„Werner Tübke - Zeichnungen“ in der Kunsthalle

Rostocker Kunstmuseum stellt Arbeiten eines der bedeutendsten deutschen Maler aus

19. Juli 2013, von
Studie zu Dürer
Studie zu Dürer

Die Kunst der DDR kannte drei wesentliche Stilrichtungen: Den Sozialistischen Realismus, den zukunftsweisenden Expressionismus und Werner Tübke. Sein wohl bekanntestes Werk ist das sogenannte Bauernkriegspanorama in Bad Frankenhausen. Mit 123 Meter Länge und 14 Meter Höhe ist es eines der größten Gemälde der Welt.

Obwohl der 2004 mit 74 Jahren gestorbene Maler einen großen Teil seines Werkes in der DDR schuf, scheint er aus der Zeit gefallen zu sein. Seine altmeisterliche Malweise provozierte. „Für die DDR war das nichts, wenn sich jemand so nach hinten richtete. Das musste alles zukunftsträchtig sein“, erklärt Dr. Ulrich Ptak von der Rostocker Kunsthalle, die dem Künstler eine Ausstellung widmet.

Mit seinen Zeichnungen will das Rostocker Kunstmuseum uns die künstlerische Persönlichkeit Werner Tübke näherbringen und hat dafür 50 Blätter ihrer Sammlung hervorgeholt. Auch zwei seiner über 350 Gemälde befinden sich in Besitz der Rostocker Kunsthalle und werden vorn im Plastiksaal gezeigt. Abgeschirmt vom Tageslicht inszeniert auf matten hellgrünen Wänden mit einem neuen Lichtkonzept, das erstmalig in der Kunsthalle verwendet wird, hängen die Zeichnungen.

Sie geben Einblick in alle Schaffensperioden, in denen Werner Tübke immer eng mit der Hochschule für Buch und Grafik in Leipzig verbunden war. Hier hatte er nach seiner Malerlehre studiert, später nach einem Ausflug in die Kunsterziehung und Psychologie als Assistent und Dozent gearbeitet. Schließlich stieg er zum Rektor auf. Zwischendurch wackelte hin und wieder der Stuhl des politisch eigenwilligen Künstlers: ein Seiltanz zwischen Ablehnung und Anerkennung. Letztere erfuhr er erst in den 1970er Jahren, nachdem Galerien in Frankreich und Italien seine Arbeiten ausstellten, die Hamburger Kunsthalle Kunstwerke von ihm ankaufte und er gleich zweimal auf der Documenta 1977 vertreten war.

Tübkes Zeichnungen zeigen, wie penibel er war, wie sehr er das genaue Abzeichnen liebte. Die verschrubelten, manieristischen Körperhaltungen seiner Figuren haben etwas von Verzerrung und sind in jeder einzelner choreografiert. In übertrieben große Hände in einem seiner früheren Porträts ist schon angelegt, was sich später bis ins Groteske steigert. Für seine Porträts galt ihm Dürer als Vorbild. Seine Landschaften und Panoramen erinnern an die anekdotischen Wimmelbilder von Bosch und Brueghel. Neben den Bauern, die so auch in Renaissance-Gemälden ihr Tagewerk betreiben könnten, platziert er Rotarmisten in die Landschaft. Auf diese Weise zog er sich manchmal aus der Affaire angesichts all jener DDR-Kunstaufsichtsräte, denen dieses Altmeisterliche nicht geheuer schien, erzählt Ulrich Ptak.

Später löste Tübke die Linie stark auf. Das Malerische und das Zeichnerische verschmolzen sehr stark. Zu sehen auch in seinen Ansichten von Warnemünde, die kurz vor seinem Tod entstanden. Sie beschließen den Rundgang durch das Grafikkabinett mit den Zeichnungen Werner Tübkes.

Kunsthalle will ihre Tübke-Sammlung erweitern

„Wir sind gerade dabei unsere Sammlung mit einigen Zeichnungen zu erweitern“, verkündet der Kurator. Schon im nächsten Jahr soll es eine weitere Tübke-Ausstellung in noch größerem Umfang und interessanten Konstellationen geben. Die Ausstellung „Zeichnungen“ sei als Initiation zu verstehen, die noch bis zum 1. September 2013 dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr zu sehen ist.

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