S-Bahn-Quietschen in Warnemünde bald vorbei?

Die Deutsche Bahn will das Problem der quietschenden Züge vor dem umgebauten Bahnhof Warnemünde lösen – Mitte November sollen die notwendigen Gleisarbeiten starten

15. Oktober 2020, von
Die DB Netz AG will das S-Bahn-Quietschen vor dem Bahnhof Warnemünde beseitigen
Die DB Netz AG will das S-Bahn-Quietschen vor dem Bahnhof Warnemünde beseitigen

Schick und modern ist er geworden – der umgebaute Bahnhof im Seebad Warnemünde. Doch bereits kurz nach der Wiederinbetriebnahme gab es erste Beschwerden von Anwohnern: Die Züge quietschen lautstark in der Kurve vor dem Bahnhof – sowohl S-Bahnen als auch die neuen Intercity-Züge nach Dresden.

„Bei mir ist am 24.05. die erste E-Mail eingegangen“, bestätigt Roberto Koschmidder, der sich als Referent für Umweltschutz bei der Deutschen Bahn auch um Lärmbeeinträchtigungen kümmert. Nach einem Vor-Ort-Gespräch am 18. Juni habe er die Problematik am 27. August selbst einen Tag lang beobachtet und festgestellt, dass es so ist: „Ja, wenn es trocken ist und warm, dann quietscht es.“

Nach einer Begehung mit einer Schienenbearbeitungsfirma Ende September, machte Koschmidder den Anwohnern auf der Ortsbeiratssitzung am Dienstagabend Hoffnung auf eine schnelle Lösung des Problems. Als Ursache wurde der sogenannte Stick-Slip-Effekt (Reibschwingung) ausgemacht. Man kennt dieses Phänomen von knarrenden Türen oder rubbelnden Scheibenwischern.

Bei der Bahn sind die Räder einer Achse starr miteinander verbunden, müssen in Kurven jedoch unterschiedliche Laufwege zurücklegen, erläutert Koschmidder den technischen Hintergrund. Das innere Rad legt eine kürzere Strecke zurück als das äußere und rutscht dabei minimal durch – mehrere tausend Mal pro Sekunde. Es kommt zu einer selbsterregten Reibschwingung in der entsprechenden Frequenz mit den unangenehmen Quietschen. „Das sind eisenbahntypische Geräusche, die man nie ganz wegkriegt“, stellt Koschmidder klar. Dennoch soll jetzt versucht werden, die Frequenz in einen Bereich zu drücken, der für den Menschen nicht hörbar ist.

Erreicht werden soll dies durch ein anderes Schienenprofil, sogenannte Anti-Verschleiß-Profile, erläutert Olaf Körner, Abschnittsmanager für den Knoten Rostock bei der DB Netz AG. Mit einer Schienenbearbeitungsmaschine sollen die Schienen so profiliert werden, dass „wir diesem Phänomen stark entgegenwirken“. Als Herausforderung stellen sich dabei jedoch sowohl die großen Gleisbögen als auch die vorhandenen Weichen dar, so Körner. Mitte November soll mit der Gleisbearbeitung begonnen werden, betroffen sind rund 2.000 Meter im gesamten Bahnhofsbereich. Die Arbeiten sollen nachts stattfinden.

Bereits beim Umbau des Bahnhofs wurde der Bogen in der Einfahrt aufgeweitet. „Wir sind alle davon ausgegangen, dass wir mit dieser Maßnahme gegen dieses Kurvenquietschen arbeiten können. Das hat sich leider nicht bewahrheitet“, muss Körner eingestehen.

Eine vom Ortsbeirat ins Spiel gebrachte Langsamfahrt der S-Bahnen in diesem Bereich ist für die Deutsche Bahn keine Alternative. Dies würde einen langsameren Takt auf der Strecke nach sich ziehen, so Koschmidder. Anfang 2021 soll der Erfolg der Maßnahmen überprüft werden.

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1 Kommentar

  • Markus Hertel sagt:

    Wer an der Bahnstrecke wohnt sollte damit leben.
    Vergleichbar mit an der Schule wohnen das zur großen Pause Kinder schreien (38Jahre an einer Schule gewohnt) und jetzt fehlt was!
    Oder zu guten Zeiten die Hammerschläge der Werft! Ich vermisse es.
    Das sind alles Dinge die zum Leben dazugehören und nicht nerven.
    Ich wette den es nervt sind die Bewohner aus den alten Bundesländern und hier „nur“ ihre „Zweitwohnung“ haben und vielleicht nur 4-5 Monate wohnen.
    Was war zuerst da Wohnhaus oder Bahnstrecke?
    Wenn der Mensch nichts zu meckern hat dann ist er krank.

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