Aus für die Liebesschlossbrücke in Warnemünde

Anlässlich der Reparatur der Warnemünder Bahnhofsbrücke werden die Liebesschlösser entfernt und sollen einen neuen Platz finden, auch in der Rostocker Innenstadt soll es künftig eine Liebesbrücke geben

17. März 2014, von
Bald wird es diesen Anblick der Liebesschlösser an der Bahnhofbrücke in Warnemünde nicht mehr geben.
Bald wird es diesen Anblick der Liebesschlösser an der Bahnhofbrücke in Warnemünde nicht mehr geben.

Die Liebesschlösser an der Bahnhofsbrücke in Warnemünde werden abgenommen. „Die gehören hier nicht hin“, meint Heiko Tiburtius, Leiter des Hafen- und Tiefbauamtes. Seit der Brückensanierung 2011 brachten Verliebte hier nach und nach sogenannte Liebesschlösser an – erst an die beiden Ketten auf der Seite des Brückendrehrades und später auch am gegenüberliegenden Geländer. Dicht gedrängt dürften hier inzwischen mehrere hundert mit Datum, Herzchen und den Namen der Verliebten verzierte Vorhängeschlösser hängen. Wie viele andere Städte weltweit hat damit auch Warnemünde seine eigene Liebesschlossbrücke, eine beliebte Attraktion nicht nur für Touristen.

 Liebesschlösser in Warnemünde
Liebesschlösser in Warnemünde

Doch es gibt Städte, die das rigoros verbieten, verweist Heiko Tiburtius auf das Vorgehen in Berlin, wo das Metall entfernt und verschrottet wird. Soweit wolle man in Rostock nicht gehen, sei so eine romantische Angelegenheit doch „positiv besetzt“ und man wolle die Liebenden nicht düpieren, ist sich die Fachverwaltung einig. Also denkt man dort über Alternativen nach. Diese sollen nicht nur preisgünstig sein, sondern müssen auch den Ansprüchen einer Liebesschlossbrücke genügen. Vor allem brauchen sie Wasser, in das nach dem Verschließen der Schlüssel für die ewige Liebe hineingeworfen werden kann. Deshalb war der Ansatz einer Liebesschlossbrücke am frisch sanierten Kröpeliner-Tor-Vorplatz nicht zu akzeptieren. Die dort aufgehängten Liebesschlösser wurden kurzerhand wieder entfernt.

Das Hauptproblem bei derartigen massenweise auftretenden Liebesbekundungen ist das Gewicht der Schlösser. „Irgendwann reißen die Ketten und Stahlseile und die Schlösser fallen runter. Da kann es sein, dass sich jemand verletzt“, zeigt sich Heiko Tiburtius besorgt.

Nun wird am Südende des Alten Stroms nach einem geeigneten Standort gesucht. Auch für die Innenstadt, etwa am Stadthafen, kann sich der Amtsleiter so eine Einrichtung vorstellen.

Links und rechts auf der alten Drehbrücke in Warnemünde hängen Liebesschlösser.
Links und rechts auf der alten Drehbrücke in Warnemünde hängen Liebesschlösser.

Der Anlass, jetzt die Liebesschlösser zu entfernen, ist die Reparatur des Drehmechanismus‘ der Bahnhofsbrücke. Bei einem Probebetrieb nach der Sanierung 2011 waren gleich mehrere Zähne am Zahnrad gebrochen und die Antriebswelle verbogen. Seitdem stand die Drehbrücke still. Nun soll der Drehantrieb erneuert werden. Die Finanzierung steht. In den nächsten Tagen wird der Auftrag erteilt, sodass die Arbeiten Anfang April beginnen können. Die ganze Brücke wird dafür mit einem Ponton angehoben, die kaputten Teile aus- und die Spezialanfertigungen eingebaut. Bis Ende Juni soll die Bahnhofbrücke wieder drehbar sein.

1903 erstmals in Betrieb genommen, gehört sie dann wieder zu den ältesten funktionsfähigen Drehbrücken Deutschlands. Als Verbindung zwischen dem Bahnhof auf der Mittelmole und dem Ostseebad ist sie ein vielbenutzter Weg für Fußgänger und Radfahrer. Schiffe passieren das technische Denkmal allerdings kaum noch. Dennoch wurde sie zwischen 2005 und 2011, als der Drehmechanismus noch nicht defekt war, im Frühjahr zum Stromerwachen und zum Saisonende zur Wartung und zur Freude vieler Schaulustiger gedreht.

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4 Kommentare

  • Klaus sagt:

    Die ehemals seltene Sitte wenigen Brücken ist auch extrem zu einer Unsitte geworden und zu einer Modeerscheinung verkommen … vermutlich durch das Internet.

    Nicht mehr nur Brücken sogar schon öffentliche Kunst wird damit verschandelt. Das hat dann m.E. nichts mehr mit Romantik zu tun sondern ist nun eine Unart sondergleichen.

    Gut das dem entgegengewirkt wird: wenn die Menschen sehen, dass etwas dagegen getan wird, machen die glücklichen Päarchen vlt. in Zukunft doch lieber wieder einen Juwelier reicher anstelle den nächsten Baumarkt oder Schlüsseldienst.

  • M.E. sagt:

    Das würde ich jetzt nicht so verbissen sehen und gleich als Unsitte abtuen.
    Es ist auch keine Modeerscheinung durch das Internet, sondern mittlerweile ein „Brauch“, der durch die Bestsellerromane von Federico Moccia und deren Verfilmung bekannt gemacht wurde. Ist doch ein hübsches Ritual für Verliebte und außerdem (auch wenn es nicht von jedermann als schön empfunden wird) ein touristischer Magnet und „Hingucker“.

    Das es so, wie es jetzt ist, nicht weiter funktioniert, ist ja auf Grund der mittlerweile großen Anzahl von Schlössern verständlich und so ein Schloss sollte auch nicht überall angeknippst werden, um zum Ärgernis zu verkommen.
    Ich finde es aber gut, dass die Stadt dem positiv gegenüber steht und nach einer praktikablen Lösung sucht.

  • Enrico B. sagt:

    Sind die entfernten Schlösser jetzt entsorgt worden oder kann man sein eigenes Schloss noch irgendwo zurückerhalen? Unser Schlüssel wäre noch vorhanden…

  • Sylvia & Jörg Martin R. sagt:

    Mit innerer Genugtuung und Freude haben wir heute die Nachricht des Verschwindens der “ sogenannten Liebesschlösser“ an der Warnemünder Bahnhofsbrücke gelesen. Als wir im Januar 2012 diese Unsitte dort bemerkten, waren wir, uns einig, solange das geduldet wird, nicht nach Warnemünde zu kommen. Meine Frau ist gebürtige Warnemünderin, wir haben das bis heute durchgehalten und sie können uns glauben, es fiel uns beiden nicht leicht. Wir danken den Verantwortlichen für diese Entscheidung .
    Übrigens, wir begehen im nächsten Jahr unser 40-jähriges Ehejubiläum , ohne Hochzeit-bzw. Liebesschloß!

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