Lange Straße: Radfahrstreifen kommt zurück

Fahrräder und Kraftfahrzeuge sollen in der Langen Straße wieder getrennt fahren – statt des erst 2018 eingeführten Mischverkehrs gibt es eine Rückkehr zum Radfahrstreifen

10. Juni 2021, von
Lange Straße: Radfahrstreifen kommt zurück
Lange Straße: Radfahrstreifen kommt zurück

Die 1990er Jahre sind zurück, zumindest was den Radverkehr in der Langen Straße in Rostock betrifft. Noch in diesem Sommer sollen Fahrräder und Kraftfahrzeuge hier wieder getrennt fahren. Der erst vor wenigen Jahren abgeschaffte, unfallträchtige Radfahrstreifen kommt zurück. Er wird etwas breiter, sonst ändert sich wenig, auch nicht die Parkordnung. Am Mittwochabend wurden die Pläne im Ortsbeirat Stadtmitte vorgestellt.

Erst Radfahrstreifen, dann Mischverkehr

In den 1990er Jahren wurden in der Langen Straße in beiden Richtungen 1,70 Meter breite Radfahrstreifen angelegt – direkt neben den schräg angeordneten Parktaschen. Die so geschaffene Radverkehrsführung erwiese sich jedoch als unfallträchtig. Es gab Konflikte zwischen Radfahrern und ein-/ausparkenden bzw. ab- und einbiegenden Fahrzeugen.

2018 wurde der ehemalige Radfahrstreifen als Sperrfläche markiert und sollte als Sicherheitstrennstreifen zu den Parkplätzen dienen. Kfz und Radfahrer sollten sich den Rest der Fahrbahn als Mischverkehr teilen.

Dass der Radfahrstreifen baulich „noch irgendwie da“ ist, führe jedoch zu Unsicherheiten, erläutert Stefan Krause, Leiter des Amtes für Mobilität. Einige Radfahrer nutzen diesen weiterhin – aus Unwissenheit oder weil sie sich zusammen mit den Kfz unsicher fühlen, denn dort wird teilweise gedrängelt, gehupt oder viel zu knapp überholt. „Ja, es ist ein gewisser Effekt eingetreten, was die Konfliktfälle betrifft“, sagt Krause, „aber wir haben neue Konflikte geschaffen. Unterm Strich ist das keine befriedigende Situation.“

Zurück zum alten Radfahrstreifen aus den 1990er Jahren

Fünf Varianten wurden zur neuen Aufteilung der Langen Straße erarbeitet, zwei von der Verwaltung und Polizei favorisiert – in der Verkehrsführung unterscheiden sie sich nicht.

Die sieht so aus, dass der alte Radfahrstreifen wieder reaktiviert wird. Gleichzeitig soll er verbreitert werden – von 1,70 Meter auf 2,45 Meter. Die Verbreiterung ist allerdings eher theoretischer Natur, denn sie schließt künftig die Entwässerungsrinne mit ein, die durch ihre Pflasterung wenig fahrradfreundlich ist. Trotzdem habe der Radfahrer so „Platz für den Lenker und kann sich mehr nach links orientieren, ohne dass ihn sofort das Auto oder der Spiegel berührt“, sagt Krause.

Dass der Radfahrstreifen nur „beschönigt breiter“ wird, kritisiert auch Alexander Blietz (Grüne). Zudem würde der Streifen gern von Falschparkern genutzt. So wären die Fahrradfahrer wieder gezwungen, auf die Straße zu fahren.

Neben der Regenrinne ist ein zusätzlicher 75 Zentimeter breiter Sicherheitstrennstreifen zum Fahrzeugverkehr vorgesehen – für letzteren verringert sich die Breite von 4,25 auf das notwendige Mindestmaß von 3,25 Meter. In Risikobereichen (vor Parkflächen/Einmündungen) soll der Radfahrstreifen rot markiert werden.

Parkordnung quer oder längs?

Der einzige Unterschied zwischen den beiden favorisierten Varianten liegt in der Parkordnung. Verwaltungsintern habe man sich bereits auf das Modell 4 festgelegt, bei der die Fahrzeuge weiterhin quer bzw. schräg zur Fahrtrichtung parken, so Krause.

Bei Variante 5, dem Längsparken in den vorhandenen Buchten, wäre neben den parkenden Fahrzeugen ein zusätzlicher 0,75 Meter breiter Sicherheitstrennstreifen zu den Radlern möglich, der das Risiko durch unachtsam geöffnete Autotüren (Dooring) verringern würde. Dafür würde jedoch mindestens ein Drittel der aktuell vorhandenen Parkplätze entfallen – „für den Einzelhandel zumindest ein Streitthema“, so Krause.

„Es mangelt uns nicht an innerstädtischen Parkplätzen“, entgegnet Ortsbeiratsmitglied Christoph Eisfeld (FDP). „Das Überleben der Innenstadt hängt davon jetzt schlicht und ergreifend einfach nicht ab.“

Durch den Sicherheitsstreifen wären allerdings auch die Einparkmanöver beim Längsparken zwischen den Buchten mit Baumscheiben „nicht ganz trivial“, erläutert Stefan Krause und sieht hier u.U. eine „größere Gefährdungslage“ des Radverkehrs als beim Schrägparken. Bislang sei das Ausparken kein großes Problem gewesen, sagt er. In zehn Jahren habe es etwa vier Unfälle gegeben. „Das größere Problem war das Einparken und Abbiegen.“

„Nicht alles führt immer zum Unfall“, hält Eisfeld das Ausparken aus seinem persönlichen Erleben doch für ein Problem. Das Fahrradfahren attraktiver zu machen, funktioniere nicht, wenn es „angstbesetzt“ ist, genau das sei in der Langen Straße der Fall.

Auch vom Radentscheid werde das Längsparken bevorzugt, bekennt der Amtsleiter: „Da gibt es einen gewissen Disput.“ Es soll beobachtet werden, „wie sich die Variante in der Praxis darstellt“, so Krause. Bei Bedarf könnte man ohne großen Aufwand zum Längsparken wechseln.

Radentscheid forderte komplette Umgestaltung der Langen Straße

Eigentlich wünschte sich der Radentscheid Rostock eine viel radfreundlichere Umgestaltung der Langen Straße. In einer Petition forderte er, die südliche Fahrbahn komplett dem Radverkehr zu überlassen. Die Kraftfahrzeuge sollten sich in beide Richtungen die andere Seite teilen.

„Die Idee ist ein interessanter Ansatz“, sagt Krause, „aber es ist nichts, was man kurzfristig umsetzen kann.“ Die Seitenstraßen müssten weiter erreichbar sein und dazu neben dem Radweg auch die Straßenbahngleise gequert und über Ampeln gesichert werden. Etwa fünf Jahre veranschlagt der Leiter des Mobilitätsamtes für den Planungs- und Beteiligungsprozess bei einer grundhaften Umgestaltung der Langen Straße. Zudem bedarf es des politischen Willens und der Finanzierung.

„Ich bin maximal frustriert über das ganze Vorgehen“, bekannte Anja Eggert (Grüne). Mit dem Radentscheid seien über zwei Jahre lang Lösungsvorschläge mit intensiver Bürgerbeteiligung erarbeitet worden. „Ich finde es schade, dass diese intensive Arbeit erstmal so vom Tisch gewischt wird.“

Dass die Diskussion zu diesem emotionalen Thema noch lange nicht beendet ist, zeigte sich am Schluss. „Der Chat explodiert“, kommentierte der Ortsbeiratsvorsitzende Andreas Herzog (SPD) die zahlreichen online eingegangenen Fragen und Kommentare.

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