Streit um Poller auf Fahrradstraße nach Warnemünde

Um den Kfz-Durchgangsverkehr zu verhindern, soll die Fahrradstraße im Groß Kleiner Weg zwischen Lichtenhagen und Warnemünde abgepollert werden – der Ortsbeirat sprach sich dagegen aus

11. November 2020, von
Streit um Poller auf Fahrradstraße von Lichtenhagen nach Warnemünde (Foto: Archiv)
Streit um Poller auf Fahrradstraße von Lichtenhagen nach Warnemünde (Foto: Archiv)

Soll die Fahrradstraße zwischen Lichtenhagen und Warnemünde abgepollert werden? Diese Frage wurde gestern Abend im Ortsbeirat des Seebads kontrovers diskutiert. Bereits vor einem Monat stellte Ortsamtsleiterin Franka Teubel die Planungen zur Errichtung einer Polleranlage im Groß Kleiner Weg vor, gestern warb Verkehrssenator Holger Matthäus für das Vorhaben.

Viel Kfz-Durchgangsverkehr auf der Fahrradstraße

Fahrradstraßen sind grundsätzlich Fahrradfahrern vorbehalten, Kraftfahrzeuge sind dort nicht gestattet. Im Groß Kleiner Weg erlaubt ein Zusatzzeichen den Kfz-Verkehr ausschließlich für Anlieger. Doch der Weg wird auch gern als Abkürzung benutzt, um schnell nach Warnemünde oder Diedrichshagen zu kommen. Messungen und Zählungen hätten ergeben, dass „im Sommer ein erheblicher Teil des Verkehrs keine Anlieger sind“, so Matthäus, „sondern dass es Durchgangsverkehr ist“ – hauptsächlich von Fahrern, die den Rückstau vor Warnemünde umgehen möchten.

Fahrradfahrer werden hier vom Kfz-Verkehr abgedrängt, begründet der Senator den Handlungsbedarf: „Es gibt vier Fahrradstraßen in Rostock, mehr nicht, das ist eine davon. Und die verdient momentan ihren Namen nicht.“

Alternativen für autofreies Warnemünde

Damit Warnemünde zu einem autofreien oder zumindest autoarmen Seebad wird, genüge es nicht Parkhäuser am Ortsrand zu bauen. Es müssen Alternativen zur Autonutzung geschaffen werden, so Matthäus. Rund 50.000 Rostocker könnten von Evershagen, Lütten Klein und Lichtenhagen über die Fahrradstraße nach Warnemünde fahren, betont der Senator die Bedeutung des Groß Kleiner Wegs. Der Umweg für die Diedrichshäger sei mit 1.000 bis 1.500 Meter hingegen nicht sehr groß, zudem wären nur vergleichsweise wenig Einwohner davon betroffen.

Anwohner verweisen auf versprochene Umgehungsstraße

Das sahen die Anwohner größtenteils anders. Der tägliche Arbeitsweg würde deutlich mehr Zeit kosten, zudem sei es nur eine Verlagerung des Problems, wenn die Fahrzeuge künftig durch Warnemünde, Lichtenhagen-Dorf oder gar den engen Elmenhorster Weg fahren. Denn die seit vielen Jahren als Verlängerung der Mecklenburger Allee versprochene Umgehungsstraße von Lichtenhagen nach Elmenhorst lässt weiter auf sich warten.

„Ich fahre dort dreimal in der Woche mit dem Fahrrad lang und bin noch nie bedrängt oder behindert worden“, sah Ortsbeiratsmitglied Axel Tolksdorff (Rostocker Bund) keine Notwendigkeit für so eine einschneidende Maßnahme. „Morgens und abends ist da ein Verkehr, der ähnelt eher dem auf der Hamburger Straße als auf einer Fahrradstraße“, entgegnete Anwohner Uwe Jahnke. Er sprach sich dafür aus, den Poller weiter nördlich zu installieren, sodass der Streuwiesenweg aus Richtung Lichtenhagen erreichbar bleibt.

Tolksdorff plädierte hingegen dafür, erst an eine Abpollerung zu denken, wenn die Umgehungsstraße steht. „Wann die Umgehungsstraße gebaut wird, wissen wir noch nicht“, erwiderte Holger Matthäus und drängte auf eine schnelle Lösung. Die würde es auch für ansässige Landwirte geben, zerstreute der Senator Bedenken, dass künftig große Mähdrescher durchs Seebad Warnemünde fahren müssten. Die Landwirte sollen ebenso wie Rettungsdienste oder die Stadtentsorgung eine Durchfahrtsgenehmigung erhalten.

Ines Beese vom im Groß Kleiner Weg ansässigen Blumenladen und Gartenbaubetrieb befürchtet, dass ihr künftig die Kunden fehlen, die jetzt noch auf dem Heimweg nach Diedrichshagen bei ihr einkaufen. Zudem würde jede Lieferung in den Nordwesten einen großen Umweg für sie bedeuten.

Ortsbeirat möchte Poller erst, wenn die Umgehungsstraße fertig ist

Nach langer Diskussion entschied sich der Ortsbeirat dafür, dass der Poller erst im Zusammenhang mit der Verlängerung der Mecklenburger Allee errichtet werden soll. Am 24. November steht das Thema auf der Tagesordnung des Ortsbeirats Lichtenhagen. Wie es weitergeht, müssen anschließend Bürgerschaft oder Verwaltung entscheiden.

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4 Kommentare

  • Anton Böhm sagt:

    Hallo.

