Besetzungen zusammengestellt. „Ich finde das gut, so kann man wenigstens mal wieder ein Stück als Zuschauer genießen“, erzählt Schauspieler Thomas Linke. Und auch für das Publikum lohnt sich ein zweiter Besuch, um die gesamte Bandbreite des Stoffes richtig zu verarbeiten.

Neben „True Men“ in beiden Besetzungen, das abwechselnd in der Bühne 602 und der Aula des Erasmusgymnasiums zur Aufführung kommt, wird im Januar auch der Sommernachtstraum wieder gespielt. Am 19. Januar 2012 findet außerdem eine weitere besondere Premiere statt. Thomas Linke und Erik Malter haben den Text, mit dem sie im letzten Jahr den Poetry Slam der Kulturwoche gewannen, zu einem gespielten Lesestück erweitert. Man darf also noch viel vom Theater am Ring erwarten.

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