Missstände rund um den ehemaligen Güterbahnhof sollen weg

Einwohnerversammlung zu Beginn der Städtebaulichen Rahmenplanung im Sanierungserweiterungsgebiet „Ehemaliger Güterbahnhof“

20. März 2015, von
Lageplan des Ehemaligen Gueterbahnhof (Quelle: Hansestadt Rostock)
Lageplan des Ehemaligen Gueterbahnhof (Quelle: Hansestadt Rostock)

Die OZ abreißen und das Theater dorthin bauen, ein bisschen Grünfläche dazu – da war er wieder der leicht provokante Vorschlag, der immer mal wieder bei Diskussionen um die Stadtplanung vom Volksmund hervorgebracht wird. Gestern Abend ging es vorrangig jedoch nicht um die Standortdebatte für einen Theaterneubau, sondern um die weitere Entwicklung im Bereich des ehemaligen Güterbahnhofes südlich der Rostocker Altstadt. Um Anregungen und Ideen für einen Rahmenplan, der in den nächsten zehn Jahren umgesetzt werden soll, zu sammeln, lud die Stadtverwaltung die Einwohner zu einer Versammlung ein. Der Zuspruch war so groß, dass sogar kleine Kinderstühle in die Kantine der Jenaplanschule gequetscht wurden. Doch die Einwohner hielt es nicht lange auf ihren Plätzen. In drei Workshops diskutierten sie Mängel und Ideen, die Ansätze für die weitere Gestaltung ihres Wohnquartiers lieferten.

Bürgerbeteiligung zum Anfang der Rahmenplanentwiclung für das Sanierungsgebiet Ehemaliger Güterbahnhof
Bürgerbeteiligung zum Anfang der Rahmenplanentwiclung für das Sanierungsgebiet Ehemaliger Güterbahnhof

Schon vor einigen Jahren wurde in einem Untersuchungsbericht eine Reihe von Defiziten festgestellt. Daraufhin fasste die Rostocker Bürgerschaft einen Satzungsbeschluss, um die einzelnen, aber oftmals zusammenhängenden Missstände in einer zeitlich überschaubaren Gesamtmaßnahme zu beseitigen.

Das Gebiet wurde dafür in fünf Quartiere aufgeteilt: die Neue Bleicherstraße und das Elektrizitätswerk östlich des ehemaligen Güterbahnhofs und die Polizeidirektion, Lindenstraße und Ostsee-Zeitung auf der Westseite.

Einwohner diskutieren bei einem Workshop zur Sanierungsplanung des Gebietes ehemaliger Güterbahnhof
Einwohner diskutieren bei einem Workshop zur Sanierungsplanung des Gebietes ehemaliger Güterbahnhof

Ruinöse Industriebauten und leerstehende Gebäude in der ansonsten bereits gut sanierten und neugebauten Wohngegend wurden ebenso als Schattenseiten ausgemacht, wie die Parkplatznot und die Verkehrssicherheit insbesondere in den Bereichen der Schule und der Kindertagesstätte.

Vor allem die Lindenstraße direkt zwischen Ostsee-Zeitung auf der einen und Jenaplanschule und Bank auf der anderen Seite stellte sich für viele Einwohner als optimierungsbedürftig dar. Vorgeschlagen wurden ein Wendehammer und eine Treppe am Ende zur Bahnhofstraße. Die Bahnhofstraße an der steilen Böschung ist sowieso ein unwirtlicher Raum, waren sich gleich mehrere einig. Verkehrsberuhigung, ein Café oder eine Vinothek könnten diese Gegend attraktiver machen. Befürchtet wird, dass die Straße als Abkürzung benutzt wird und somit zur Belastung wird. Eine Umgehungsstraße wurde daher gefordert und dabei kritisiert, warum eine solche Verkehrsführung nicht bei der Umwandlung des Areals des ehemaligen Güterbahnhofs zu einem Wohnquartier ausreichend berücksichtigt wurde.

Bahnhofstraße in Rostock
Bahnhofstraße in Rostock

Zu verschiedenen Ideen inspirierten auch die Freiflächen. An der Grünfläche mit zwei denkmalgeschützten Bäumen hinter dem Jazz zeigt sich insbesondere die benachbarte Jenaplanschule interessiert. „Zurzeit haben wir 425 Schüler. Das heißt, das Haus ist bis unters Dach sehr gut gefüllt. Wir platzen aus allen Nähten und müssen uns demnächst in irgendeiner Form erweitern“, erklärt Martin Plant den Raumbedarf. Auch an der Warnow gibt es noch freie Flächen. Die sollen am Besten auch dort bleiben und mit Wegen zugänglich gemacht werden. Eine Fußgängerbrücke über den Fluss wurde gleich mit vorgeschlagen. Überhaupt fehle es an Grün. Zusätzlichen Wohnraum solle es hingegen in diesem Bereich nicht mehr geben, sagten einige Workshopteilnehmer. Ob die Ansiedlung von Einzelhandel hier sinnvoll ist, blieb umstritten.

Die Kritikpunkte und Ideen der Einwohner werden dokumentiert und sollen neben den Anregungen von Fachleuten und Politikern in den Abwägungsprozess einfließen, kündigt Stadtplanerin Anja Epper an. Auf dieser Grundlage werde nun in den nächsten Monaten ein Konzept entwickelt, das in einer weiteren Einwohnerversammlung zur Diskussion gestellt wird. Zum Ende des Jahres soll die Bürgerschaft darüber beschließen.

Am Güterbahnhof in Rostock
Am Güterbahnhof in Rostock

Wer den Termin verpasst hat, kann seine Anregung auch weiterhin dem Stadtamt mitteilen. Die Ergebnisse des Workshops und weiteres Informationsmaterial sollen, so Stadtamtsleiterin Stephanie Bornstein, demnächst auch im Internet bereitgestellt werden.

Zu einem Stadtrundgang lädt die Stadtverwaltung am Samstag (21. März) ein. Bei einer Ortsbegehung durch die fünf Rahmenplanquartiere sollen Anregungen vertieft und konkretisiert werden. Treffpunkt ist um 10 Uhr an der Steintorkreuzung vor dem Gebäude der Ostsee-Zeitung.

Schlagwörter: Bürgerbeteiligung (23)Ehemaliger Güterbahnhof (2)Sanierung (83)Stadtentwicklung (24)Verkehr (360)

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