    Ich befürworte die Einschränkung des Durchgangsverkehrs mit Poller für Autos.

    Ich fahre im Sommer sehr oft mit dem Fahrrad da lang und was sich dort abspielt ist nicht normal.
    Autofahrer können da garnicht überholen ohne den gesetzlich zugesicherten Mindestabstand zum Fahrrad einzuhalten. Aber die Realität sieht anders aus.
    Von drängeln, Hupen, Nötigung, bis hin zur Gefährdung ist dort alles dabei.
    Ich selber habe dort nen Garten und es wird auch für mich ein Umweg sein, mal mit dem Auto hinzufahren. Na und,,,,,,!!!! Eine sichere Verbindung für Radfahrer ist die beste Alternative, weil sicher fahren dort absolut nicht möglich ist und die meisten Autofahrer die Regeln auf einer Fahrradstrasse nicht kennen, oder nicht umsetzen.
    Ich verstehe das Bedenken des Blumenladen, aber nicht der Anwohner. Sorry 😐

    Sicherheit geht vor Bequemlichkeit scheint hier angebracht.

    Habe selbst schon Unfälle gesehen, wo der Radfahrer, der Leidtragende war.
    Muss erst einer Lebensgefährlich verletzt werden?

    So, genug meine Meinung und hoffentlich kommen die Poller noch vor Beginn der Session 2021.

  • Gabi sagt:

    Autofahrer sind die herrschende Art. Pro PKW bei Tempo 50 verbraucht ein Autofahrer incl. Sicherheitsabstände ca. 90 qm. Das ist der Bereich, indem sich Menschen nicht aufhalten können, ohne Gefahr zu laufen, über den Haufen gefahren zu werden. So braucht es nur wenige Autofahrer, um eine Straße zu vereinnahmen. Ergeben Autozählungen dann hohen Autoverkehr, wird das Fahrradfahren für gewöhnlich in Deutschland, in Rostock auf Gehwege beschränkt oder gleich verboten. Die starke Zunahme des Kfz-Verkehrs beeinträchtigt die Lebensqualität vieler Menschen durch Abgase, Lärm und Einschränkung in der nicht-motorisierten Bewegungsfreiheit. In den 1930ern setzten in Deutschland erste autogerechte Umgestaltungen von Städten durch Straßendurchbrüche und Häuserabrisse für Parkplätze sowie eine verstärkte Reglementierung des Gesamtverkehrs zu Gunsten der Autos ein. Es wird beispielsweise angenommen, dass sich seit dem Beginn der Einführung von immer mehr Ampeln in den 1960ern die Reisezeiten für Fußgänger verdoppelt haben.

    Umgehungsstraßen als „in den meisten Fällen kontraproduktive Scheinlösungen“ bezeichnet, bei denen „unter Berücksichtigung der Neubelastungen durch die Umgehungsstraße die Gesamtbilanz häufig nicht positiv ist“: Lärmbelastung, Schadstoffemissionen und Zahl sowie Schwere der Unfälle steigen durch die Zunahme des Autoverkehrs und der Fahrtgeschwindigkeiten.

    Quelle unter Suchbegriff: Sanfte Mobilität

  • Frank sagt:

    Ich bin der Auffassung des Ortsbeirates, wenn die Stadt die Umgehung gebaut hat, dann kann die Stelle bepollern, aber vorher ist das sinnlos und nicht Zielführend…. Es gibt ja Leute die in Warnemünde arbeiten, das bis zu einer Stunde im Stau Rund um die 103, Kreuzungen Richard Wagner und Parkstarße ist einfach nicht hinnenhmbar. Die Verkehrssituation im Sommer oder zu irgendwelchen Hochzeiten zwingen ein gradezu diesen Weg zu nutzen. Ich fahre dort auch durch wenn es die Situation hergibt und ich fahre meist so das kein Radfahrer behindert oder gar Gefährdet werden…. Jeder sollte drüber nachdenken miteinander vernüfntig und Respektvoll umzugehen im Verkehr, das würde helfen, aber nicht nochmehr verbote, oder gar sperren…..

  • Nico sagt:

    @Frank: Dann dürfen wir das so verstehen, dass es okay ist wenn Du dich über die Verkehrsregeln hinwegsetzt solange Du dabei vorsichtig fährst?

    Es ist und bleibt eine FAHRRADSTRASSE! Das heißt, wenn dort dauerhaft gegen die Nutzungseinschränkungen verstoßen wird, ist die öffentliche Hand dazu verpflichtet etwas dagegen zu tun.

    Warnemünde ist problemlos mit dem Nahverkehr erreichbar. Es gibt bereits 3 Zufahrtsstraßen nach Warnemünde. Es gibt ohnehin nicht genug Parkplätze in Warnemünde. Das Auto ist also generell eine schlechte Option um dorthin zu fahren.

    Es gibt übrigens genau 4 Fahrradstraßen in Rostock. Die Umgehung Fischereihafen ist schon fast das komplette Jahr wegen einer verschleppten Baustelle gesperrt und die oben genannte Fahrradstraße ist zu Stoßzeiten kaum gefahrlos nutzbar. Was bleibt sind 2 klägliche Fahrradstraßen.

    (Und nur um schon mal das Argument „Arbeit in Warnemünde“ zu entkräften. Ich hab auch mal in Warnemünde gearbeitet. Das Auto habe ich in Groß Klein abgestellt und bin nach der Spätschicht in der Gastronomie dorthin gelaufen)

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