Ärger nach Verkehrsänderung in der Langen Straße

Die geänderte Verkehrsführung in der Langen Straße sorgt für Konflikte zwischen Auto- und Radfahrern – längerfristig will die Stadt sie umgestalten

17. Oktober 2018, von
Nachdem die Verkehrsführung in der Langen Straße geändert wurde, herrscht Unsicherheit.
Nachdem die Verkehrsführung in der Langen Straße geändert wurde, herrscht Unsicherheit.

Die Situation in der Langen Straße scheint zu eskalieren. Von rabiatem und rücksichtslosem Verhalten ist die Rede. Radfahrer und Autofahrer würden sich gegenseitig provozieren, berichtet Heiko Tiburtius. Vier Wochen ist es her, dass das Amt für Verkehrsanlagen, welches er leitet, die Verkehrsführung in der Langen Straße geändert hat. Die Radwegebenutzungspflicht wurde aufgehoben, die entsprechende Beschilderung entfernt, ein großer Teil des ehemaligen Radweges als Sperrfläche markiert. Nun sollen sich die ehemals getrennt fahrenden Autos und Radfahrer einen gemeinsamen Fahrbahnstreifen teilen. „Viele Verkehrsteilnehmer kommen damit nicht zurecht“, so sein erstes Fazit, nachdem er „viele negative und teilweise unsachliche Informationen und Kritik“ erhalten habe.

Der Grund für die Änderung der Verkehrsführung sei eine wachsende Anzahl von Unfällen. Senator Holger Matthäus betont: „Es gab verletzte Menschen. Es geht hier nicht nur um eine gefühlte Gefährdung, sondern um eine systematische.“ Vor allem beim Ein- und Ausparken werden Radfahrer von den Autofahrern übersehen.

„Als die Straße in den 1990er Jahren neu geplant wurde, hatten wir noch nicht so einen hohen Anteil größerer Fahrzeuge wie die SUVs. Aufgrund der Schrägaufstellung führt dies extrem zu Sichtbehinderungen“, erläutert Heiko Tiburtius. Außerdem sei die Anzahl der Radfahrer – erfreulicherweise – stark gestiegen.

Diese Gefahrenquelle soll mit der jetzigen Verkehrsführung unterbunden werden. Die Behörde hält die neue Situation für zumutbar. Mit weiteren Hinweisen soll sie den Verkehrsteilnehmern vertraut gemacht werden.

„Wir versuchen zunächst auf das Miteinander zu setzen. Wenn wir in den nächsten Monaten feststellen, dass sich das Unfallgeschehen und die allgemeine Verkehrssicherheit nicht signifikant verbessern, werden wir sicherlich über bauliche Dinge nachdenken müssen,“ kündigt der Amtsleiter an.

Stadt will Lange Straße neu gestalten

Für längerfristige Maßnahmen setzt die Stadt dabei auf städtebauliche Großprojekte wie die BUGA 2025, den Theaterneubau und die Bebauung der Nordkante am Neuen Markt. Bei deren Planungen soll die Lange Straße mit einbezogen und entsprechend verändert werden. Ziel sei es, nicht nur ihre Verkehrssicherheit zu erhöhen, sondern auch ihre Attraktivität insbesondere als Einkaufsstraße zu verbessern.

„Es darf sich nichts verschlechtern“, fordert Dr. Peter Magdanz vom Citykreis, der mit der jetzigen Situation „völlig unzufrieden“ ist, für die Gewerbetreibenden. Ähnlich sieht es WIRO-Geschäftsführer Ralf Zimlich. Das kommunale Wohnungsunternehmen ist Eigentümer der meisten Immobilien entlang der Langen Straße. „Auf keinen Fall sollte die Anzahl der Parkplätze verringert werden“, verlangt der Vermieter von Wohnungen und Geschäftsräumen.

Angesichts des Konfliktes zwischen Parkverkehr und Radfahrern sieht Anja Epper vom Stadtplanungsamt Handlungsbedarf lediglich im Detail, jedoch nicht grundsätzlich.

Vor allzu großen Veränderungen warnt auch Denkmalpfleger Peter Writschan und betont: „Die Lange Straße ist international als Architekturdenkmal hoch anerkannt. Einige Experten meinen, sie hätte die Qualität eines Weltkulturerbes.“

Nachdem die historische Lange Straße im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, wurde sie zu DDR-Zeiten als prachtvolle Magistrale mit ihrer heutigen Ausdehnung von 45 bis 55 Meter Breite wiederaufgebaut. Die letzte größere Umgestaltung erfolgte 1997. Zuvor wurden 22.000 Fahrzeuge pro Tag auf den zweispurigen Fahrbahnen in beide Richtungen gezählt. Nach der Umgestaltung des Neuen Marktes, des Doberaner Platzes, der August-Bebel-Straße sowie der neuen Verbindung zwischen Vögenteich und Stadthafen wurde der Verkehr aus der Langen Straße herausgelagert. Heute werden am Tag 7.500 Fahrzeuge, 1.500 Radfahrer und 30.000 Fußgänger gezählt.

