Kurzfilmpreis JUNGER FILM im Rahmen des FiSH vergeben

„Sechster Sinn, Drittes Auge, Zweites Gesicht“ von Jan Riesenbeck ist Film des Jahres 2012

13. Mai 2012, von
FiSH - Festival im Stadthafen 2012
FiSH - Festival im Stadthafen 2012

FiSH 2012 in Rostock – wieder einmal war der Stadthafen an diesem Wochenende fest in der Hand von jungen Filmemachern. Mit Spannung erwarteten sie gestern den Höhepunkt des Kurzfilmfestivals: die Verleihung der Preise im Wettbewerb JUNGER FILM, der zu den wichtigsten Kurzfilmpreisen Deutschlands gehört. Doch das FiSH, das Festival im Stadthafen, hatte noch viel mehr zu bieten. In der Bühne 602 wurde sich cineastisch mit der DDR und dem Filmland Mecklenburg-Vorpommern beschäftigt und im Bunker wurden Musikvideos aus MV und Dokumentationen zum Thema Punk gezeigt.

Regisseur und Wettbewerbsmoderator Axel Ranisch im Filmgespräch mit Sebastian Matthias Weißbach, dem Macher von "Für Lottchen" und seiner Hauptdarstellerin Susanne Strach
Regisseur und Wettbewerbsmoderator Axel Ranisch im Filmgespräch mit Sebastian Matthias Weißbach, dem Macher von "Für Lottchen" und seiner Hauptdarstellerin Susanne Strach

Ich habe mich jedoch voll auf den Wettbewerb JUNGER FILM konzentriert, schließlich wollte ich alle 32 Beiträge sehen. Und obwohl das Festival einen Tag länger geworden ist, wurde der Wettbewerb um einen Tag verkürzt. Das war auch eine sehr gute Entscheidung, denn eine so wichtige Preisvergabe passt dramaturgisch einfach viel besser zu einem Samstagabend als zu einem Sonntagmorgen. Gleichzeitig bedeutete das aber auch zwei sehr vollgepackte, filmreiche Tage. 320 Minuten und 41 Sekunden Wettbewerbsbeiträge, dazu noch die Gespräche mit den Filmemachern und Jurydiskussionen.

Die Jury im Wettbewerb JUNGER FILM 2012
Die Jury im Wettbewerb JUNGER FILM 2012

Denn das ist das Besondere beim FiSH: Die Jury tagt öffentlich. Jeder Film wurde kritisch besprochen und auch die Entscheidungen über Gold, Silber und Bronze wurden vor dem Publikum getroffen. Ihren professionellen Senf durften in diesem Jahr die Regisseure Dietrich Brüggemann und Thijs Gloger, die Schauspielerin Odine Johne, Redakteur Timo Landsiedel und die Medienwissenschaftlerin Prof. Dr. Elizabeth Prommer abgeben. Die Juryleitung übernahm traditionsgemäß Matthias Spehr.

In diesem Jahr setzten sich die jungen Filmemacher besonders mit menschlichen Schicksalen und Beziehungen auseinander. Der Grundton war ernster und nachdenklicher. Es gab keine waschechte Komödie im Programm. Trotzdem wurde natürlich auch gelacht, das jedoch leiser, nachdenklicher und oft in einen kritischen Kontext gepackt, wie zum Beispiel bei dem Film „Vaterlandsliebe“ von Nico Sommer, der eine scheinbar rechtsradikale Figur begleitet, die von sich selbst behauptet, kein Nazi zu sein.

Der Wettbewerb JUNGER FILM im M.A.U. Club
Der Wettbewerb JUNGER FILM im M.A.U. Club

Nachdem im letzten Jahr mit „Bettinas Job“ eine Dokumentation zum Film des Jahres gewählt wurde, war dieses Genre 2012 sehr stark vertreten. Drei Schülerinnen aus Köln begleiteten in „So wie ich bin“ einen schwulen Lehrer und fragen Schüler, wie sie mit Homosexualität umgehen. Der Film „Testfahrer“ von Florian Arndt porträtiert das Leben von Volkmar Kirschbaum, der unter diversen Schicksalsschlägen zu leiden hat, und sich anscheinend trotzdem nicht unterkriegen lässt.

