Alte Linde in Lindenstraße soll gefällt werden

Aufgrund von Kanalsanierungen soll eine 110 Jahre alte Linde in der Rostocker Lindenstraße gefällt werden – lt. Planern und Verwaltung gibt es dazu keine Alternative

30. Januar 2020, von
Die 110 Jahre alte Linde am Ende der Lindenstraße in Rostock soll gefällt werden - Andreas Herzog, Vorsitzender Ortsbeirat Mitte (v.l.), Holger Matthäus, Senator für Bau und Umwelt sowie Jenaplan-Schulleiter Martin Plant
Die 110 Jahre alte Linde am Ende der Lindenstraße in Rostock soll gefällt werden - Andreas Herzog, Vorsitzender Ortsbeirat Mitte (v.l.), Holger Matthäus, Senator für Bau und Umwelt sowie Jenaplan-Schulleiter Martin Plant

Ein Baum soll gefällt werden. Nichts Besonderes in Rostock – noch dazu, wenn dies im Rahmen von anstehenden Kanalarbeiten alternativlos ist, wie die Stadtverwaltung beteuert.

Doch während die geplante Fällung von 120 Bäumen im Warnemünder Küstenwald nur auf Nachfrage nebenbei erwähnt wurde, gab es heute für die betroffene Linde einen überraschend großen Auflauf. „Bäume sind momentan in Rostock in aller Munde“, erklärte Holger Matthäus angesichts der Proteste in Warnemünde. In diesem Fall möchte der Bau- und Umweltsenator bereits im Vorfeld klarstellen, warum „die Entscheidung an dieser Stelle fallen musste“.

Und so kamen neben Matthäus die Grünamtschefin Dr. Ute Fischer-Gäde, Verkehrsamtschef Heiko Tiburtius sowie weitere Vertreter der Ämter, des Planungsbüros und von Nordwasser in der Jenaplanschule zusammen, um in einer eilig anberaumten Pressekonferenz zu erklären, warum der Baum gefällt werden muss.

Bauvorhaben Lindenstraße und Richard-Wagner-Straße

Im Auftrag des Amts für Verkehrsanlagen erfolgt der grundhafte Ausbau von Fahrbahn und Nebenanlagen in der Richard-Wagner-Straße, bei dem auch die Fahrbahn verbreitert wird. Insgesamt drei Bäume und die Linde sollen gefällt, neun Bäume neu gepflanzt werden. Der Baubeginn ist für März geplant.

Die Lindenstraße soll voraussichtlich ab 2021 neu gestaltet werden. Hier werden Fahrbahn, Nebenanlagen und Oberflächenentwässerung erneuert. Vier Bäume sollen gefällt, 14 Linden neu gepflanzt werden.

110 Jahre alte Linde ist zwar geschädigt, aber nicht abgängig

Hauptsächlich geht es um eine ca. 110 Jahre alte Linde an der Ecke Lindenstraße/Richard-Wagner-Straße. Der Baum habe zwar Schäden in seiner Vitalität, aber er hätte durchaus noch „eine gewisse Standzeit“, stellt Dr. Ute Fischer-Gäde klar. Trotz großer Belastungen in diesem Bereich „hat sich der Baum durchgesetzt“. Aus diesem Grund wurde der erste Fällantrag im September 2017 nicht genehmigt.

Planer begründen Baumfällung

„Die Kanalbauarbeiten in diesem Bereich sind kompliziert“, erläutert Planerin Anita Knubbe von der Ingenieurgesellschaft BDC Dorsch Consult. Neben der Erneuerung der Abwasser- und Trinkwassersysteme wird auch eine Regenwasservorflut in die Straße gelegt, um das Oberflächenwasser bei Starkregenereignissen getrennt abführen zu können.

Eigentlich steht die Linde dabei gar nicht im Weg. An ihrer Stelle soll weder ober- noch unterirdisch etwas neu gebaut werden. Das Problem: Der Verkehr kann nicht an Baugrube und Baum vorbeigeführt werden – dafür ist es einfach zu eng. Eine Totalsperrung würde nicht nur die Anlieger treffen. Ohne Zufahrt für Rettungsfahrzeuge müsste auch die Jenaplanschule schließen.

Vier Varianten für die Verkehrsführung wurden untersucht, am Ende blieb nur eine übrig: Die Linde muss gefällt werden, der Verkehr wird während der Baumaßnahme über den jetzigen Baumstandort geführt. Und so hat Nordwasser als Auftraggeber für die Kanalbauarbeiten erneut einen Fällantrag gestellt, dem voraussichtlich stattgegeben wird. „Wir sehen keinen anderen Ausweg“, erklärt Fischer-Gäde. Die Fällung soll noch im Februar erfolgen.

Jenaplanschule durch frühere Baumverluste leidgeprüft

„Wir sind leidgeprüft, weil wir auf unserem Schulgelände relativ viele Bäume verloren haben, da Baumaßnahmen nicht gut gelaufen sind“, erklärt der Leiter der anliegenden Jenaplanschule Martin Plant. Diese fehlen nicht nur als Schattenspender. Viele seiner Schüler sind auch in den Klimabewegungen aktiv und für das Thema Baumfällung sensibilisiert.

Auf der anderen Seite wünscht sich der Schulleiter dringend eine Verbesserung der Entwässerung, nachdem die Schule ihre Sporthalle nach einem Starkregen im vergangenen Sommer ein halbes Jahr lang nicht nutzen konnte.

Zumindest versprechen alle Beteiligten einen sicheren Schulweg während der Bauphase. Dafür soll – allerdings nur temporär – ein Zebrastreifen eingerichtet werden. Auch der Schwerlastverkehr über 7,5 Tonnen entfällt – jedoch ebenfalls nur während der Bauphase. Plant bedauert das, denn „morgens stehen hier teilweise die Lkws, weil sie die OZ nicht beliefern dürfen“.

Auch einen Radweg oder gar einen verkehrsberuhigten Bereich wird es für die Schüler in der Sackgasse nicht geben. Im Rahmen der Neugestaltung wäre eine solche Umwidmung zwar prinzipiell denkbar, sagt Heiko Tiburtius, doch die Planungen sind abgeschlossen, erklärt Holger Matthäus und ergänzt: „Ich glaube nicht, dass das Radfahren an den letzten 100 Metern scheitert. Wir müssen in der gesamten Stadt sichere Radverkehrsanlagen schaffen.“

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