Jerome Robbins „West Side Story“ in der Halle 207

Rauschende Premiere des beliebten Broadway-Musicals am Volkstheater Rostock

11. Juli 2011, von
Die Shark Girls in der "West Side Story" im Volkstheater Rostock
Die Shark Girls in der "West Side Story" im Volkstheater Rostock

Eine rauschende Premiere feierte das Musical West Side Story am Wochenende in der Halle 207. Rauschend nicht nur, weil die Darbietung der Künstler auf der Bühne großen Beifall im ausverkauften Haus erhielt. Mischte sich der aufs Dach prasselnde Regen doch zeitweise überraschend laut unter die ansonsten so schönen Klänge in der wegen ihrer sehr guten Akustik in Fachkreisen hochgelobten ehemaligen Schiffbauhalle.

Und so machte der leichte Sprühnebel, der sich kurzzeitig vor den Scheinwerfern abzeichnete, unweigerlich auf die prekäre Situation im Volkstheater Rostock aufmerksam.

Zu Beginn des zweiten Teils reagierte Peter Leonard, Intendant und musikalischer Leiter des Abends, unerwartet auf jüngst wieder laut gewordene Wortmeldungen von Politikern, die aus Kostengründen ein Bespieltheater für Rostock forderten. „Nur mit einem Mehrspartentheater kann man so etwas bieten“, wandte sich Leonard an das Theaterpublikum.

Und in dieser Sommersaison bietet es „West Side Story“, eines der erfolgreichsten Broadwaymusicals nach einem Buch von Arthur Laurents und Texten von Stephen Sondheim. Die Uraufführung 1957 wurde von Ideengeber Jerome Robbins selbst inszeniert und choreografiert.

Michael Starkl und Gerd Achilles in der "West Side Story"
Michael Starkl und Gerd Achilles in der "West Side Story"

Seither begeistert die tragische Liebesgeschichte von Tony und Maria, eine Romeo-und-Julia-Adaption, weltweit.

Nicht zuletzt dank der mitreißenden Musik von Leonard Bernstein, dessen „Maria“ oder „Tonight“ zu Hits geworden sind. Eine sichere Nummer also für den aus den USA kommenden Intendanten Peter Leonard, der den Taktstock für die Norddeutsche Philharmonie führte. Die musizierte gewohnt sauber. Ein wenig zu sauber und zurückhaltend vielleicht. Wünschte man sich an einigen Stellen doch etwas mehr von der originellen Verve der Bernstein-Musik, die mit heißen Jazznummern und lateinamerikanischer Tanzmusik, zarten Romanzen und orchestraler Wucht eine große Vielfalt zu bieten hat.

Passend dazu die Choreografie, die von Bronislav Roznos und Katja Taranu mit dem Tanztheater einstudiert wurde und mit der elektrisierenden Vorlage durch rasante Schritte und kraftvollen Ausdruck fast mithalten kann.

Franziska Kuropka und Evmorfia Metaxaki
Franziska Kuropka und Evmorfia Metaxaki

Unterstützt werden die Darsteller von Sängern des Opernchors. Die Hauptrollen verkörpern Musical erfahrene Gastsänger und Schauspieler.

Sie bewegen sich in einem effizient gestalteten Bühnenbild von Andrea Eisensee. Dabei konnte sie sich auf den alten Industrie-Charme der Halle verlassen. Mit nur wenigen Lichteffekten und Requisiten werden die Schauplätze der Arbeiterviertel im New York der 50er Jahre nachgestellt. Einem Maschendrahtzaun kommt darin eine entscheidende Funktion auf der Bühne zu. Er trennt nicht nur das Orchester im Hintergrund von der Spielszene, sondern verstärkt auch das Gefühl des Eingesperrtseins.

Denn auch die Figuren des Stückes sind als Mitglieder zweier Jugendbanden Gefangene ihrer Lebensumstände. Auf der einen Seite die Jets, in Amerika geborene Jugendliche, die ihre Straßen gegen die Sharks, aus Puerto Rico stammende Neuankömmlinge, auf der anderen Seite verteidigen.

Alen Hodzovic und Evmorfia Metaxaki als Tony und Maria
Alen Hodzovic und Evmorfia Metaxaki als Tony und Maria

Aus dem von Vorurteilen und Gewalt beherrschten Milieu erwächst die tragische Liebe von All-American-Boy Tony von den Jets (sehr sympathisch gesungen von Alen Hodzovic) und der schönen Einwanderin Maria, die Schwester des Sharkanführers (Gerd Achilles). Die griechische Sopranistin Evmorfia Metaxaki hat die Rolle der Maria übernommen und sticht mit ihrem klassischen Gesang hervor. Eindrucksvoll die Darbietung von Franziska Kuropka als Anita, eine der interessantesten Figuren des Stückes.

Höhepunkte der Inszenierung war neben der energiegeladenen Lobeshymne „America“, vor allem die Jets-Nummer „Gee, Officer Krupke“, in der der Spaß der Darsteller unübersehbar war. Für Lacher sorgte auch die kleine Plumpsack-Szene, eine der wenigen Abweichungen in der Inszenierung von Babette Bartz, die sich ansonsten sehr eng an die originale Bühnenfassung hielt.

Die nächste Vorstellung am 13. Juli ist bereits ausverkauft. Karten gibt es aber noch für neun weitere Aufführungen der „West Side Story“, die bis zum 30. Juli in der Halle 207 gezeigt werden. Für die Sommerspielzeit 2012 sind weitere geplant.

Fotos: Dorit Gätjen, VTR

Schlagwörter: Halle 207 (18)Musical (19)Peter Leonard (14)Sommerfestival (8)Volkstheater (243)

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5 Kommentare

  • peter sagt:

    Was für ein (entfernt) titel. nur weil die idee für das stück kann man das musical nicht als robbins west side story bezeichnen…

  • peter sagt:

    warum wird das wort „(entfernt)“ entfernt. Ein Kommentar darf doch wohl auch eine negative Bewertung enthalten?!

  • Olaf sagt:

    Beschwerden nimmt unser automatischer Wortfilter entgegen. Momentan danke ich ihm, dass er hier ein gewisses Grundniveau an Sachlichkeit bewahrt – Thema erledigt, danke.

  • Aivars sagt:

    Rostock ist kein NEW YORK = das ist wohl klar!
    Und trotzdem freut mich, dass bei uns im Norden so ein schönes Stück aufgeführt wird!!!
    Es ist eben eine andere Vorstellung als mancher meint zu sehen wollen…

    Ich bin begeistert über die darstellerische Vielfalt trotz aller Umstände…
    Zum ersten Mal auf der Bühne kann ich GLAUBHAFT(!) verfolgen die Entstehung der Liebe zwischen zwei Menschen (echt!).

    Rostocks WESTSIDE STORY ein Mal anders als wo anders = also kommt und schaut es Euch selber an!

  • Peter Silie sagt:

    Fokko :-)

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