Moderator und Filmemacher Axel Ranisch übergibt Stephan Kämpf die Silbermedaille für "Chaos"
Moderator und Filmemacher Axel Ranisch übergibt Stephan Kämpf die Silbermedaille für "Chaos"

Bevor gestern Abend die einzelnen Preise überreicht wurden, vergab die Jury Medaillen. So konnten sie die ganz unterschiedliche Beiträge auch einzeln würdigen. Hätte man nur einen Sieger gewählt, wäre es schon ungerecht, einen zweiminütigen Knetanimationsfilm von achtjährigen Mädchen mit einer halbstündigen Dokumentation eines Filmstudenten zu vergleichen. Neun Bronze-, fünf Silber-, und sechs Goldmedaillen vergab die Jury. Im letzten Jahr waren es nur drei Goldmedaillen, was die hohe Qualität der Wettbewerbsbeiträge in diesem Jahr belegt.

Zwei Filme bekamen dabei alle fünf Jurystimmen und waren somit im Rennen um den Titel „Film des Jahres“. Zum einen „Five Minute Love Story“, eine ungewöhnliche Liebesgeschichte von Robert Jenne und Diane Schüssele, sowie die Experimentalgedankencollage „Sechster Sinn, Drittes Auge, Zweites Gesicht“ von Jan Riesenbeck.

Matthias Zuder gewinnt den Promotionspreis "Findling" für seinen Film "Ausgleich"
Matthias Zuder gewinnt den Promotionspreis "Findling" für seinen Film "Ausgleich"

Neben der Auszeichnung für den besten Film konnten sich die Teilnehmer beim FiSH 2012 über weitere Preise freuen. Die Dokumentation „So wie ich bin“ wurde mit dem Adobe Förderpreis für die beste Gruppenproduktion ausgezeichnet. Der Promotionspreis „Findling“ vom Landesverband für Filmkommunikation ging an „Ausgleich“ von Matthias Zuder. Der Film greift Täter-Opfer-Beziehungen auf und eignet sich laut Aussage der Jury sehr, um darüber bei den öffentlichen Vorführungen zu diskutieren.

Jan Riesenbeck - Film des Jahres 2012 „Sechster Sinn, Drittes Auge, Zweites Gesicht“
Jan Riesenbeck - Film des Jahres 2012 „Sechster Sinn, Drittes Auge, Zweites Gesicht“

Nun aber genug Spannung aufgebaut: Der Film des Jahres 2012 im Wettbewerb „JUNGER FILM“ ist „Sechster Sinn, Drittes Auge, Zweites Gesicht“ von Jan Riesenbeck. Unglaubliche vier Jahre hat es gedauert, den atemberaubend schnell geschnittenen Film fertigzustellen. Doch Jan ist kein unbekannter beim FiSH. Schon 2008 konnte er mit seinem ersten Film „Kopfgeburtenkontrolle“ den Preis für den besten Film mit nach Hause nehmen.

„Ich bin nicht mehr pleite“, sagte der überglückliche Gewinner nach der Preisverleihung. Was genau er jedoch mit den 2000 Euro Preisgeld und der 5000 Euro Filmförderung macht, steht noch nicht fest. „Ich habe einige Ideen, aber konkret ist noch nichts.“ Er selbst hat nicht damit gerechnet, dass er seinen Sieg von 2008 noch einmal wiederholen kann.

Die Gewinner des Publikumspreises: Robert Jenne und Diane Schüssele mit "Five Minute Love Story"
Die Gewinner des Publikumspreises: Robert Jenne und Diane Schüssele mit "Five Minute Love Story"

Doch auch Robert und Diane von „Five Minute Love Story“ müssen nicht traurig sein, denn sie gewannen den Publikumspreis. Neben 777 Euro von der Rostocker Brauerei kamen ungefähr 400 Euro als Preisgeld vom Publikum zusammen. Der Film, der als Bachelorarbeit der beiden entstand, konnte schon bei mehreren Festivals überzeugen.

„Wir wissen zwar, dass der Film gut ankommt, aber jedes Publikum ist anders und so freuen wir uns natürlich ganz besonders über die Auszeichnung“, erzählt Robert. Beide absolvieren inzwischen in Stuttgart den Masterstudiengang in Mediengestaltung und arbeiten im Rahmen ihres Studiums derzeit auch an einem neuen Film, für den sie vom Preisgeld neue Technik kaufen wollen.

Heute wurden zum Festivalausklang in der Bühne 602 noch einmal alle Gewinnerfilme gezeigt. Ich brauche jetzt aber erst einmal eine Kinopause. Doch trotzdem freue ich mich auf das nächste Jahr, wenn es heißt: 10 Jahre Festival im Stadthafen – ein FiSH feiert Jubiläum.

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