Schlagwörter: Fahrrad (107)Lange Straße (35)Radweg (2)Verkehr (360)

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2 Kommentare

  • dr.listemann sagt:

    Die nun geänderte Verkehrsführung (Zusammenlegung von Radweg und Fahrbahn) halte ich für eine völlig verunglückte „Lösung“ ! Im Strassenverkehr gilt immer „Vorsicht vor Nachsicht“, und daher wäre es besser, eine Kennzeichnungs-Lösung (Schilder oder Radweg-Markierungen) zu finden, die Radfahrer darauf aufmerksam macht, dass vor ihnen gegebenenfalls Autos mit Sichtbehinderung rückwärts ausparken. Das würde m.E. bei den meisten Radfahrern sogar mehr Verständnis für solche Situationen hervorbringen als die aufgekommenen Streitigkeiten; ich denke, dass Radfahrer dann auch gerne mal beim Ausparken einen Moment warten und eventuell sogar beim Einweisen in den Strassenverkehr mithelfen …

  • Auto und Radfahrer sagt:

    Ich muss Dr.Listemann hier energisch widersprechen!

    Ich bin sowohl Auto- als auch Radfahrer, also bevor hier jemand meint, ich würde es nur aus einer Sicht sehen, dem ist mitnichten so.

    Die Situation in der Langen Straße ist absolut hausgemacht. Denn momentan prallen alte Gewohnheiten auf neue Verkehrsführung und Unwissenheit über die Regeln im Straßenverkehr!

    Zur Erklärung:
    1.) Ein Radfahrer darf 80 cm vom Fahrbandrand entfernt fahren!
    2.) Von parkenden Autos sogar 1m-Abstand.
    3.) Autofahrer müssen 1,50m Seitenabstand zu einem Radfahrer beim Überholen einhalten

    Der 2.Punkt konnte gar nicht mehr erfüllt werden, oder wurde noch nie erfüllt bei der alten Verkehrsführung! Sprich, als Radfahrer hätte man schon immer auf der allgemeinen Fahrbahn (allgemein deshalb weil sie für alle Verkehrsteilnehmer da ist, eben auch Radfahrer, falls deren Schutzstreifen unbefahrbar ist) fahren müssen/können/dürfen.

    Wenn ein Auto 1,5m Abstand einhält, möchte ich mal sehen, wie es an einem Radfahrer vorbeikommen will! Das geht in der langen Straße einfach nicht! Heisst für Autos: ÜBERHOLVERBOT! Und man stelle sich mal vor, man fährt auch die 80cm-Abstand von der Sperrzone, dann KANN da niemand mit dem Auto vorbei! Und das ist absolut regelkonform! Das muss man als Autofahrer dann auch mal akzeptieren. Da das aber so wenige können, gibt es nur eine Lösung für die lange Straße:

    FAHRRADSTRAßE

    Große sich wiederholende Bemalung auf der Fahrbahn und dazu noch Schilder, sodass wirklich JEDER blinde Autofahrer es einfach verstehen muss, dass der Radfahrer sich zu Recht auf der Fahrbahn aufhält!

    Zu Dr.Listemann: Nein, die Radfahrer können nicht auf ausparkende Autos Rücksicht nehmen.
    Das machen doch schon die meisten! Ständig! Ich fuhr immer bremsbereit auf dem Fahrradweg, dennoch kam es zu den gefährlichen Situationen! Und ich weiß, wie es als Autofahrer ist, dort auszuparken. Ich habe jedes Mal Angst, dass ich einen Radfahrer erwische! Und es kann kaum ernst gemeint sein, dass Radfahrer die Autofahrer einweisen sollen! Klar, mache ich dann jedesmal wenn ich dort lang fahre 3-4 Mal. Ich warte natürlich auch, dass ansonsten kein Verkehr ist, oder sperre gleich für den Ausparkenden die gesamte Straße in dem ich mein Rad quer auf die Straße stelle.

    Es kann nicht sein, dass Radfahrer immer die Rücksicht auf die Autofahrer nehmen sollen! Warum eigentlich? Sie fahren abgasfrei, nehmen viel weniger Verkehrsraum ein, sind viel leiser und umweltfreundlicher. Wenn alle Radfahrer mit dem Auto unterwegs wären, wäre der alltägliche Verkehrsinfarkt noch größer. Das Problem ist, dass die Radfahrer über Jahre immer weiter verdrängt wurden, und nun weder Radfahrer noch Autofahrer jetzt noch wissen wie man sich richtig verhält. Radfahrer haben auf Gehwegen beispielsweise nichts zu suchen, haben sich an Ampeln zu halten und die richtige Straßenseite zu benutzen.
    Wo ich Ihnen jedoch zustimme, ist „Vorsicht vor Nachsicht“: Und genau deshalb sollten Autofahrer in der langen Straße auch einfach mal entspannt hinter den Fahrradfahrern herfahren. Dort ist eh nur Tempo 30 erlaubt, der Zeitverlust ist also sehr gering. Vielleicht sollte man zusätzlich zu der Fahrradstraße noch das Tempolimit auf 20km/h reduzieren, das würde die Situation zusätzlich entspannen.

    Fakt ist: Die jetzige Situation ist ein fauler Kompromiss und nichts halbes und nichts ganzes. Streng nach den Regeln kann man das so machen, aber diese detaillierten Regeln kennt leider kaum jemand, sodass man wohl besser nochmal bei der Kennzeichnung DEUTLICH nachbesser. Also auch den alten Radweg komplett aus Sperrfläche markieren! Denn dort fahren zur völligen Verwirrung auch immer noch die Radfahrer aus Angst vor den Autos!

    Ich verstehe nicht, wie die Stadt Rostock das so beschließen konnte! Wer mal 5 Minuten ernsthaft über die Verkehrssituation nachdenkt, wird feststellen, dass mit der jetzigen Lösung die Probleme absolut vorprogrammiert waren!

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