Aufbruch – Malerei und realer Raum in der Kunsthalle

Wie Lucio Fontanes, Frank Stella, Gotthard Graubner und andere Maler die Grenzen der Leinwand aufbrachen

13. Oktober 2012, von
Ulrich Ptak vor Lucio Fontanes radikalen Schlitzen
Ulrich Ptak vor Lucio Fontanes radikalen Schlitzen

„Ja, meine Güte – jetzt hat der Künstler da fünf Schlitze in die Leinwand gemacht und nun?“, mag manch ein Betrachter denken, wenn er vor Lucio Fontanes Concetto spaziale attese steht. Als der argentinische Künstler in der Mitte des letzten Jahrhunderts sein Werk schuf, hatte es einen ganz anderen Effekt: Es war eine Sensation, ein radikaler Tabubruch. Indem der Maler die Leinwand, das unantastbare Heiligtum, durchlöcherte, brach er die traditionelle Vorstellung vom zweidimensionalen Bild auf. Der abgeschlossene Bildkörper drang in den Raum ein. Es interessierte nun das Davor, die Mitte und das Dahinter. Lucio Fontane gilt daher als Ikone in der Kunstgeschichte. Zu sehen ist sein Werk noch bis zum 27. Januar 2013 in „Aufbruch – Malerei und realer Raum“ in der Kunsthalle Rostock.

Yvarals Chromatisation Violet bewirkt optische Irritierungen
Yvarals Chromatisation Violet bewirkt optische Irritierungen

Die Ausstellung bietet einen Überblick über unterschiedliche künstlerische Ansätze europäischer und amerikanischer Künstler, die Geschlossenheit des Bildes aufzubrechen. „Wir überschreiten die Grenze der traditionellen Malerei. Die Leinwand ist nicht mehr relevant“, erklärt Kurator Dr. Ulrich Ptak. Landschaften, Porträts, Stillleben – die Darstellung eines illusionären Raumes war diesen Künstlern irgendwann nicht mehr genug. Ihr Interesse galt nun mehr dem realen Raum um das Bild herum. Auch wenn einige Arbeiten sehr plastisch sind, firmieren sie unter der Idee der Malerei.

Ausschnitt aus "Midun" von Emil Schumacher
Ausschnitt aus "Midun" von Emil Schumacher

Die Idee für diese Ausstellung stammt von einem Sammler, der einen großen Teil der Bilder beigesteuert hat. An ihrer Realisierung arbeiten gleich mehrere Museen zusammen. Nach Bochum, Kaiserslautern, der Akademie der Künste in Berlin und Würzburg ist Rostock nun die letzte Station der Schau. Sie zeigt, wie die Amerikaner Frank Stella und Neil Smith nicht mehr die Leinwand benutzten, um darauf eine Form unterzubringen, sondern sie nach der Form formten. Außerdem sind Arbeiten von Leon Polk Smith, Günter Fruhtrunk, Antoni Tápies, Emil Schumacher, Claude Viallat und vielen andere zu sehen. Auch Arnulf Rainer und Gotthard Graubner sind wieder in der Kunsthalle vertreten. Graubners Nänia III hängt übrigens an der gleichen Stelle wie vor gut einem Jahr ein anderer seiner Farbraumkörper in der Credo-Ausstellung.

„Für die Kunsthalle ist das ein Riesenprojekt, wozu wir allein nicht in der Lage gewesen wären“, sagt Kunsthallenleiter Dr. Jörg-Uwe Neumann und rät den Besuchern: „Man muss sich wirklich ein bisschen Zeit nehmen und Lust für eine Entdeckungsreise mitbringen.“

Ausschnitt aus Armans "Ohne Titel"
Ausschnitt aus Armans "Ohne Titel"

Denn nicht alle Kunstwerke sind so leicht zugänglich wie Armans Ohne Titel von 1987. Auf einer großformatigen Leinwand hat er dicht an dicht Flachpinsel montiert, die zuvor in tief blaue Farbe getaucht wurden. Damit durchbricht er die Grenzen des Bildraumes. Das, was das Bild erschafft, wird Teil des Bildes.

Jeden Donnerstag wird es ab 16 Uhr eine Führung durch die Ausstellung geben. Auch Führungen mit dem Kurator sind geplant.

Die Eintrittskarte zum Preis von acht Euro (ermäßigt sechs Euro) ist eine Dauerkarte, die bis zum Ende der Ausstellung am 27. Januar 2013 gültig ist.

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