Revolutionäre Knochenimplantate aus Rostock und Wismar

Verbundforschungsvorhaben für individuelle Knochenimplantate wird mit 367.000 Euro gefördert

19. November 2012, von
Prototyp eines individuellen Beckenmodells
Prototyp eines individuellen Beckenmodells

Mit dem Alter kommt nicht nur die Rente, sondern oft auch ungewollte körperliche Verschleißerscheinungen. So leiden zum Beispiel über sieben Millionen Menschen in Deutschland an Osteoporose, gemeinhin als Knochenschwund bekannt. Die dann nötigen Implantate haben zwei große Nachteile: Sie können nicht komplett individuell an den Patienten angepasst werden und müssen so etwa alle zehn Jahre erneuert werden. Beide Probleme sollen in Zukunft mit einem Verbundprojekt der DOT (Dünnschicht- und Oberflächentechnologie) GmbH Rostock, der Universitätsklinik Rostock und dem IPT (Institut für Polymertechnologie) Wismar der Vergangenheit angehören.

Prof. Hans-Georg Neumann (DOT GmbH), Wirtschaftsminister Harry Glawe, Prof. Dr.-Ing. Harald Hansmann (IPT Wismar), Prof. Rainer Bader (Orthopädische Klinik) und Dr. Dieter Klinkenberg (Forschungsabteilung DOT)
Prof. Hans-Georg Neumann (DOT GmbH), Wirtschaftsminister Harry Glawe, Prof. Dr.-Ing. Harald Hansmann (IPT Wismar), Prof. Rainer Bader (Orthopädische Klinik) und Dr. Dieter Klinkenberg (Forschungsabteilung DOT)

Heute wurde dem gemeinsamen Projekt von Wirtschaftsminister Harry Glawe ein Zuwendungsbescheid in Höhe von 367.000 Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und dem Europäischen Sozialfond übergeben. Damit soll in den kommenden zwei Jahren vor allem eine Prozesskette zur schnellen und präzisen Erstellung von Knochenimplantaten mit spezieller Oberflächenbeschichtung aufgebaut werden.

Den ersten Schritt übernehmen die Mediziner. Diese orten den Knochenschaden, der nicht nur durch Osteoporose, sondern auch durch Tumoren, Infektionen oder Unfälle verursacht worden sein kann, und erstellen mithilfe einer Computertomographie ein genaues Model der betroffenen Stelle. Die Daten werden dann nach Wismar an das IPT übermittelt.

Dort wird für jeden Patienten ein individuelles Implantat gebaut. Bisherige Prothesen wurden oft nur eingesetzt, es konnte aber kein Knochen mit dem Gewebe verwachsen. So wurde der Druck nicht gleichmäßig verteilt und umliegende Bereiche bildeten sich durch die fehlende Belastung zurück. Die durch ein neues Laser-Schmelzverfahren hergestellten Titan-Implantate sollen nicht nur passgenau sitzen, sondern auch speziell beschichtet sein.

Mit Titanspray beschichtete Knieprothesen bei der DOT GmbH
Mit Titanspray beschichtete Knieprothesen bei der DOT GmbH

Hier kommt die Rostocker DOT GmbH ins Spiel. Das Unternehmen, welches seit 20 Jahren Biomaterialien und Oberflächenmodifizierungen herstellt, wird die Sonderanfertigungen mit einer Strukturlegierung ausstatten. Diese soll dem Knochen ermöglichen, mit dem Kunstgewebe zu verwachsen. So sollen Verschleißerscheinungen sowohl im künstlichen Gelenk als auch im gesunden Knochenapparat verringert werden.

Dann müssen die Mediziner die Implantate nur noch einsetzen und der Patient ist glücklich. Im Bestfall sollen nur 14 Tage zwischen erster Diagnose und erfolgreicher Operation vergehen. Doch auch wenn erste Prototypen bereits erfolgsversprechend sind, wird es mindestens noch bis ins Jahr 2015 dauern, bis die neue Technologie marktreif ist. Dann, so zeigen sich die Forscher optimistisch, sei aber auch ein langfristiges Ziel, die Gesamtkosten für das Gesundheitswesen zu verringern.

Auch Harry Glawe lobte das ambitionierte Forschungsvorhaben: „Es ist ein Projekt, das Wirtschaft und Wissenschaft zusammenbringt. Wir haben die Hoffnung auf zufriedene Patienten und ein gutes medizinisches Produkt“, sagte der Minister.

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