Rostocker Kunstpreis 2012 geht an Iris Thürmer

Mit ihren reduzierten Schablonenzeichnungen gewinnt die Malerin und Grafikerin Iris Thürmer den mit 10.000 Euro dotierten Kunstpreis

2. Dezember 2012, von
Iris Thürmer gewinnt den Rostocker Kunstpreis 2012
Iris Thürmer gewinnt den Rostocker Kunstpreis 2012

„Es ist meine Leidenschaft zu zeichnen“, sagt Iris Thürmer gestern Abend in der Kunsthalle. Sie ist sichtlich dankbar, kann es kaum in Worte fassen. Viele Serien sind in den letzten Jahren entstanden, in denen sie „alles aus sich herausgeholt hat“. Ihre harte Arbeit, in die sich die Künstlerin dafür, wie sie selbst sagt, „bis an die Grenzen der Belastbarkeit“ gestürzt hat, neben ihren Verpflichtungen „man muss ja auch noch Geld verdienen“, haben sich ausgezahlt. Sie hat den diesjährigen Rostocker Kunstpreis gewonnen. Ein krönender Abschluss in doppelter Hinsicht. Denn neben den 10.000 Euro Preisgeld freut sie sich besonders über die Wertschätzung der Fachleute.

Eine zehnköpfige Jury aus Kunstprofessoren, Galeristen und Künstlern hatte in der 7. Ausgabe des Rostocker Kunstpreises die Aufgabe, den Künstler mit den besten freien Grafiken und Handzeichnungen zu ermitteln. Aus 80 Bewerbungen kamen Malte Brekenfeld, Alexander Klenz, Julia Körner, Susanne Rast und Iris Thürmer in die engere Auswahl. Eine Auswahl ihrer Werke war seit gut einem Monat in der Kunsthalle zu sehen.

Angesichts der großen Unterschiedlichkeit der Nominierten zeigte sich Iris Thürmer von ihrer Auszeichnung überrascht: „Ich habe wirklich nicht damit gerechnet. Es hätte jeder den Preis verdient.“

Galerist Holger Stark gratuliert der Preisträgerin
Galerist Holger Stark gratuliert der Preisträgerin

Als „Andacht“ bezeichnet Wilfried Schröder, Juryvertreter und Kunstpreisträger für freie Grafik 2008, das Zeichnen von Iris Thürmer. „Ihr Zeichnen, wie auch ihr Malen, ist Freiheit des Entstehens, ist etwas Elementares, ein Beginnen, ein Wiederaufgreifen, ein Fortsetzen von etwas, was ist oder einmal war“, schwärmt er seiner fast 20-minütigen Laudatio.

Nach Jürgen Weber (Malerei, 2006), Thomas Jastram (Plastik, 2007), Wilfried Schröder (freie Grafik, 2008), Tim Kellner (Schwarz-Weiß-Fotografie, 2009), Matthias Wegehaupt (Malerei, 2010) und Dirk Wunderlich (Plastik, 2011) ist Iris Thürmer die siebte Gewinnerin des Rostocker Kunstpreises.

Zwei Rostocker Kunstpreisträger: Iris Thürmer und Tim Kellner
Zwei Rostocker Kunstpreisträger: Iris Thürmer und Tim Kellner

Sie wurde 1962 in Leipzig geboren und lebt und arbeitet seit 1997 im vorpommerschen Wolthof. An der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig studierte sie bei Bernhard Heisig Malerei und war zunächst der figürlichen Malerei verpflichtet. Im Laufe der Jahre aber wendete sich die Künstlerin zugunsten abstrakter Darstellungen zunehmend von ihr ab, wobei sie häufig mit Schrift und Zeichen arbeitete. Dies gilt für ihre Malerei ebenso wie für die Zeichnungen, in denen die Künstlerin häufig Linien, Muster, Schraffuren und Buchstaben verwendet. Während sie in der Malerei das Prinzip der vielschichtigen Überlagerung in Richtung monochromer Arbeiten verfolgt, entwickelte sie für ihre Zeichnungen eine spezielle Technik, für die sie selbst hergestellte Schablonen benutzt. Die so entstehenden Blätter, in Rot oder Schwarz gehalten, erinnern an Strichcodes oder abstrahierte Baupläne.

Der Rostocker Kunstpreis wird von der Kulturstiftung Rostock initiiert, der Provinzialversicherung finanziell ausgestattet und gemeinsam mit der Hansestadt Rostock verliehen.

Zusätzlich zum Preisgeld möchte die Stadt seit diesem Jahr für jeweils 1000 Euro ein Werk der fünf für den Rostocker Kunstpreis nominierten Künstler erwerben. „Rostock will einen Beitrag leisten und anfangen die Sammlung zeitgenössischer Kunst fortzusetzen“, erklärte Kultursenatorin Dr. Liane Melzer während der Preisverleihung und erntete dafür viel Beifall.

Den Künstlern ist diese Absicht jedoch noch nicht ausreichend kommuniziert worden. Der Marktwert der Bilder von Malte Brekenfeld für eines seiner ausgestellten großformatigen Bilder liegt derzeit über dieser Summe. Aber er wird wohl kein Drittel von seinen Zeichnungen abschneiden, sondern ein kleineres für diesen Zweck zur Verfügung stellen. Eine Option, über die auch andere Künstler nachdenken.

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