Erster Radschnellweg in Rostock eröffnet

Zwischen Satower Straße und Erich-Schlesinger-Straße wurde heute das erste Teilstück des Radschnellwegs eröffnet, der künftig vom Hauptbahnhof bis nach Warnemünde führen soll

8. Mai 2020, von
Erster Rostocker Radschnellweg am Südstadt-Campus eröffnet
Erster Rostocker Radschnellweg am Südstadt-Campus eröffnet

Was es in Dänemark oder den Niederlanden schon lange gibt, hält nun auch in Rostock Einzug. Heute Mittag eröffneten Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen, Bausenator Holger Matthäus und Verkehrsminister Christian Pegel den ersten Radschnellwegabschnitt in Rostock.

Erstes Radschnellweg-Teilstück freigegeben

Das etwa 1.100 Meter lange und drei Meter breite Teilstück verläuft entlang des Südstadt-Campus von der Satower Straße bis zur Erich-Schlesinger-Straße. Perspektivisch soll der neue Weg vom Hauptbahnhof bis nach Warnemünde führen.

Ausgerüstet wurde der Radschnellweg mit einem modernen LED-System. Dieses erkennt Radfahrer beim Einfahren und gibt die Information über Infrarot-Sensoren von einer Leuchte zur nächsten weiter, die sich dann in Bewegungsrichtung zuschalten. Um Energie zu sparen, wird die Beleuchtungsstärke kurz darauf wieder auf ein niedriges Niveau heruntergeregelt.

Vor fast genau einem Jahr wurde der erste Spatenstich für den Radschnellweg vollzogen. Etwas teurer als ursprünglich geplant ist es geworden und etwas länger hat der Bau gedauert, erläutert Matthäus. Hintergrund sind hier vorgefundene Altlasten aus dem Zweiten Weltkrieg, die vom Munitionsbergungsdienst untersucht werden mussten.

Rund eine Million Euro hat der Abschnitt gekostet, 820.000 Euro kommen aus Mitteln des „Europäischen Fonds für regionale Entwicklung“.

Universitätsrektor Wolfgang Schareck (v.l.), Verkehrsminister Christian Pegel und Bausenator Holger Matthäus weihen den Radschnellweg ein
Universitätsrektor Wolfgang Schareck (v.l.), Verkehrsminister Christian Pegel und Bausenator Holger Matthäus weihen den Radschnellweg ein

Zwei Radschnellwege in Rostock geplant

Ohne Widerstand möglichst schnell über größere Strecken von A nach B zu kommen, umschreibt Holger Matthäus die Idee hinter den Radschnellwegen. Sie sind als Ergänzung für das übrige Radwegnetz in Rostock gedacht. Das heute eröffnete Teilstück zwischen Satower Straße und Erich-Schlesinger-Straße ist vollständig vom übrigen Verkehr getrennt, quert keine Straßen und kann so ohne anzuhalten schnell und sicher befahren werden.

Neben der Nord-Süd-Verbindung von Warnemünde zum Hauptbahnhof ist in Rostock noch eine Ost-West-Achse geplant, die in Dierkow beginnt, über den Stadthafen führt und am neuen Kreuzungsbauwerk in Evershagen auf die Nord-Süd-Trasse trifft.

Der Radschnellweg verläuft zwischen Südstadt-Campus und Bahnstrecke
Der Radschnellweg verläuft zwischen Südstadt-Campus und Bahnstrecke

Radschnellweg-Ausbau dauert noch Jahre

Wann auf dem neuen Radschnellweg tatsächlich vom Hauptbahnhof bis nach Warnemünde gefahren werden kann, steht allerdings noch nicht fest.

Der nächste Abschnitt führt über die Erich-Schlesinger-Straße an den Bahngleisen entlang bis zum Südring, über den eine weitere Radbrücke geplant ist, erläutert Michael Loba vom Amt für Verkehrsanlagen. Die Brücke über die Erich-Schlesinger-Straße könnte 2022/23 errichtet werden, das Bauwerk über den Südring nicht vor 2024. Vorher erneuert die Deutsche Bahn hier noch die Goetheplatzbrücke – voraussichtlich bis Ende 2024. Im Abschnitt zwischen Erich-Schlesinger-Straße und Südring werden auch noch Flächen von der Deutschen Bahn benötigt, zudem müsse erst der Bebauungsplan rechtskräftig werden.

„In der anderen Richtung wird es an einigen Abschnitten schneller gehen“, so Loba. Im Rahmen der Neugestaltung der Satower Straße wird beim Planfeststellungsverfahren auch der Radschnellweg mitgeplant – vor 2025 wird allerdings kaum gebaut.

In der Satower Straße wurden 80 Meter des Gehweges neu gepflastert, um Fußgänger und Radfahrer sicher zu trennen.
In der Satower Straße wurden 80 Meter des Gehweges neu gepflastert, um Fußgänger und Radfahrer sicher zu trennen.

Für den Abschnitt im Dr.-Lorenz-Weg soll noch in diesem Jahr die Ausschreibung erfolgen, Baubeginn könnte im Frühjahr 2021 sein. Mit einer Breite von 5,25 Meter und einem parallelen Fußgängerweg wird dieser Bereich zu einer Fahrradstraße.

Im Bereich der Tiergartenallee bis zur Trotzenburg wird erstmal nichts verändert. Bei der Querung der Rennbahnallee wird es bei einer – optimierten – Ampel bleiben. Eine Brücke oder Unterführung ist hier nicht mehr im Gespräch.

Im Barnstorfer Wald werden zwei Varianten auf der Süd- sowie eine auf der Nordseite untersucht. Vom Groß Schwaßer Weg am Westfriedhof aus könnte der vorhandene Radweg auf der Ostseite verbreitert und weiter genutzt werden. In Höhe der Bonhoefferstraße würde der Radverkehr dann mit einer neuen Brücke über den Westzubringer geleitet und auf der westlichen Seite ans Schutower Kreuz geführt.

Wie es von hier weitergeht, ist noch nicht Bestandteil der aktuellen Planungen, erklärt Loba. Vielleicht hilft die aktuelle Idee vom Oberbürgermeister weiter, der die Stadtautobahn zum Radschnellweg machen möchte.

Stadtautobahn als Radschnellweg?

In einem Interview brachte Oberbürgermeister Madsen die Idee ins Spiel, die Stadtautobahn (B103) einseitig in einen Radschnellweg umzuwandeln. Auch wenn sich dies rechtlich, baulich und verkehrlich kaum umsetzen lassen dürfte, bekräftigte der Verwaltungschef heute noch einmal, dass er bereit sei „andere Wege zu gehen“.

Die Umlaufsperre („Drängelgitter“) am Radschnellweg sorgt für Kritik
Die Umlaufsperre („Drängelgitter“) am Radschnellweg sorgt für Kritik

Radweg verbindet Universitätsstandorte

Auch Prof. Dr. Wolfgang Schareck, Rektor der Rostocker Universität, freute sich über den neuen Radweg, der zu einer besseren Anbindung des Südstadt-Campus an die weiteren Hochschulstandorte führt. „Es ist unser Anliegen, den nicht-motorisierten Individualverkehr zu stärken“, sagte Schareck und wies darauf hin, dass es am Südstadt-Campus weniger Parkplätze als ursprünglich vorgesehen gibt. Dafür eingesetzt hatte sich auch eine Bürgerinitiative im Hansaviertel, von denen heute Vertreter anwesend waren.

Kritik am „Drängelgitter“

Kritik gab es von Radfahrern an der Umlaufsperre (auch „Drängelgitter“ genannt) am Übergang zur Erich-Schlesinger-Straße. Lässt sich diese mit einem normalen Fahrrad noch relativ problemlos durchfahren, wird es für Lastenräder oder mit einem Anhänger hier ziemlich eng.

Video von der Eröffnung des ersten Radschnellweges in Rostock:

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1 Kommentar

  • Martin Elshoff sagt:

    Ich habe den vergangenen Feiertag genutzt, mir das neue / erste Teilstück des „Schnellradweges Rostocks“ anzusehen und zu befahren… Schon beim Beginn kamen mir der Geruch von Weihrauch und Myrre in die Nase, denn wer so etwas Schnellradweg nennt, muss es wohl beweihräuchert haben. Der Weg ist 3 Meter breit, Planungshilfe AGFS NRW spricht überall von einem Weg mindestens 4 Meter bei 2- Richtungsverkehr !! Dieser hier darf auch noch von Fahrzeugen (bei 3 m Breite ) befahren werden. Ich frage mich, wie auf der ausgewiesen Fahrradstraße (auch da gibt es entsprechende Richtlinien) 2 Radfahrer*innen neben einander (das dürfen sie laut StVO) im Gegenverkehr aneinander vorbeikommen sollen… Dann die Zuwegung bzw. Einmündung die mit einem unsäglichen Drängelgitter versehen wurde. Fahrradfahrer*innen mit Lastenrädern (hier unterstützt die Stadt sogar ein Projekt), Fahrradanhängern und 3-Rad-Fahrradfahrer*innen haben keine Chance, zumal es auch bergan geht. Auch wenn es nur eine Übergangslösung sein soll, das ist sie nicht. Bei jeder Straßenbaustelle werden fahrgerechte Zuwegungen geschaffen, warum nicht auch hier… Es soll ja wohl mal ein Brücke geben (2022 /2023 ??)… bis dahin dürfen sich die Radfahrer*innen drängeln. Im Übrigen hätte man den gleichen Effekt erreicht, wenn die Albert- Einstein- Str. zur Fahrradstraße umgewidmet worden wäre. Was kostete noch der neue Weg??

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